Die “Neal Schon Story” – Part III Das Ende von “Journey” – Reunion – und Steve Perrys drei Nachfolger

Neal Schon Story – Part III

Mit Jonathan Cain als Keyboarder entfernt sich die Band von ihrer bisherigen musikalischen Stilrichtung mit Blueseinflüssen. Kritiker hatten allerdings auch nach den drei LPs mit Perry stilmäßige Ermüdungserscheinungen und Langeweile festgestellt. Mit Cain ziehen nun  mehr moderne Keyboard- und Flügelsounds ein. Die bluesige Seite wird zugunsten eher pompöser Klänge zurückgefahren. Das erste Album hieß dann auch bezeichnender Weise „Escape“.

„Don´t Stop Believing“ – Du kommst in Amerika nicht herum, dieses Lied mindestens einmal zu hören. Quasi eine weitere Hymne der Amerikaner. Und jeder kann den Text auswendig und spielt „Luftgitarre“ , wenn Neals Gitarre angewirbelt kommt.  Das Bass-Riff hat Neal übrigens ausgedacht, ebenso die „chugging guitar line and the sweeping chords on the chorus.” (Time 3 Booklet) Als Coverband in Nashville, New Orleans, Memphis, Austin oder sonst wo musste das Stück spielen können.

„Stone In Love“ beginnt mit verzerrten trockenen Chords. Das kurze Solo ist eines von Neals besten. Neal sagt:“ I especially like the end of this song because I wrote all the counterpoints between the guitar and the bass.  I think there is great interplay between Ross and me.”

“Still They Ride”- Fender Stratocaster-Rhythmus-Gitarre bzw. Roland-Synthesizer-Gitarren-Themen, wunderbare Melodiebögen. Und dann dieses super aufgebaute Solo, voller Spannung. Meisterlich.

Journey – Still They Ride (lyrics) – YouTube

“Mother, Father”- dramatisches Stück, das erste Zwischenspiel schrieb übrigens Neals Vater Matthew Schon. Neals melodiöses charaktervolles erstes Solo setzt sich im Gehörgang fest. Klasse. Das Zweite gefällt durch wieselflinke Läufe.

Journey – Mother, Father (Live In Houston 1981) – YouTube

„Who´s Crying Now“ – mit typisch Neal Schon-Outro-Solo zum Mitsingen , kennt auch jeder. Neben Anyway You Want it, Don´t Stop Believing, Lights und Wheel In The Sky in Amerika wohl meist gehört und in Karaoke Bars gesungen!

„Frontiers“ – im 80er- Soundkostüm

Journeys nächstes Album war im typischen 80er Sound. Fette Synthesizer-Teppiche und Neals Gitarre beginnt zunehmend zu  verhallen.

„Seperate Ways“ – kennt auch jeder in Amerika. Neals Solo können nicht wenige mitsummen.

„Send Her My Love“ – breit angelegte Ballade mit viel Hall, schöne Neal Schon Rhythmuslinien und Mitsing-Solo inkludiert.

Die nächsten beiden Stücke sind spieltechnisch originell und fallen aus dem Rahmen.

„Frontiers“: ungewöhnlich für Journey, Synthesizer-Sounds, vertrackter Schlagzeugrhythmus,  interessante Rhythmusgitarre, ohne Neal Solo

Journey-Frontiers(Frontiers) – YouTube

„Backtalk“

Erinnert an „Homemade Love“ von „Departure“ oder an die ersten drei Journey-Alben, gegentaktiges Solo von Neal, wirklich cool.

Journey-Back Talk(Frontiers) – YouTube

„Raised On Radio” – Album und Tour

„Raised On Radio“ läutet das vorläufige Ende von Journey ein. Während der Aufnahmen zum Album mussten Valory und Smith die Band auf Wunsch von Perry verlassen, der mehr und mehr die Geschicke der Band bestimmte. Ihre Arbeit im Studio und auf der nachfolgenden Tournee wurde von Studiomusikern übernommen. Das neue Album „Raised On Radio“ war kompositorisch noch mehr auf den allgemeinen amerikanischen Musikgeschmack ausgerichtet. Soundmäßig weich gespült. Das heißt nicht, dass es schlecht gewesen wäre, aber von dem ursprünglichen journesquem Sound der 70er Jahre meilenweit entfernt. Insgesamt klingt es mehr wie ein Steve-Perry-Soloalbum. Neal erhält nur wenig Raum, ausufernde Solos sind ehe seit dem Einstieg Perrys verschwunden. Was Live jedoch anders war. Dennoch enthält das Album einige coole Nummern, die die Klasse Neal Schons zeigen. Es gibt eine große Anzahl von melodiösen Gitarreneinwürfen und gekonnter Solos:

Journey – Girl Can’t Help It (Official Video) – YouTube

„Positive Touch“ – cooles Solo in der Songmitte (1:49 – 2:10) und spannende Rhythmusgitarre; die Fade Out- Melodie wird allerdings von einem Saxophon übernommen

„I´ll Be Alright Without You” – fast schon eine Disko-Nummer, mit tollen Gitarrenlicks und souligem Solo, übrigens wie bei „Girl Can´t Help It“ spielt hier Neal auf der 1986er Tour sein Signature-Gitarrenmodell.

Raised On Radio I’ll Be Alright Without You S Perry Journey – YouTube

„Be Good To Yourself“, auch hier mit seiner Signature Gitarre und langes Fade Out Solo.

Journey – Be Good to Yourself (Official Video – 1986) – YouTube

Valory und Smith wurden  auf der Tour durch die in den beiden Videos zu sehenden Randy Jackson  (bass/bacground vocals) und Mike Baird (dr) ersetzt.

Live-Mittschnitt von 1986

Journey Live in Philadelphia 1986 – YouTube

Nach dem Ende der Tournee kam es schließlich zum Bruch und die Band löste sich auf. Cain und Schon gründeten gemeinsam Bad English, während sich Perry einer Solokarriere widmete.

Tipp:

Wer einen guten Überblick über „Journey“ und Neal Schon haben will, dem sei die CD-Box „Time3“ ans Herz gelegt. Neben den wohl bekannten Titeln sind auf den drei CDs sehr reizvolle unveröffentlichte Songs gelandet. Die Liner Notes zu jedem Song auf den CDs sind wirklich reizvoll und geben Einblick über die Entstehung der jeweiligen Komposition. Absolut empfehlenswert.

Journey – Timeout bis 1996 (Neals Nebenproduktionen und Kollaborationen wie die Zusammenarbeit mit Jan Hammer, Sammy Hagar, Bad English, Hardline,  Jimmy Barnes und Paul Rodgers werde ich einem Extra-Kapitel vorstellen.)

1991 ein erster Wiederauftritt von Neal, Steve Perry und Jonathan Cain bei dem Bill Graham-Gedenkkonzert. Man merkt, dass Perrys Stimme ziemlich nachgelassen hat. Meiner Meinung nach der letzte Auftritt in dieser Rumpfbesetzung, denn trotz Reunion von 1996, gab es keinen Auftritt mehr mit Steve Perry. Neal spielt die weiße Strat über einen Gitarrenvorstufe (Fabrikat?). Wenig Effekte und trockenes Signal. Journey performt hier ohne Rhythmusbegleitung. Cool, das Solo in „Lights“.

Journey – Full Concert – 11/03/91 – Golden Gate Park (OFFICIAL) – YouTube

1996 – Reunion für Trial By Fire

Im Jahr 1996 kam es schließlich zu einer Wiedervereinigung in der Besetzung Perry, Schon, Cain, Valory und Smith und dem Album „Trial by Fire“. Die Band konnte natürlich in der veränderten Musiklandschaft nicht ganz an alte Erfolge anknüpfen, schaffte aber den Sprung in die Top-Ten der Billboard Hot 100 und konnte mit “When You Love a Woman“ einen Single-Hit verbuchen.

Die fast 10-jährige Journey-Schaffenspause hatte „Journey“ gut getan. Das neue Album kann meiner Meinung nach mit der Güte der frühen Alben locker mithalten. Das Album von Kevin Shirley (Joe Bonamassa u.v.a.) produziert, hat einen modernen Gesamtsound. Rockiges und Balladesques halten sich die Waage. Die Arrangements der Songs sind absolut gelungen und gesangsmäßig äußerst kreativ.

Anspieltipps

„Can´t Tame The Lion” – pure Neal Schon-Showtime, wirklich ein rasanter Ritt durch das ganze Stück. Die Finger flitzen. Das Solo ab 1:33 super. Highlight ist aber das Fade Out – Solo ab 3:00. Absolutes Neal Meisterwerk.

journey can’t tame the lion – YouTube

„Still She Cries“ – schönes Gitarrenintro

Journey – Still She Cries – YouTube

„Trial By Fire“ – gefällt durch die wunderbare etwas andere, aber typsche Neal Schonsche Rhythmus-Linien. Außerordentlicher guter Gitarrensound, leicht angezerrt, ab 2:05 kurzes stimmungsvolles Solo

Das Album sollte mit einer großen USA-Tournee verbunden werden, doch Perry verletzte (Hüftprobleme) sich kurz vor Beginn der Tournee und war für Monate außer Gefecht gesetzt. Die restlichen Mitglieder waren mit der Situation unzufrieden und beschlossen, ohne Perry weiterzumachen, um weiterhin auf Tournee gehen zu können. Für Perry wurde der Sänger Steve Augeri verpflichtet, der sich bereits bei Tall Stories und Tyketto einen Namen gemacht hatte und gesanglich an Perry erinnerte. Der freiwillig scheidende Schlagzeuger Smith wurde durch Deen Castronovo  (wirkte mit Neal  bei Paul Rodgers/ Hardlineund den Soloprojekten mit) ersetzt, der bereits mit Cain und Schon bei Bad English musizierte. Ein erstes Lebenszeichen sendete die Band mit einem Beitrag zum Soundtrack des Films Armageddon.

„Baby I Am Leaving You“ – Neal spielt Reggae auf dem Hidden Track – cooles Strat-Solo ab 1:00, wahrscheinlich benutzt er hier eine seiner Tom Anderson-Stratocasters, die er auch auf der Tour mit Paul Rodgers &Company (1993/94) verwendet hat. Übrigens hat Neal 1976 auf der Scheibe “Reggae Thing” der Band “Inner Circle” (Love is the drug/ Roman Solders Of Babylon/ Reggae Thing)) mit gewirkt.

Journey – Baby I’m Leaving You – YouTube

Neal Schon mit Inner Circle – ein Reggae- Zwischenspiel

Inner Circle Reggae Thing – YouTube

Inner Circle Roman Soldiers of Babylon – YouTube

Love Is The Drug – Jacob Miller.wmv – YouTube

Journey „Arrival“ – der neue Sänger Steve Augeri

Das erste Album mit Augeri erinnerte von den Songs her und den Sounds an die früheren Journey.vor „Frontiers“. Kompositorisch im Vergleich zu den nachfolgenden Alben ausgereifter und ganz nett. Zudem war nun mit Deen Castronovo ein Schlagzeuger an Bord, der in der Spielweise mehr an Aynsley Dunbar erinnerte und zudem ein vorzüglicher Sänger ist, der stimmlich über die hohe Perry-Falsett-Stimme verfügt.

Hier ein Video für hier lesende Schlagzeuger!

Deen Castronovo mit Journey 2000 in Las Vegas: La Raza Del Sol , geschrieben von Perry und Cain. Es geht hier textlich um die Rolle der „Hispanics“ im Werden der Vereinigten Staaten., Neal Schon steuert hier Santana Sounds bei und wechselweise Soloeinwürfe mit Cains Hammondorgel. Deen am Schlagzeug einfach grandios! Cooles Video!

Journey – La Raza del Sol (Live in Las Vegas – 2000) – YouTube

Deen Castronovo sing t „StillThey Ride” 2009

Journey – Still They Ride (Deen Castronovo) – YouTube

Anspieltipps

„Signs Of Live“

Journey – Signs of Life – YouTube

„Live And Breathe“

Journey – Live And Breathe (2001) HQ – YouTube

„Higher Place“

Higher Place – YouTube

„I Am Not That Way” – schöne Akustik- und E-Gitarre-Sounds, klasse Harmoniegesang

Journey I’m Not That Way 2001 Rare Track – YouTube

Die restlichen Journey LPs erwähne ich hier nur kurz.

Red 13 (Ep)

Generations – die letzte mit Steve Augeri

Auf Grund Augeris Stimmbandproblemen – anscheinend wusste man sich ab 2006 nur durch Lip syncing zu helfen, musste der Sänger das Handtuch werfen und wurde durch Jeff Scott Soto ersetzt.

Ab 2008 folgte ihm Arnel Pineda nach.

Revelation – die Erste mit Arnel Pineda

Eclipse – das bisher letzte Journey Album

Keine dieser Scheiben hat wirklich den Esprit früherer Jahre. Auch Neal bringt durch die vielen Side-Projekte, über die hier später noch zu sprechen wird, sich anscheinend nicht mehr mit voller Kraft ein. Journey seit 1996 mit drei verschiedenen Sängern eigentlich jährlich auf Tour, spielt bei jedem Konzert halt das „Dirty Dozen“ , das die Leute hören wollen. Neuere Stücke fließen nur spärlich ein.

Nach Neals Aussage soll 2021 ein neues Album erscheinen, ohne Valory und Smith, da gab es Ärger. Wahrscheinlich sind Randy Jackson am Bass und Narada Michael Walden am Schlagzeug mit von der Partie.

Fortsetzung folgt!

Fachblatt, 1980 Rolling Stone June 1980

Time 3 Booklet, San Francisco 1992

Guitar Player August, 2001

Gitarre & Bass, Juli 2001

Gitarre & Bass, Juni 2005

Rock It , März 2005    

Neal Schon über Neal Schon von Stev Rosen (Fachblatt 1983?)

Good Times, April 2008

Guitar Player, July 1989

Journey von Fleesh Fischer, Zeitungsartikel von 1980

John Stix, Neal Schon von Journey

Guitar Heroes II, 2007, guitar magazine

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