Biografie

Die Akkordeon – Ouvertüre

Begonnen hat alles so 1969 als ich ein Akkordeon von Hohner  erhielt und dazu Unterricht.

Die Euphorie war zunächst groß über dieses wunderbare rote Instrument mit den schwarz-weißen Tasten und den 40 Bassknöpfen auf der linken Seite. Die Freude darüber wurde allerdings bald  von der wenig attraktiven alten Jungfer und Akkordeonlehrerin getrübt, die mich über dem ehemaligen Café Walther am Ende der Semmelstraße unterrichtete. Eigentlich waren es zwei alte Jungfern namens Brönner, die die Kinder und Jugendlichen als Schifferklavier- und Piano -Domina züchtigten. Die Erwartungen der Dompteuse an mich waren groß, da mein ihr bekannter Onkel Georg (im 2. Weltkrieg gefallen) ein Künstler am Akkordeon war und auch mein Bruder, ebenfalls namens Georg,  ebenso am Schifferklavier brillierte. In Erinnerung blieb mir, dass sie, während ich bei ihr Unterricht hatte, mich jedes Mal auch „percussionsmäßig“ begleitete: zum einen klopfte sie am Klavier mittels winzigen Bleistifts den Takt mit oder  sie brachte mahlend-schmatzende Geräusche ihrer zahnlosen Kiefer zu Gehör. Schnell verlor ich die Lust am Gerät und fast jedes Lied wurde von ihr mit der Bleistiftbemerkung „Geht nicht!“ versehen.  Dennoch musste ich wiederholt bei Frühjahrs- und Weihnachtskonzerten in besagtem Café Walther mit meinen Leidensgenossen vor Publikum konzertieren. Nach vier Jahren war diese Passionszeit zum Glück beendet.


Meine Cousins und die MC

Unsere Wochenenden  verbrachten wir im Garten. Und es wurde um die Apfelbäume herum Fußball gebolzt. Praktisch war, dass meine Tante und Onkel mit meinen drei Cousins daneben wohnten. Die waren  alle so Jahrgang 1952 – 55 und langhaarig. Samstag- oder Sonntagnachmittag wurde das Fußballspiel durch gemeinsames Beatclub schauen unterbrochen. Ich hasste die Sendung.

Meine Cousins hatten sich im Untergeschoss einen Beatkeller eingerichtet. Die Wände waren mit allerlei Postern der damaligen Bands beklebt: Led Zeppelin, Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich  , Bee Gees, Beatles etc. Und zur besseren Akustik waren an der Decke Eierkartons genagelt. Da wurde dann laut Musik gehört. Als mein Bruder und ich bei der Marianischen Congregation (heute Gemeinschaft Christlichen Lebens) waren, galt es als groovy auf der Akustikgitarre die Songs von Peter, Paul und Maria, Bob Dylan, Joan Baez, Byrds usw. spielen zu können. Unter den MCern gab es wahnsinnig profilierte Gitarristen. Mein Bruder hatte dann Anfang 1972 eine Nylonstring-Wandergitarre, auf der auch ich die ersten Griffe lernte. Von irgendwoher bekam ich  eine gebrauchte Nylonklampfe und so spielten wir nicht selten zusammen Gitarre. Unsere Lieblingssendung war damals  ein hessischer Radiosender, der donnerstags Beatmusik spielte und natürlich Club 16 mit „Jessica“ von den Allman Brothers als Erkennungsmelodie.

1973 zogen wir neben meine Tante und der Kontakt zu meinen Cousins wurde noch verstärkt, da in mir die Sucht nach Rockmusik aufblühte. Hin und weg war ich als mein Cousin Matthias im Montanus-Plattenladen in Würzburg eine durchsichtige  goldene Vinyl Schallplatte für 12,80 DM gekauft hatte: Grand Funk Railroad „We ´re an American band“. Die limitierte Scheibe musste ich auch zu diesem Schnäppchenpreis haben. Die ganze Covergestaltung mit drei Aufklebern inklusive war der Hammer. Im Innenbild die 4 Musiker alle nackig im Heu. Und erst die Musik. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich alle Alben von GFR. 1974 spielten sie in Frankfurt. Ich wollte hin, aber zu jung halt. Zwei Tage nach dem Konzert war sogar ein Bild im Katholischen Würzburger„Volksblatt“. Das habe ich heute noch.

Erich, der älteste meiner Cousins, hatte eine Neckermann (Warenhauskette, für die, die den Namen nicht kennen)) ES335-Copy in Orange, so ähnlich wie die von Alvin Lee (+). Er spielte eher leidlich, also er produzierte Lärm über irgendein Röhrenradio mit Schaller-Fuzz-Pedal. Da er im Gitarrenspiel nicht recht weiterkam und die Lust verlor, verkaufte er mir die Klampfe mit dem Schallerverzerrer für 40.- DM. Endlich eine E-Gitarre. Mark Farner von GFR hatte 1969 auch so ein komischer Teil in olivgrün. Ich hörte mir Songs wie Dyermaker von Led Zep und von GFR „Into The Sun“an, schrubbte stundenlang das Riff von Jethro Tulls Locomotive Breath und versuchte  möglichst viel nachzuspielen. Mit drei MC-Freunden gründete ich die erste Band – The Four Insufferable Blues Jeans. Wir hatten in der großen Bude (= Veranstaltungs-Saal im 4. Stock) der MC, da wo heute der große Müllermarkt in Würzburg steht, unseren ersten Auftritt – 4 erbarmungslos verstimmte E-Gitarren wurden über die 4 Kanäle eines Echolette-Röhrenamp mit 4 x 12er Box gejagt – sonst nix. Es gab dann  in der MC-Zeitung sogar eine kurze Konzertnotiz: „Den einen gefiel die Musik, die anderen waren einem Nervenzusammenbruch nahe.“ Mit dem Stimmen war ja auch nicht so einfach, denn meine war auf Grund ausgebrochener Perlmuttknöpfe nur unter Zuhilfenahme einer Zange zu tunen.

 

 

Die Luxor-Les Paul 

Ne neue Gitarre musste also her und so drückte ich oft meine Nase nachmittags an der Fensterscheibe des Musikhauses Deußer in der Juliuspromenade platt. Da hing das schwarze Luder: eine Luxor-Les Paul für an die 400.- DM. Zum Glück hatte ich die Möglichkeit im Metzgereibetrieb meiner Eltern an zwei Tagen mitarbeiten zu dürfen, so dass ich mir bald die Gitarre zusammen mit einem 10-Watt Luxorverstärker kaufen konnte. Mit meinen MC- Freunden erstanden wir ein gebrauchtes Schlagzeug, an dem alle Becken gerissen waren und übten nun immer sonntags bei uns im Keller.
Bald darauf erstand ich noch eine gebrauchte Framus-Stratocaster. Der Luxor war bald zu leise um sich gegen die zwei anderen Gitarristen und den Schlagzeuger zur Wehr zu setzen. Beim Deußer machte man mir für 400.- DM ein Superangebot: Gebrauchter Röhrenguyatonecombo mit 50 Watt. Irgendwie habe ich das schwere Teil nach Hause gebracht. Allerdings wurde der beim ersten längeren Spielen zunehmend leiser. Im Geschäft zurück – der geht doch. Vielleicht liegt´s an eurem Strom daheim. Zurück und wieder zum Deußer – Verstärker wird leiser!!!! Für etwa 600.- DM dann einen Marlboro-Comboverstärker mit „Quadrablender“ gekauft. Man hat damals viel Geld damit verdient. Keine Verzerrung, einkanalig, Transistorkiste mit Hall und Tremolo. Dasselbe galt für einen Allsound-Verstärker, den ich danach hatte (siehe Bild unter Band Lolita´s Blues Band)
Equipment kauften wir dann alle nicht mehr beim Deußer, sondern erstanden jetzt zum „Sonderpreis“ im Musikhaus Wittstadt in der Kaiserstraße unser diverses Instrumentarium. Den „liebenswürdigen“ Auer (= Geschäftsinhaber und Despot) , unvergessen sein Bild rechts vor der Gitarrenabteilung mit Billy Cobham, besuchten wir wöchentlich mindestens zweimal, um irgendwas im reichhaltigen Cimar-Ibanez-Sortiment auszuprobieren. Da gibt´s nette Anekdoten zu erzählen, die irgendwann hier zu lesen sein werden. Vorweggenommen sei schon mal: Das Verhältnis zu Herrn Auer unterlag seinen Launen- und Stimmungsschwankungen   und war so meist angespannt.
Jedenfalls waren die Kopien, die man dort kaufen konnte recht gut und preisgünstig. Er hatte zudem eine größere Verstärkerauswahl.

 

Die erste richtige Band

New Age entstand 1977/78 als Schülerband des Siebold-Gymnasiums und hatte dort und im ME-Haus erste Auftritte. Wir probten in der Kantine der Deutschen Bundespost, die damals in der Schürerstraße im 3. Untergeschoss war. Zum Glück gab es einen Aufzug, denn zu jeder Probe mussten wir das komplette Instrumentarium mitbringen.
Irgendwie brach die Band mit dem Abitur auseinander und Peter Schäbler (Gesang/ Gitarre) und ich suchten nach neuen Mitmusikern.

Auf Kaltenhof

Fündig wurden wir dann durch das Groschenheft. Charly „Brouser“ Michel aus Kaltenhof bei Gaukönigshofen wurde unser erster Bassist. Charly Michel hatte richtig gutes Equipment, einen Fender Jazz Bass und einen riesigen H/H-Comboverstärker. Zudem besaß er einen Übungsraum auf dem Bauernhof seiner Eltern. Dann trieb er auch noch einen 16-jährigen Schlagzeuger namens Uwe Höfig auf. Die Band war komplett. Wir probten also im Kartoffelkeller des Aussiedlerhofes, nach Tückelhausen die Erste rechts nach Kaltenhof, also am Arsch der Welt. Jede Probe begann damit, dass wir die braunen Hinterlassenschaften der etwa Dutzend Hofhunde mit einem Schäufele nach draußen bugsierten. Der Keller war aber trocken. Einmal übten wir während eines starken Gewitters und Peters Marlboro-Verstärker ließ aus dem Instrumenteneingang einen kleinen Blitz und Schmorgeruch fahren. Sauber – da müssen wir zum Auer. Ich erinnere mich noch, dass während der Proben bisweilen Charlys Mutter gellend nach ihm rief: „Kalli, Kalli, Kalli geh` eh mal rauf….“
Mit der Zeit entstand im Kartoffelkeller eine ganze Reihe von bluesig bis poppigen Instrumentalstücken. Die Band firmierte dann unter dem Bandnamen „Lolita´s Blues Band“ im Ochsenfurter Raum. Unsere Lieblingslocation war die „Heilsbrauereigasstätte“ in Tückelhausen. Da gab´s vor dem Auftritt saftige Schaschlik-Spieße und gutes Bier. Peter gestaltete unser Plakat, ein fetter feister Typ, so wie Bacchus, auf einer Riesenschildkröte sitzend. Was das mit Lolita auf sich hatte, weiß ich bis heute nicht. 
Ich studierte zunächst Jura und jobbte für 5,40 DM die Stunde bei MC Donalds und arbeitete am Samstag noch zusätzlich bei meinen Eltern. Ich wollte endlich eine echte Gibson. Schließlich hatte ich 1990.- DM zusammen und kaufte mir 1980 beim Auer das„fretless wonder, eine black beauty “, eine Gibson Les Paul Custom mit Gold-Hardware. Eine wie Neal Schon oder Peter Frampton usw. sie spielten. Stolz trug ich sie im schwarzen Hartschalenkoffer aus Auers Reich.
Irgendwann trennten wir uns von Uwe und wir formierten mit Michael Deppisch aus Würzburg eine neue Band. Wir wollten nun nicht länger Instrumentales spielen, sondern Liedgut mit Gesang darbieten. So kauften wir unsere ersten riesigen Dielenboxen und ein Mischpult bei einer Band in Schweinfurt. Endstufe hatten wir keine, aber Charly baute sie uns. Wenn sie überlastet war, klackte es immer und der Saft war weg.

Musik Treff und Peavey Ära

1981 oder 1982 eröffnete in der Seinsheimstraße neben dem Schreibwarenladen „Müllerthann“ der Musik Treff von Kilian Stein, ein Eldorado für alle Studierenden, die auf dem Weg zur Uni hängenbleiben wollten, offen für jeden, der einen Kaffee in Ruhe trinken oder im Fachblatt schmökern wollte etc…Summa summarum eine Wärmestube, Kaffeebar und Raucherlounge für Musiker. Der Musik Treff war die Nachrichtenbörse der Szene. Nebenbei verkaufte Kili mit Christel seiner Frau auch Musikinstrumente. Für die große Mehrheit der Szene waren damit Deußer und Wittstadt gestorben. Endlich ein Laden, in dem man sich wohlfühlte und gut beraten wurde.

Der Thomann, damals noch auf ein Einfamilienhaus beschränkt, spielte nur bei den Tanzbands eine Rolle.
Im Musik Treff gab es  jetzt Marken, die es bis dato noch nicht in Würzburg zu kaufen gab. Bald spielten nicht wenige Peavey Amps, Hoyer und Washburn Gitarren. Auch wir. Peavey Deuce – 120 Watt Röhrenpower, was für ein Sound im Vergleich zu Marlboro und Allsound. Später motzten wir die Amps noch mit fetten Elektrovoice-Speakern auf. Ich verkaufte meine Les Paul und erstand zwei Washburn Klampfen, eine A 20 und eine blaue A 15 (siehe Bild oben).
Fortsetzung folgt:  „Die Amsel lernt fliegen“ und das „Les Paul Nirwana“

Zwischentext: „Gibsomanie“
Wie bei Walter Kempowski, Gott hab´ ihn selig, in seinem mehrbändigen Echolot, ist hier nun auch ein Zwischentext mit dem Titel „Gibsomanie“ eingefügt. Manie ist der leidenschaftliche Drang etwas tun zu müssen. Die Gibsomanie ist demnach der Drang nach einer Gitarrenmarke amerikanischer Provenienz, der sich facettenreich ausleben lässt: kaufen und verkaufen, bewundern, fotografieren, spielen, sammeln, den Ton hören, riechen, spüren und haptisch erfahren, sich in Literatur vertiefen (siehe Bibliographie am Ende) .
Viele Musiker sind gegen Gibsomanie absolut immun. Aber meist nicht manielos. Nicht selten sind sie der Stratotelemanie, also dem manischen Fenderismus völlig ausgeliefert. Wenn ich ehrlich bin, neige ich diesem seit einiger Zeit auch noch zu.
Die Gibsomanie zeigte sich bei mir relativ früh noch zu Deußers Zeiten. Ist doch die Form der Gitarre mit Namen Les Paul doch eine hervorragende. Die Augen tasten die Rundungen zunächst ab und erkennen die typische Form. In ballistischen Sprüngen geht es den Hals hinauf Richtung Headstock in freudiger Erwartung des mit Abalone eingelegten Schriftzuges: Da steht Luxor. Seitdem überflog ich , ob Bild oder Instrument,den Korpus flugs und scannte immer zuerst den Schriftzug auf der Kopfplatte: Original oder Kopie?

Die beiden großen Gitarrenfirmen haben jeweils ihren eigenen typischen betörenden Geruch. Bei einem Blinddate würde ich sie herausfinden.
Im Übrigen ist die Gibsomanie in meinem Falle auf die Les Paul-Form beschränkt. SG, Flying V, Explorer oder Halbakusische wie ES335 etc. lassen mich ziemlich kalt. Da fehlt mir die Affinität, obwohl vieler meiner Idole die ganze Modell-Palette benützt haben. Nicht auszudenken, wenn ich völlig befallen wäre. Bei Frauen stößt das Sammeln von Gitarren derselben Art auf Unverständnis. Die sehen doch alle gleich aus. „Stimmt schon, jeder Schuh hat nen Absatz“, antwortet man dann am besten.
Schon vor dem Kauf der Geliebten kommt höchster Genuss auf. Das Blättern in Katalogen auf dem Klo, das Wälzen von Testberichten, das Verschlingen von Musikhausangeboten. Das Vergnügen wurde mit dem Internet nochmals potenziert: Online-Shopping, riesige Internetplattformen mit Shopping –Mall und Gitarrengalerien, Testvideos und natürlich Ebay.
Schlimm für den Gibsomanen ist der Umstand, wenn das geliebte Idol plötzlich die Gitarrenmarke wechselt. Da kenne ich eins ganz persönlich. Mensch hat der jetzt einen „Scheiß-Sound“! Das fiept doch nur noch. Klingt total dünn. Hoffentlich kommt der wieder zur Amtlichen zurück. Demgegenüber gibt es auch die absolut treuen Gibsonisten-Künstler. Da fällt mir gerade ein, ich bin ja in den frühen und späten Achtzigern auch mal fremdgegangen, gitarrenmäßig versteht sich!! Aber das waren nur kurze Episoden bzw. Liebschaften. Dazu zählt auch eine kurze Liaison mit PRS.
Auf den übertragenen Ton, den Hals, das Gewicht und die perfekte Decke kommt es an, ob eine wie der Amerikaner sagt „keeper“ bleibt oder nicht.
Die perfekte Decke ist streifig, feuerzungenförmig oder tigermäßig geflammt, wobei die Riegelahornstreifen, im Übrigen ein Anzeichen dafür, dass der Ahorn einen Schlag hatte, nicht zu gerade (wie mit Lineal gezogen) und zu dünn sein dürfen. Das Gesamtwerk muss leben. So ähnlich wie bei diesen Wackel- oder Vexierbildern verändert sich je nach Blickwinkel das Farben- und Formenspiel auf der gewölbten Decke. Es entsteht bei guten Tops eine ungeheure Tiefe, ein quasi dreidimensionaler Blick in das Holz. Zudem muss das Ganze homogen und vintagemäßig wirken. Viele Supertops (siehe auch Lit. Bursthunter) übertreiben, diese „Poser“ liegen mir nicht. Schöner sind solche Decken, die „peekaboo“ ( Guck-Guck-Spiel ) erlauben: Je nach Lage der Gitarre im Licht- bzw. Blickwinkel erscheinen die „flames“ , ordnen sich anders an oder verschwinden völlig, so dass man sogar den Eindruck hat eine “plain top“-Gitarre in der Hand zu halten.
Die erste Perfekte erhielt ich im Musik-Treff und war eigentlich Zufall. Ich hatte eine USA Les Paul Standard von Kilian gekauft, bei der aber die Bünde nicht richtig abgerichtet waren. Zurück also damit zum damaligen Vertrieb. Die Gitarre kam dann völlig auf der Rückseite verkratzt zurück. Als Entschädigung erhielt ich eine Gibson Reissue der ersten Serie, ein Messemodell. Ein absolutes Leichtgewicht mit einer famosen Tigerdecke in Cherry-Sunburst und äußerst perkussivem Ton. Zu blöd, dass ich Depp die Gitarre 1989 bei Musik Produktiv gegen eine Schon Reverse in Zahlung gab. Das ärgert mich heute noch. Ich würde sie sofort zurückkaufen. Dass zwischen Gibson USA und Gibson Custom-Shop hinsichtlich der Gitarren Unterschiede herrschen, wollte ich eine ganze Zeit lang nicht glauben und hielt das Gesülze im Les Paul Forum für Schwachsinn. Im Herbst 2006 war ich im Coloss-Saal in Aschaffenburg bei Joe Bonamassa. Der damals noch relativ unbekannte und kinderspeckige Joe stand direkt vor mir. Ich hätte ihm die Schnürsenkel lösen oder die Füße griebeln können. Er spielte den ganzen Abend eine Custom Shop Les Paul. Zuhause versuchte ich den Sound mit USA Les Paul und Marshall zu imitieren. Leo, mein Sohn, begann Lied und Riff von „Bridge to better days“ zu hassen, denn das nudelte ich inklusive Led Zeppelin-Zwischenpart mehrmals täglich. Ich kam letztlich zu dem Schluss – an mir kann´s nicht liegen – das i-Tüpfelchen muss durch die Gitarre kommen. Ich stürzte mich ins Worldwide Web und suchte nach „der“ Gitarre. Fündig wurde ich dann bei Guitarpoint in Maintal. Da gab´s laut Homepage eine riesige Auswahl. Auf dem Hinweg am Nachmittag habe ich mich vor Aufregung x-mal verfahren. Zwei Stunden lang gab ich im Laden Joe Bonamassa-Riffs zum Besten (zum Glück war Leo nicht dabei ), dann hatte ich mich endlich für eine von zweien, die in die Endrunde kamen, entschieden. Der Preis exorbitant. So viel habe ich nie mehr für eine Gitarre ausgegeben und zwei USA Les Pauls gingen dazu in Zahlung. Auf dem Heimweg hielt ich mehrere Male um mich zu vergewissern, dass die Gitarre wirklich im Brown Case auf der Rückbank angegurtet war. Endlich daheim ließ ich Joe B. erklingen. Leo schlief schon.  Die Reaktion meiner Frau war niederschmetternd: „ So eine hast du doch schon. Die Farbe ist altbacken, gab´s die nicht in…?“
Inzwischen nach über 35 Jahren ist mein Durst gestillt. Zumindest was die Gibsomanie betrifft. Den absoluten Schlusspunkt setzte die Gibson Custom Shop R8 VOS Lemonburst von 2011 (auf der CD „On Scrambled Tunes“ zu hören und im Booklet zu sehen). Übrigens meine Älteste ist eine Gibson Les Paul Gold Top 30th. Anniversary, 1983 bei Kilian gekauft. Eine wunderschöne Gitarre mit einem perfekten Deckencarving, allerdings annähernd 5 kg schwer. Mit den Jahren gealtert mit Grünspan und Orangenhaut. Witzig  ist, dass der Bridge-Pickup der Klampfe jetzt in Kalifornien weilt. Aber das ist wieder eine andere Episode….

 

 

Fortsetzung folgt bald! 🙂

 

 

 

 

Die Amsel lernt fliegen – Black Bird
Nachdem wir nun eine richtige kleine PA hatten, Monitore gab´s auch die wurden mit den Peavey-Lautsprechern aus den Deuce-Amps bestückt, spielten wir ab 1980 recht häufig in ganz Unterfranken. Transportiert wurde unsere Anlage mit dem Aluminium „Fleischcase“- Lieferwagen der Metzgerei Martin. Auftritte waren somit nur am Wochenende möglich. Unser Programm bestand im Gegensatz zur Szene heute, beispielweise wie bei diesen grässlichen Honky Tonk-Nächten, ausschließlich aus Eigenmaterial. Und das kam gut an. Ich weiß nicht, wie oft wir die Kneipe „Gaubahn“ in Gaukönigshofen bespielt haben. Eine Kneipe voller Gis. Wir kamen völlig ohne „Sweet Home Alabama“ und ähnlichen ollen Kamellen aus. Des Öfteren waren wir auch bei den Sonderpädagogik-Feten zu Gange. Es war damals noch einfach für Bands Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Hier seien mal kurz einige Kneipen genannt, in denen wir regelmäßig konzertierten:
Walfisch (Kitzingen), Einstein (Würzburg, Gneisenaustr.), Bienenwabe (Volkach), Zauberberg (Würzburg), AKW (Würzburg), Hohenroth (?), Sulzfeld (Drachengrotte), Kitzingen (Himmelsleiter)
An eine Kneipe haben wir allerdings eine schlechte Erinnerung: Das Neu Amsterdam in Kolitzheim. Eigentlich waren wir schon gewarnt, dass diese Freaks nicht ganz ohne seien. Aber das kann uns ja nicht passieren. Auf jeden Fall das ganze Equipment auf den tollen Tanzboden geschleppt. Konzert sehr gut besucht, Getränkeumsatz mit Sicherheit super, Stimmung gut, eigentlich ein Superabend. Dachten wir: Die Freaks haben uns keinen einzigen Heller bezahlt. Da wurden irgendwelche fadenscheinige Ausreden gebracht oder beim nächsten Mal gibt´s Kohle. A.G.E (u.a. mit Hugo Gündling) ging´s genauso. Saubere Bande.
An diesem Abend hatten wir auch unseren neuen Bassisten an Bord: Stefan Gerhard spielte jetzt für Charly Michel am Bass und Charly war glücklich, sich nur noch um die klackende Endstufe kümmern zu müssen. Auf diversen Open Airs mit lokalen Bands, die gab´s damals noch, haben wir auch gespielt: Höchberger Open Air, Heuchelhof Open Air, Ochsenfurter Open Air und sogar im Würzburger Stadtteil Grombühl. Auch in der JVA Ebrach haben wir damals im Zuge der Initiative „Rock im Knast“ gespielt. Ich kann mich noch an die verdutztenBlicke der Vollzugsbeamten erinnern als wir mit dem „Fleischcase“-Transporter in den Innenhof fuhren.
Black Bird Promotion
Wir hatten auch kurzzeitig nacheinander Sängerinnen. Der Vater der einen (den Namen habe ich leider vergessen) war Drucker und so hatten wir zu Beginn wahnsinnig tolle Plakate auf glänzendem Papier, die besagter Vater mal nebenbei durchlaufen ließ: Ein Blackbird in schwarz (so wie ihn Wilhelm Busch gezeichnet hätte) mit roter Schrift. Das Plakat hatte Peter Schäbler entworfen. Dieses Logo prangte auch auf unseren Kabelkisten. Damals plakatierte man noch in Nacht- und Nebelaktionen immer in Konkurrenz zur Argokonzertagentur mehrmals vor den Konzertterminen. Nachdem uns die Sängerin verlassen hatte, gab´s keine Plakate mehr. Jetzt legten wir selbst Hand an: Eine Schablone aus Styropor wurde angefertigt, Farbdosen und Papier besorgt und in unserem Garten wurden am Fließband Plakate DIN A 2 produziert. Die Plakate haben wir dann überall zum Trocknen aufgehängt. Zu dumm war, dass die Schablone immer von den Farben zerfressen wurde.
Black Bird mit Barbara Stamm und Franz Gerstner
Die folgende Tat dürfte nach beinahe 40 Jahren verjährt sein. Es war ein Gig im AKW ausgemacht. Also musste wie üblich von uns plakatiert werden. Wir waren mit meinem R4 fleißig unterwegs und kurvten durch die Stadt mit Tapetenleimeimer und einer beträchtlichen Anzahl von Plakaten. Da gab es einen fetten Lüftungsschacht am Würzburger Marktplatz, der ringsum plakatiert war. Da hingen allerdings schon frische Plakate. Nun sahen wir die Stelltafeln der Würzburger CSU, die für den Stadtparteitag installiert waren. Eimer raus und Plakate an die Stellwände – die sieht jeder – Bombenwerbung mitten in Würzburg. Zu dumm, dass Wochen zuvor ein uns bekannter Schelm, die Helmut Kohl-Plakate mit einem eigenen Slogan versehen hatte. Das Original hieß „Kohl kommt“ und mutierte in der Nacht zu „Kohl kotzt“. Zwei oder drei Tage später sehe ich im Lokalteil des „Würzburger Volksblatt“ unser Plakat: Black Bird mit Barbara Stamm und Franz Gerstner mit entsprechendem Kommentar: ….eine Unverschämtheit jetzt sollten eigentlich alle demokratischen… Unser Schlagzeuger fand das gar nicht witzig und machte uns die größten Vorwürfe. Bei unserem Konzert im AKW war allerdings trotz Werbung keiner von der CSU  anwesend.
Fortsetzung folgt bald ! 🙂

Hühner vom Kartäuser
Tradition war es nach jedem Gig halbe Hähnchen beim Kartäuser am Theater in Würzburg zu holen. Die Hühner mit Pommes haben wir dann immer bei Thomas K., eine Art Personal Manager, gefuttert, der weit draußen in der Winterhäuser Straße wohnte. Er versah auch alle Cases der Band mit dem Black Bird –Bandlogo (Verkehrsschild mit Blackbird –Karrikatur) und hatte sich ein richtig kleines Black-Bird-Büro eingerichtet. Er unterstützte uns auch beim Text schreiben. Zudem hatte er noch einen riesigen Bernhardiner, der furchtbar muffte und sich jedes Mal über die Hühnerreste hermachte. Irgendwann verschwand er mal ne Zeitlang, da er sich unentgeltlich Strom gezapft hatte. Wir haben ihn dann in der Ottostraße besucht, allerdings ohne unseren „Fleischcasetransporter“, denn spielen durften wir da nicht.
Nachdem wir Steffi Gerhard an Bord hatten, wuchs unsere Sehnsucht nach einer Veränderung am Schlagzeug. Und irgendwie wurden wir in Martin Staub fündig. Ein Talent am Schlagzeug, der mal kurzzeitig bei Gunnar Olsen Unterricht hatte. Das junge Bürschlein (ca.16 – 17 Jahre) schleppten wir nun immer mit auf die Gigs und Steffi musste ihn dann in Retzbach frühmorgens bei Muttern abliefern. Am 3. April 1983 spielten wir in der Himmelsleiter in Kitzingen. Der Gig war super und wir hingen noch ein bisschen dort ab, denn für Kartäuser Hühner war´s schon zu spät und lauschten fasziniert dem speziellen Disput zwischen einer völlig versoffenen Braut namens Erika des Typus alte Scheunen brennen gut und einem ebensolchen Freak, den sie in ihrem breiten Fränkisch nur als „Schei´heiliger“ bezeichnete. Irgendwie wollte die zahnlose und gering attraktive Erika den „Scheinheiligen“ abschleppen. Wie es letztlich ausging, wissen wir nicht, Martin musste dringend heimgebracht werden.
Inzwischen hatten wir auch die lästige PA verklopft und dafür bei Kilians Musik Treff eine sauber klingende, leistungsfähige Peavey-Gesangsanlage mit Peavey Black Widow- Lautsprechern gekauft. Verstärkermäßig spielten Peter und ich je einen Peavey Bandit und Steffi einen Peavey-Bassverstärker. Wir hätten uns auch in „The Peaveys“ umbenennen können. Der Vorteil war nun zudem, dass wir nicht mehr den „Fleischcase-Transporter“ brauchten und mit zwei PKW auskamen. Der R4 war mit der umklappbaren Sitzbank super geeignet, zudem ich noch ein Hundegitter (eigentlich für meine zwei Riesenschnauzer installiert!) drinnen hatte, so dass wir bis unter das Dach laden konnten, also immer sportlich tiefer gelegt unterwegs waren. Stichwort R4. Da fällt mir ein, dass ich natürlich als Fahrer schon die „Arschkarte“ gezogen hatte. Einmal hatten wir einen Aushilfsschlagzeuger, der irgendwo im Hessischen (MKK-Kreis?) beheimatet war. Nachdem Gig sollten Peter und ich am folgenden Sonntag sein Schlagzeug zu seinem Heimatkaff zurückbringen. Irgendwo in der Pampas übersah ich rechts vor links – der R4 war vorne ziemlich verknautscht, die Fahrgastzelle jedoch hielt. Nach Würzburg zurück kamen wir dann noch mit offener Motorhaube, die wir irgendwie fixiert hatten, aber bei Bodenwellen immer rhythmisch mitschwang. Für eine gewisse Zeit hatte ich von Überlandfahrten die Nase voll.

Zwischentext
Thank you mum and dad
Eine Biografie ohne Eltern gibt´s nicht. Ohne meine wäre diese hier nicht zu schreiben gewesen. Welch´Weisheit, Herr Martin! Ich war bereits als Kind ein echter Quengler, ein Quälgeist, wenn ich etwas haben wollte. Im Robinson-Alter stand ich voll auf Ritter, Indianer und Cowboys. Gegenüber unserer Metzgerei war der Spielwaren Russwurm, erste Adresse für Spielwaren in Würzburg während der 60er Jahre. Von unserem Kinderzimmer im 1. Stock hatten mein Bruder und ich den perfekten Blick in die Russwurmsche Schaufensterauslage. Mit unserem guten Fernstecher konnte man sogar die Preise checken also heranzoomen, wie man heute sagen würde. Mein Herz schlug neben Märklin-Eisen- und Carrera-Rennbahn für Elastolinfiguren jeglicher Art: Ritter, Römer und deren Belagerungsmaschinen, Germanen, Gallier, Wikinger oder Karl Mays Old Shatterhand, Tante Troll, Kara Ben Nemsi, Sam Hawkins und wie sie alle hießen. Vor allem in der Weihnachtszeit wurden hier wahre Wunderwerke von Dioramen im Schaufenster geschaffen. Natürlich hatte ich wieder mal schnell einen meiner Helden per Fernglas und stetige Besuche am Schaufenster in mein Herz geschlossen. Jetzt hieß es, meine Mutter darauf aufmerksam zu machen. Dies geschah immer nach dem selben ritualisierten Strickmuster: So stand ich in der Metzgerei zwischen Ladenzimmer und Laden belanglos an den Türrahmen gelehnt da und blickte mehr oder minder starren Auges meiner Mutter beim Bedienen der Kunden zu. Einfach dastehen und glotzen. Da musst du nervenstark sein. Mutter hatte mir gegenüber nicht so stark Ausgeprägte. Endlich der befreiende Satz von ihr: „Willste wieder nen Ritter? Dann ist aber Schluss!“ Mit dem DM-Betrag in der Hand flitzte ich über die Semmelstraße und öffnete die Tür zum gelobten Land, in dem mich die füllige Frau Rußwurm freundlich in Empfang nahm. Schluss damit war eigentlich erst, als ich etwa 10 Jahre alt war. Zudem zogen wir 1973 aus der Innenstadt weg. Das Quengeln funktionierte bei meiner Mutter auch noch, als ich im Frühjahr 1985 das erste Staatsexamen bestanden hatte. Sie gab mir das benötigte Geld für eine Gibson Les Paul Custom in Darkburst. Kilian freute sich. Die Quittung von Christel, extra für meine Mutter als Beleg des Kaufes verfasst, habe ich heute noch. 

Fortsetzung folgt demnächst hier!  🙂

Am Sonntag wird geprobt!
Als wir in unser neues Haus umgezogen waren, hatten wir im Keller natürlich einen Hobbyraum, wie sich das gehört. Da stand zunächst die Tischtennisplatte. Mit meinem Drang zur Musik flog die bald raus und es entstand ein Musikraum mit altblauen Bauernmöbel und roter Couch. Jeden Sonntagnachmittag ab 1974 ging es hier nun lautstark zu. In den kalten Monaten mussten meine Eltern sich für drei bis vier Stunden ausschließlich ins warme Wohnzimmer verziehen, im Sommer legte ich Matratzen und Decken auf die Fensterschächte, wenn meine Eltern am Pool die Sonne genießen wollten. Der Sonntagnachmittag war für mich immer gestorben, wenn meine Spezel kurz vor Probenbeginn anriefen und mitteilten, dass sie heute nicht könnten. Da hatte ich voll den Prass. Dann habe ich halt die Matratzen und Decken wieder abgeräumt und geschmollt. Warum meine Eltern in dieser Hinsicht so tolerant sein konnten, verstehe ich bis heute nicht so recht. Die ganze Woche von Montag bis Samstag geschuftet und dann macht der Rotzlöffel am Tag des Herrn auch noch Krach – denn das war´s oft. Außerdem waren meine Eltern der Rockmusik nicht zugeneigt. Für meinen Vater war bei Obladi Oblada schon das Ende der Fahnenstange erreicht. Zum Glück war Leo damals noch nicht geboren: Zehn Mal das gleiche Stück hintereinander, Leo wär´ ausgeflippt. Äußerste Toleranz hinsichtlich der Musik, aber Hartnäckigkeit bei der Haarpracht – das war mein Vater. Wie im Abschnitt „Meine Cousins und die MC“ schon erwähnt, waren Erich, Michael und Matthias „langhaarert“ und dies war für meinen Vater ein absolutes „No Go“. Wir baten, ich quengelte, ich stand mir die Beine in den Bauch:“ Ihr geht zum Frisör!“ Da war nix zu machen. Mark Farner hing in meinem Zimmer mit den Haaren bis zum Arsch und ich durfte zum Frisör. Und dann der Spruch von ihm, der jegliche Diskussion zum Ende brachte: Den Langhaarigen fallen früher oder später die Haare aus, die kriegen alle eine Glatze. Meine längsten Haare hatte ich zu Black Bird-Zeiten – Mark Farner für Arme. Wundern tu ich mich immer, warum ich heute fast eine Glatze habe. Ich habe mir doch diesbezüglich niemals was zu Schulden kommen lassen.
Dass mein Vater ohne zu zögern uns jeder Zeit den Toyota Hi Ace zur Verfügung stellte, war auch generös. Oder dass er mit den Riesenschnauzern Gassi ging, wenn ich am Sonntagmorgen um fünf Uhr vom „Hühnerfuttern“ aus der Winterhäuser Straße ins Bett fiel. Also ihr zwei da obenvielen Dank noch einmal von hier unten.

Fortsetzung folgt bald! 🙂

“Konzerterlebnisse”

Das große Popfestival am 8. und 9. Juli 1972 hörten meine Cousins und wir damals von unserem Garten aus. Ich empfand die Lärmfetzen aus Richtung Westen kommend nicht gerade berauschend, eher jedoch die Meldungen, dass nackige Weiber “barfuß“ in der Mergentheimer Straße unterwegs zum Festivalgelände wären. Interessiert hätten mich  vor allem Jeff Beck, Home damals mit Peter Frampton an der Klampfe, Living Blues. Auf Franz K könnte ich getrost verzichten. Bei denen haben wir mit Klopstock in Hofheim 1985 im Vorprogramm gespielt. Aber 1972 hätte ich mir das noch nicht träumen lassen. :)Den Alexis Korner habe ich übrigens Jahre später im Würzburger Aqualung am Vierröhrenbrunnen gehört. Dem hat der Frankenwein während dem Konzert bestens gemundet. Mein erstes Rockkonzert in Würzburg war Kraan im Stadttheater Würzburg. Helmut Hattler am Bass, das hatte was. Später beeindruckte mich an gleicher Stelle die österreichische Art-Rockband Eela Craig. Mit u.a. zwei Keyboardern und einem Supergitarristen hüllten sie das Stadttheater in sphärische Klangwolken.

 

AC/DC in der Frankenhalle / Würzburg
Der Hammer, im wahrsten Sinne auf die Ohren, waren AC/DC mit Bon Scott in der Frankenhalle. Uiii waren die laut, das wurde 2014 nur von Uriah Heep in der Posthalle oder von Van Halen in der Carl Diem-Halle getoppt. Fand das Konzert damals nun nicht so toll bis auf ein „wundervolles“ Ereignis. Es wurde „more- more- more- more“ skandiert. Alle schauten gespannt zur Bühne, als sich plötzlich ein Gitarrensolo aus der PA ergoss und sich  gleichzeitig hinter uns Leben zeigte: Bon Scott trug Angus  Young auf dem Rücken durch die Halle und der nudelte dabei auf seiner SG herum. Wow, ich war platt. Das Kabel muss lang sein. Natürlich Quatsch. Der hatte nen Sender , boah! Noch betört von diesem Gitarrengimmick strömte ich mit den Konzertbesuchern zum Ausgang. Damals noch ohne Führerschein, war ich natürlich zur Frankenhalle geradelt und nicht eben begeistert spätabends an die 4,5 Kilometer hoch zur Sieboldshöhe zu radeln. Zücke also den Schloss-Schlüssel und wollte zum Rad, das in der Nähe des Halleneingangs stand – da lässt so ein Stehpinkler auf meinen Radsattel zielend gefühlte zwei Liter ab. Ich wollte schon einen Schrei loslassen – aber dann habe ich seine Kutte gesehen und bin zehn Meter weiter gelaufen und habe gewartet bis er mit dem Strullen fertig war und abgetropft hatte. Das triefende Fahrrad habe ich dann geschoben. AC/DC waren für mich gestorben, echt.

Camel in der Frankenhalle/Würzburg
Das klangmäßig beste Konzert in der Frankenhalle war das Konzert von „Camel“, auf der sie das Album „Rain Dances“ und natürlich das Konzeptwerk „Snow Goose“ präsentierten. Es war ein Multimediaabend erster Güte, Leinprojektionen und Musik wie aus einem Guss. Und Andrew Latimer spielte eine sagenhaft melodiöse Gitarre – natürlich eine Les Paul. Die ganze Band u.a. mit Mel Collins an diversen Blasinstrumenten war erstklassig. Der Stereo-gelegte Schlagzeugsound ein Traum.

Magma in Paris
Ein ähnlich schönes Konzert erlebte ich in Paris, als wenige Ausgewählte mit unserem Französischlehrer über Allerheiligen nach Paris fahren durften. Das war 1976. Während meine fünf Klassenkameraden am Montag, den 1. November, dem Alkohol frönen wollten, machte ich mich auf den Weg ins Théâtre de la Renaissance am (wie passend) Boulevard Saint Martin gelegen. Die Karte kostete 33 Francs. Absolut geile Location in Form eines Theaters mit entzückenden Logen im 19. Jahrhundert erbaut. Was sich in den nächsten Stunden abspielte war gigantisch. Die Band um den Schlagzeuger Christian Vander spielte Stücke, nein Werke wie Kohntarkosz Part 1, das satte 28 Minuten dauerte. Verstanden hat man von den Stücken kein Wort, die hatten ja, wie alle Musikbegeisterte wissen, ihre eigene Sprache, aber musikalisch hat´s an allen Ecken und Enden gedonnert. Ich stand zu dieser Zeit voll auf Artrockmäßiges, Grand Funk Musik war doch wirklich sehr einfach strukturiert. Ich könnte mir noch heute in den Hintern beißen, das Konzert von Colosseum II in der Frankenhalle verpasst zu haben: auch bis zu fünfzehn Minuten-Werke mit Gary Moore an der Gitarre und John Hiseman am Schlagzeug. Die Platte „Strange New Flesh“ ist bis heute einer meiner Lieblingsscheiben in diesem Sektor. Hugo (Gündling) half damals bei der örtlichen Konzertagentur als Aufbauhelfer mit und durfte für die Band beim Mäc Hamburger holen.
Journey in Lauda-Königshofen
1975 war ich bei einer fetten Privatfete eingeladen und an diesem Abend hörte ich zum ersten Mal diese Fusion- Latin-Rock-Musik der West Coast-Band. Christopher T. hatte eine CBS-Scheibe von Journey. Der Gitarrist namens Neal Schon war ein anderes Kaliber als Mark Farner (wobei man zugeben muss, dass Mark natürlich ein  toller Sänger war und hier die Hauptlast des GFR-Gesangs trug).Als sie dann nach den ersten drei Fusion-Alben noch den Ausnahmesänger Steve Perry anheuerten und mehrstimmigen radiotauglichen West Coast Sound lieferten, musste ich die Band unbedingt mal live sehen. März 1979 war es dann in Lauda-Königshofen so weit. Eines der schönsten Konzerte, die ich bis heute gesehen habe. Die Halle nur zu zwei Drittel mit GIs gefüllt und eine Band, die vor Spielfreude sprühte. Überraschenderweise spielten sie auch viele Titel der frühen Phase mit glasklarem Sound und lieferten sich nicht wenige prächtige Hammond und Gitarren-Duelle. Greg Rolies (Santana) Stimme harmonierte bestens mit dem Sopran von Steve Perry. Glückselig fuhren meine Freundin Susi und ich mit dem R4 nach Würzburg zurück. Im Kassettendeck lief Journeys neueste namens „Evolution“. Natürlich habe ich auch Konzerte von Gary Moore besucht. Dazu aber mehr in einem anderen Kapitel.

Fortsetzung folgt bald! 🙂

Die Amsel auf dem Pop Nachwuchsfestival der Sparkassen
Die Sparkasse rief 1983 zu einem Pop-Nachwuchsfestival auf, Voraussetzung für die Vorauswahl war eine Demoaufnahme. Wir schnitten zwar regelmäßig Konzerte auf einem Siemens-Ghettoblaster mit, aber eine richtige Demo-Aufnahme besaßen wir nicht. Harald Glotzbach (+) war Gitarrenlehrer im Musik Treff, spielte in diversen Bands und hatte ein Heimstudio in Burghaslach. Wir haben dann bei ihm ein ganzes Wochenende inklusive Übernachtung „gebucht“. Alle haben gequalmt aber wie. SO habe ich mir immer Tonstudio vorgestellt: Bier, Kaffee, Zigaretten. Geschlafen hat an dem Wochenende keiner. Alles wurde sauber aufgenommen, Gitarrenverstärker im langen Kellergang platziert, experimentiert und mikrofoniert wie bei Zep Lepperlin. Harald hatte echt die fette Ahnung. Herauskam ein Demo mit Topqualität im wavigen Sound, das man heute noch anhören kann. Im Sommer 2017 habe ich erfahren, dass Harald leider schon vor einigen Jahren verstorben ist. Die Demoaufnahmen werde ich demnächst mal digitalisieren und bei youtube also auch hier hochladen. Auf jeden Fall qualifizierten wir uns mit dem Demo für das Sparkassenfestival am 16.7. 1983 in der Kürnachtalhalle. Im Übrigen spielte ich schon im Studio wieder eine Gibson Les Paul Deluxe mit Minihumbuckern. Irgendwie überwarfen wir uns dann mit Steffi und Black Bird löste sich nach einem Auftritt bei MC Flying Scorpions auf. Eigentlich Schade zu diesem Zeitpunkt. War eine dufte Band mit tollem eigenem Songmaterial.
Peter und ich verbrachten nun wieder viel Zeit im Musik Treff und Peter erstand für uns bass- und schlagzeuglose Musiker einen Drum- und Basscomputer von Roland. Er wurde UWE nach unserem Schlagzeuger aus Lolita´s Blues Band-Zeiten genannt. So versuchten wir gemeinsam weiter Musik zu machen und Songideen festzuhalten. Nebenbei studierten Peter und ich Geschichte, Deutsch, Sozialkunde und Kunsterziehung für das Hauptschullehramt. Die Vorlesungen und Veranstaltungen besuchten wir nur sporadisch. Meist hielten wir unsere Seminare bei Kilian und Christel ab. Unvergessen sind auch die vielen Rockpalastnächte bei mir im Zimmer. Der Aschenbecher quoll über und die Bude war von den selbstgedrehten Bisonkippen Rauch geschwängert. Allerdings langweilten uns auch viele Bands, wenn´s nicht richtig zur Sache ging.

Fortsetzung folgt 🙂

„Wer wird nicht einen Klopstock loben?“

Gotthold Ephraim Lessing
deutscher Schriftsteller
* 22.01.1729, 15.02.1781
Wie bereits erwähnt, saßen wir nun wieder im Musik Treff rum und waren auf der Suche nach neuen Mitstreitern. Irgendwann im Spätjahr 1983 trafen wir im Musik Treff auf Hugo Gündling  (Gesang und Bass) und wir spürten sogleich, da geht was. Zusätzlich motiviert war ich durch neues Equipment, das unbedingt live zu erproben war: eine Gibson Goldtop 30th Anniversary im Brown Case, ca. 5 Kilogramm schwer, und ein Marshall JCM 800  4210 Combo mit moderner Kanalumschaltung, dazu die passende 1 x 12er Box, zusammen ein niedliches Türmchen bildend. Hugo war bis dato mit A.G.E unterwegs gewesen, die sich aber aufgelöst hatten. Geprobt wurde nun bei mir im Keller mit UWE oder „UBE“ (= Hugos liebevolle Originalbezeichnung des Geräts)) über Hugos Allsound-Gesangsanlage. Flugs hatten wir bis Ende des Jahres einiges an eigenem Material zusammen. Der virtuelle UWE stellte sich mit der Zeit als wenig flexibel dar, so wurde bald nach nem Schlagzeuger mithilfe von Kleinanzeigen gesucht. Auf eine Anzeige in der Pupille meldete sich einer. Justamente am 2. Januar 1984, übrigens seit 1960 jedes Jahr mein Geburtstag, stellte er sich zum ersten Mal im Proberaum vor: Michael Baur. Die Chemie unter uns stimmte von der ersten Minute an und neben dem Schlagzeugspiel verfügte dieser Mensch noch über eine äußerst variantenreiche Stimme für Chor- und Sologesang. Klopstock war komplett! Zeit hatten wir damals eh: Hugo studierte seit Jahren amerikanische Literatur und der Rest Lehramt. Gerade zweimal geprobt, kam auch schon die erste Anfrage rein, ob wir denn nicht auf einer Faschingsfeier der KJG am 15.2. 1984 im großen Saal des Kolpinghauses spielen könnten. Schaffen wir das in der Kürze? Sollen wir zusagen? Bammel hatten wir schon. Für den riesigen Saal war natürlich Hugos Anlage zu klein und so haben wir uns kurzerhand für den Faschingsevent von Christel und Kilian eine Peavey-PA aufbauen lassen. An jenem Abend firmierten wir übrigens nicht unter unserem eigentlichen Bandnamen „Klopstock“, sondern unter dem Pseudonym „Catchahugo“.  Man weiß ja nicht, wie der Abend ausgeht! Was wir da genau an dem Abend gespielt haben, weiß ich so recht nicht mehr, Rock ´n´ Roll halt und wir kamen ausgezeichnet an. Von da an ging´s Schlag auf Schlag: 10 Tage später konzertierten wir vor amerikanischen GIs in der Gaubahn und spielten zweimal in der Lohrer Bluescorner. Ja und am 18.5. 1984 stand unser erster Gig in unserem „Wohnzimmer“ an, wie Bobbele Becker sagen würde: Das Jugendzentrum in Rimpar. Hier haben wir in den Folgejahren mit allen Klopstock-besetzungen regelmäßig gespielt, aber nicht nur im JUZ selbst, sondern auch in Rimpars Mehrzweckhalle. Noch heute denkt jeder von uns gern an die ausgelassene Stimmung dort zurück. Wir brauchten damals keine AC/DC Nummern oder Ähnliches zum Besten geben – die Leute wollten unsere eigenen Stücke wie „No Jazz No Soul But Rock ´n´Roll“, „Desdemona“ oder „Anorak“ hören und mitsingen. Es war einfach geil dort zu spielen. Und jedes Mal potenzierte sich die Besucherzahl. Das Juz Rimpar war ne feste Bank. Ein Konzertbesucher (Name auf Anfrage) war immer anwesend. Am Anfang noch nüchtern und standhaft, zum Ende vor der Bühne nur noch kriechend unterwegs. Zwei Tage nach dem Rimparer-Auftritt, man würde sagen nach dem Warm Up-Gig, ging es nach Hofheim in die dortige TV-Halle. Hugo hatte einen Gig im Vorprogramm von Wolf Maahn & die Deserteure an Land gezogen. Wow, super und alles wird vom NDR aufgezeichnet. Also der Auftritt vom Wolf Maahn. Wir waren wie immer pünktlich vor Ort, fette Aufnahmekameras, Übertragungswagen, Wolf Maahns Backline stand bereits . „Ja ihr macht dann auch Soundcheck!“. (Ich weiß nicht mehr so genau, ob wir zur Vorsicht, als wenn wir es schon geahnt hätten, ein eigenes Mischpult samt Mischer (Norman von der Würzburger Band Mummenschanz) mitgebracht haben? Unser Mischpult, lief über das von Wolf Maahn.) Wir haben gewartet und gewartet. Wolf brauchte ewig für seinen Stimmensoundcheck : „ Das klingt irgendwie noch topfig..Rosen im Asphalt… Rosen..one two Asphalt….Roooosen, mehr Hall….“ Es zog sich hin. „Ihr könnt jetzt. Verstärker hoch. Mikrofon geht? Ok!“ Soundcheck beendet. Runter von der Bühne! 20 Uhr dann Konzertbeginn. Wir spielten, aber irgendwie merkte jeder von uns, dass der volle Sound fehlte, kein richtiger Monitor, du hörst nur deine eigene Gitarre, Licht auf Sparflamme. Katastrophe in unseren Ohren, aber die Kritik war am Ende doch nicht so schlecht.

Unsere Damenbegleitungen sagten später, die hätten, während unseres Auftrittes ihr eigenes Mischpult ein wenig ausprobiert, also, was man da so alles machen bzw. einstellen kann, Fader auf und zu, Panorama rechts-links, Equalizer, Bässe, Höhen, Mittenfilter, Effektgeräte…. Wolf Maahn zeigte sich für uns als absolut arroganter Schnösel. Meiner Freundin Susanne bot er im Backstage-Waschraum seine Seife zur Benutzung an. Toll. Gefreut hat mich dann Jahre später, dass es Wolf Maahn im Vorprogramm von Santana genauso erging. Da hat er sich im Musikfachblatt über die Unkollegialität der Santana-Crew ausgekotzt. Arsch! 
Samstag darauf spielten wir auf dem Open Air in Höchberg, welches allerdings in der Mainladhalle stattfand. An diesem 26.5. 1984 hatten wir einen Hammer-Sound, den unser späterer Schlagzeuger Reinhard Kitzing am Mischpult zauberte

 

 

Klopstock im Studio

Natürlich benötigten wir zum Ausmachen von Gigs auch ein ordentliches Demo, so buchten wir das Tonstudio von Jürgen Gerner in Hirschfeld. Dieses war nun von der Ausstattung wirklich professioneller als das von Harald Glotzbach. Hugo hatte dort schon mit A.G.E die Aufnahmen für deren erste Single gemacht. Zur Ausstattung gehörte ein tolles Studer-Mischpult  , eine Schlagzeugkabine und ein großzügiger Aufnahmeraum. Da wir unsere vier Stücke fleißig vorbereitet hatten, gingen

die Aufnahmen flott voran. Neben vielen Rauchwaren hatte ich auch von unserer Metzgerei Salamibrötchen für meine Bandkollegen mit (siehe Bild: da bin ich am Essen, Hugo auch/ Peter nimmt ein Lungenbrötchen). Wir waren happy. Stolz war ich auf ein Tapping-Solo auf dem Stück „Don´t Loose Your Head“ – ein richtiger Live-Fetzer. Tapping-Solos waren damals furchtbar in. Übrigens ermunterten wir Hugo kurz davor, sich bei Kilian endlich einen „anständigen“ Bass zu kaufen: So verwendete er nun hauptsächlich einen Tokai Jazz Bass und einen HH-Bassverstärker mit Allsoundbox. Jahre später ergatterte er einen Gibson GrabberBass, den berühmten“ Klodeckel-Bass“, den er heute mit Sicherheit noch besitzt. Also alle Aufnahmen waren im Kasten und wir waren gespannt auf das Abmischen von „Crazy World“ so in Richtung Dire Straits gehend, „Since She´s Gone“ ein Reggae“ , „Why Do You Hide“ ein Rhythm and Blues und der bereits erwähnte Rocker „Don´t Loose Your Head“.
Beim Abmischen bemerkten wir, dass auf Letzterem die einzelnen Originalspuren fehlten bzw. gelöscht waren und nur noch ein Zweispuren-Roughmix vorhanden war. „Pfeife“ hätte meine Mutter gesagt. Seitdem hieß das Studio bei uns nur noch „Löschtrupp “. Irgendwie schaffte es dann der Löschmeister den Titel aus den Resten hinzubiegen. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir dort auch dann die endgültige Fassung unserer ersten Single aufgenommen. Mit Hugo For Sale waren wir Jahrzehnte später wieder zu Aufnahmen beim Löschtrupp und Hugo nahm dort auch seine Bluesladen CD auf.
Live lief es absolut glänzend. Allein im Juli waren wir an jedem Wochenende unterwegs. Da kam echtes Bandfeeling auf und wir hatten bei jedem Gig Riesenspaß. Am 7.7. 1984 spielten wir beispielsweise in einem feinen Klub in Bad Mergentheim, dem Ritt´s, auf einer tollen Bühne, auf der auch Peter Horten oder das Pasadena Roof Orchester aus London konzertierten. Am 11.7. waren wir im Landschulheim Gaibach (Internat und Gymnasium) zu hören. Auf dem riesigen Areal tümmelten sich Schüler, Lehrer und zahlreiche Gäste. Im Rückblick war es eines der wenigen Open Airs (und das waren viele!), auf dem die Temperaturen bis spätabends tropisch waren und es trocken blieb. Der Auftritt wurde damals mit der modernen Technologie der Videokamera mitgeschnitten. Wir wurden in Sachen Open Air eigentlich immer gebeutelt. Jetzt wisst ihr, woher Hugos Affinität zum Anorak herkommt. Schön war´s Jahre später noch einmal in Treuchtlingen (6.7. 1985), allerdings zu heiß, so dass wir vor dem Gig richtig gelähmt im Gras rumlagen. In Höchberg war´s grundsätzlich (außer in dem Jahr, in dem ich mit Black Bird aufspielte) immer feucht und kalt. Ich betete da immer zu Petrus, er möge doch einmal mit den Höchberger Kracken ein Einsehen haben. Beim Rock im Wald-Festival in Weilbach/Odenwald hat´s mich mit dem Verstärker hingelegt, als ich über den rutschigen, steilen und durchnässten Waldpfad zur Bühne wollte. Zum Glück hat´s der Marshall überlebt. Am 20.7. 1984 stand dann das „Desi“ in Nürnberg auf dem Plan und am 28.7. ein „Open Air“ in Bergrheinfeld, wahrscheinlich hat´s geregnet, ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, dass wir 1986 wieder auf einem Open Air in Bergrheinfeld spielten und da war´s schön und warm! Ich glaub, da war ich vorher auf dem Käppele und habe eine Kerze angezündet. Übrigens spielten wir an diesem Tag im Trio, da Peter den flotten Otto hatte und im wahrsten Sinne des Wortes unabkömmlich war. Insgesamt blieben wir all die Jahre von Krankheiten verschont, es musste soweit ich noch weiß kein Auftritt gecancelt werden. Bisweilen stand man allerdings kurz davor. Einmal, ich glaube, es war in Bamberg, waren wir vorher beim Fastfood-Mac (generell futterten wir vor den Auftritten nach der Devise ohne Mampf kein Kampf) und Hugo konnte beim besten Willen kurz darauf die Esswaren nicht mehr bei sich halten. Er war ganz grün im Gesicht. Aber letztlich wurde dann aufgespielt. Ob damals ein Eimer auf der Bühne stand, entzieht sich meiner Kenntnis?

Fortsetzung folgt bald! 🙂

 

Zwischentext: „Sonntagsmesse in kratzigen Hosen“ 
Katholisches Würzburg, katholische Eltern, katholische Kinder heißt Sonntagsgottesdienstpflicht! Jeden Sonntag waren Schorsch und ich wahnsinnig motiviert den Gottesdienst zu besuchen. Denn eigentlich war der Sonntag der einzige Tag, an dem wir ausschlafen konnten bzw. eine ruhigere Kugel schieben konnte. Samstags war ja damals bis 11.20 Uhr Schule, danach war Mitarbeit im elterlichen Betrieb angesagt. Unsere Eltern gingen entweder am Samstagabend oder in aller Frühe zur Messe. Für uns war immer die 10 Uhr Messe in der Fransziskaner-Kirche angedacht. Sonntags war Jeanstrageverbot. Zum sonntäglichen Messegang „durften“ nur Stoffhosen in Grau oder Schwarz getragen werden. Diese Dinger kratzten furchtbar, also besaßen einen miserablen Tragekomfort, der vor allem auf den ersten hundert Meter einen staksigen Gang zur Folge hatten, denn das Kratzen ließ erst leicht nach, wenn sie „warm“ gelaufen waren. Die Hosen wurden generell beim Wöhrl (damals noch in der Eichhornstraße, wo heute ein Drogeriemarkt drin ist) gekauft. Mutter ging dort immer allein einkaufen und brachte tütenweise Hosen, Jacken und Pullover zur Auswahl mit. Werktagabends war  im Wohnzimmer dann „Kleiderprobe“. Was nicht gefiel, wurde von ihr am nächsten Tag zum Wöhrl zurückgebracht. Eigentlich war´s schon so ähnlich wie heute mit dem Online-Shopping.  Anprobieren und bei Nichtgefallen mit Mutter zurückschicken. Sonntags vor dem Kirchgang also Wöhrl-Stoffhosen in Schwarz oder Grau an. Entsprechend jämmerlich begann also der Sonntag, an dem ich mich lieber ganztägig mit den Elastolin-Figuren „herumgeschlagen“ hätte. Wir bummelten also in mäßigem und etwas breitbeinigen Schritt Richtung Theaterstraße und sinnierten über unser strategisches Vorgehen, denn unsere Mutter fragte uns bisweilen über den Gottesdienst aus: Evangelium, Predigt und wer so drin war! Als wir endlich durch den Seiteneingang in den Weihrauch geschwängerten Sakralraum eintraten, waren schon die ersten fünf Minuten rum. Damals waren die Kirchen noch proppenvoll. Wir postierten uns dann immer geschickt links an so einem Rittergrabmal der Wetzhausener gleich neben dem Seiteneingang, also in der Nähe des Fluchtweges 🙂 . Unsere Blicke scannten die anwesenden Gläubigen: Irgendein Bekannter dabei? Nö. Merk´ dir das Evangelium! Der Anfang der Predigt ist auch noch wichtig. Dann erfolgte der geordnete Rückzug – im Notfall konnten wir Rede und Antwort stehen. Endlich draußen. So jetzt haben wir noch mindestens 25 Minuten Zeit – vor 11.15 Uhr brauchen wir in der Semmelstraße nicht aufzukreuzen. Wer nun glaubt, wir wären ziellos durch die Innenstadt gebummelt, irrt sich gewaltig. Also auf!  Erst einmal zum Vogel Peter ( damals die Zoohandlung in der Ursulinengasse). Und für uns als Aquarianer besonders attraktiv. Mal gucken, ob der neue Fische in den Schauaquarien hat. Noch eine Menge Zeit – dann statten wir dem Samen-Fetzer am Barbarossa-Platz/ Ecke Kaiserstraße auch einen Besuch ab: „Schau´mal, dem sind ein Haufen Fische verreckt! Die haben alle die Pünktchenkrankheit! Glaub´jetzt können wir heim.“ Kurz vor der Metzgerei gingen wir unser „Alibi“-Angaben noch einmal durch. Wer war noch in der Messe? War nicht die Frau Hahnenkamm  drin? Stimmt – wenn du´s sagst, die war drin! 🙂

 

Willy MichelFranz K. – die „Scorpions“- serbokroatische Fleischspieße – Würzburger Stadtfestival  und andere Sachen – Klopstock Teil III

 

Nach den vielen Konzerten im Juli war dann erst mal Schluss und wir (Gertrud, Hugo, Susanne und ich) fuhren dann mit Hugos Fiat Ritmo, in das noch von Tito geprägte Jugoslawien und zwar nach Medulin in Istrien. Wenn ich mich noch recht erinnere, kochten wir auch mal selbst in der Ferienwohnung, aber meist ernährten wir uns abends von Ražnjići (serbokroatische Fleischspieße) und spielten Karten. Einmal saßen wir da in der kleinen Diele der Ferienwohnung beim Karteln, als einer oder eine den kleinen Skorpion an der Decke bemerkte. Der starb dann durch eine deutsche Badelatsche. Auf jeden Fall war der Abend gelaufen, denn nun wurde die ganze Wohnung auf der Suche nach weiteren Familienangehörigen der „Scorpions“ auf den Kopf gestellt. Tagsüber erkundeten wir die Umgegend wie Pula oder lagen am Betonstrand. Übrigens hatte ich meine Tokai-Stratocaster dabei. Bis zum Ende 84 hatten wir dann ca. 10 Auftritte, also quasi jedes Wochenende. Ein Highlight war hierbei der Gig als Vorgruppe von Franz K. in Hofheim. Wir kamen an diesem Abend um Längen besser an als die Hauptband, auch soundmäßig legten wir im Vergleich zum folgenden Klanggewitter des Trios einen sauberen Auftritt hin. Desweitern spielten wir am 6.10. in Darmstadt im Schlosskeller, am 21.10. für die VR Bank in Bürgstadt am Untermain, am 27.10. in Bad Windsheim, am 8.11. im AKW Würzburg, am 10.11. in Rimpar usw. Apropos Banken und Sparkassen. Die VR-Bank ist eine volksnahe Bank wie der Name schon sagt, die Deutsche Bank dagegen war uns recht suspekt und das kam so: September 1989 war das „Würzburg macht Spaß-Fest“ (hieß damals einfach Stadtfest) noch ein echtes Straßenfest im wahrsten Sinne des Wortes mit familiärem Charakter. Heute ist es zu einem riesigen Honky Tonk des bierlaunigen Fresskonsums mutiert. Damals war unser Auftrittsort auf der Juliuspromenade direkt vor der Deutschen Bank, wo heute der französische Freund meiner Frau „Ives Rocher“ eine Filiale betreibt. Als wir aufgebaut hatten und den Sound checkten, kam so ein Bank-Fuzzy und meinte „Abbauen“, das passe nicht zum „Image“ der Deutschen Bank. Ok. Haben wir halt das ganze um ca. 7 Meter zum Barbarossaplatz verlegt, vor den Schaufenstern des Plattenladens „Agilo“. Vielleicht hier an dieser Stelle ein paar Worte über unseren Schlagzeuger Michael Baur, da 1989 Reinhard Kitzing bei Klopstock trommelte. Michael wohnte in Güntersleben und war mit Dagmar verheiratet. Wir hatten mit ihm echt nen properen Fisch an Land gezogen, daher nannte ich ihn immer spaßhaft „Wampinski“. Wenn er in Proberaupausen seine „Roy Black“- oder „Franz Josef Strauß“- oder „Elvis“-Parodien einwarf, lagen wir immer am Boden. Bei uns war er stets gut drauf – und er rauchte heimlich vor, während und nach den Proben. Auch bei Auftritten griff Michael gern zu einer Filterkippe. Nicht selten deponierte er seine Fluppen im Übungsraum, die ich bis zur nächsten Probe aufgeraucht hatte. Beklagt hat er sich darüber komischerweise nie  . Hier ist eine Bild des rauchenden Michaels vor dem dem Willy-Michel-Auftritt. Hoffentlich sieht´s Dagmar nicht.  Auf jeden Fall war Michaels Stimme bombig. Er konnte eigentlich alles singen von Roy Black über Elvis bis zu James Taylor und hatte ein tolles Gehör für den Chorgesang. Sein Schlagzeugspiel war absolut solide und gehörfreundlich. Schade, dass er 1986 aus beruflichen Gründen aussteigen musste.
Wiederholt haben wir auf der Sieboldshöhe im Pfarrsaal von St. Alfons bei Kulturfesten konzertiert. Matthias Fleckenstein organisierte 1985 ein Festival mit „Willy Michel“ als Headliner und „Klopstock“. Diese Kulturnacht mit weiteren Programmpunkten wie Lesungen wurde ein großer Erfolg. Wir spielten zweimal im Verlauf des Abends bevor zum Ende der Willy sein Bestes gab. Auch in der Provinz-Presse war darüber viel zu lesen. Fast 10 Jahre später 2004 nahmen wir mit Hugo For Sale an einer weiteren Kulturnacht auf der Keesburg teil. Der letzte Auftritt mit Hugo For Sale auf dem Kirchplatz endete allerdings beinahe in einem Eklat, da der Kirchenpfleger uns wiederholt ob der „wahnsinnigen“ Lautstärke maßregelte und drohte den Strom abzustellen. Für mich als Mitgliede der Kirchengemeinde St. Alfons war dies verständlicherweise äußerst peinlich. Dabei haben wir zu dieser Zeit generell sehr dezent gespielt. Das hat sich später aber mehr und mehr geändert .
Am 28.2. 1985 haben wir dann das erste Mal mit Klopstock den Würzburger „Omnibus“ gerockt. Von diesem Jahr an waren wir jedes Jahr bis 1991 (mit Ausnahme 1990) mit Klopstock dort zu Gast und die Main Post-Redakteure schrieben noch fleißig Konzertkritiken. Ja, die gute alte Zeit. Neben den vielen Auftritten in 1985, die Aufzählung erspar ich euch hier, war der Auftritt am 8.12. in der Music – Hall Würzburg doch ein besonderer: Im internationalen Jahr der Jugend fand anlässlich des Europäischen Musikjahrs ein Rocknachwuchswettbewerb statt. Was für ein Satz! Aber so steht´s auf der Eintrittskarte. 52 Gruppen hatten sich für den Wettbewerb beworben und Klopstock war in der Endausscheidung dabei. Für unsere Teilnahme nahmen wir in Mönchsondheim bei Manni extra zwei Stücke auf, die wir dann bei dieser Mammutveranstaltung dann vorstellten. Am Ende belegten wir „alte Hasen“ den dritten Platz. Damit konnte man zufrieden sein.
Fortsetzung folgt! 🙂

Zwischentext „Der Radiergummi“
Meine zwei ersten Jahre der Grundschulzeit verbrachte ich an der neuen Hauger Schule. Das war eine schöne Zeit. Der Schulweg von der Wallgasse bis zur Semmelstraße war kurz. Gelaufen bin ich jeden Tag mit meinem Freund Thomas M. Allerdings war der Heimweg schöner. Da spielten wir immer Ritter. Die Anorakkapuze wurde stets aufgezogen und der Rest baumelte am Rücken runter, das war der Rittermantel. So zogen wir meist zu viert vom Hinterausgang in der Wallgasse zur Neutorstraße. Ein Halt wurde meist am Ende der Neutorstraße eingelegt. Gegenüber vom heutigen „Pan di Zucchero“ befand sich ein kleiner Laden, zu dem drei oder vier Stufen hinaufführten, der für kleine „Rittersleut´“ Bärendreck bereithielt. Für vier Zehner waren wir täglich eingedeckt, um unseren kleinen Kreuzzug zu Ende zu führen. Im schönen Hof der Semmelstraße 67 schauten wir nach, ob der dicke Boxer von Herrn Loos  zu sehen war, „Ritter“ lieben Hunde. Wenn er da war, dann wurde der durchgeknuddelt, obwohl er fürchterlich muffte. Dann ging es weiter zum Bäckerbrunnen und dann ins Ladenzimmer der Metzgerei, in der mich schon der Leberkäs-Duft erwartete. Der Leberkäs der Metzgerei Martin galt als der beste der Stadt. Noch heute schwärmen die Leute davon. Meine Mutter stand meist im Laden und bediente. Meist gab es kurz nach eins Mittagessen, das wir im kleinen Ladenzimmer an einem mickrigen Tisch neben dem dampfenden Leberkäsbräter einnahmen. Täglich gab es Suppe, Hauptgericht und Nachspeise – freitags fleischlos. Da von 13 Uhr bis 14 Uhr Mittagspause war, konnten wir fast ungestört zu Mittag essen. Bisweilen jedoch, als ich in der 3. Klasse in der Pleicher Schule war, kam oft ein ungebetener Gast, der an der Ladenzimmertür im Hof klopfte: Frau Motzel, meine Klassenlehrerin, eine ausgezehrte, alte silberlockige Jungfer, um deren beinahe skelettierten Extremitäten dunkelblaue Baumwollhosen schlotterten. Mutter musste sie dann immer schnell für ihre großen Einkäufe (75 g Fleischwurst, 1 Knäudele und 100 g Hackfleisch) bedienen. Ich war stets froh, wenn sie wieder weg war. So funktionierte damals eine Sprechstunde mit den Erziehungsberechtigten. Nachdem der Tisch abgeräumt war, wischte Mutter den Tisch und das Katholische Volksblatt wurden fein säuberlich auf dem Tisch ausgelegt. Zeichen für mich, dass jetzt neben dem Leberkäsbräter die Hausaufgabenzeit unter dem wachsamen Auge meiner Mutter begann. Ich bin Linkshänder und man hatte mir unter Nachdruck beigebracht, rechts zu schreiben. So holte ich die Hefte mit der Erstklasslineatur heraus und begann zu schreiben. Währenddessen war das Geschäft wieder offen und Kunden mussten bedient werden. Ich gab mir Mühe und schrieb mit Bleistift bzw. nun mit Füller fein säuberlich auf Orthografie achtend. Mutter kam und kontrollierte. „Hm, da hast du ein Wort vergessen! Das schreibst du gleich noch einmal!“ Ratsch – und schon war die Din A5 Seite herausgerissen und die zweite Hälfte des Blattes auch. „Gib dir Mühe!“. Kurze Zeit später. „Da hättest du mehr Abstand zwischen den Wörtern lassen müssen. Das hast du so ´neigeknört“. Ratsch – Seite raus. „Löschblatt unter die Hand, dass ja kein Fettflecken drauf kommt.“ Das Heft wurde nun schon merklich dünner. Ein erneuter Versuch. Mir taten schon die Griffel weh, die „Schreibkraft“ ließ nach. Pfeife – verschrieben! Mutter jetzt recht angesäuert: „Jetzt müssen wir radieren.“ Der blaue Anteil des Radierers schmiert. Der Leberkäsbräter dampft munter vor sich hin. Jetzt ist auch noch ein Fettflecken drauf. Noch einmal. Wieder verschrieben. Es wurde der hellblaue Radierer erneut strapaziert. Die Lineaturseite wurde durch den wiederholten Einsatz des Radierers zunehmend aufgeraut. Tintenkiller gab´s noch nicht. „Pfeife – jetzt ist das Schreibblatt auch noch durchgerubbelt. Geh´schnell zum Schreibwaren „Kurtze“ und kauf´ ein neues Heft!“ So fiel es mir leicht die deutsche Orthografie zu erlernen. Meine Mutter übrigens, hatte nie eine schöne Schrift besessen. Das Wort Weißwurst war bei ihr nur mit Fantasie zu lesen. Zwei W im Abstand, nach jedem ein waagrechter Strich! Martinsche Kurzschrift halt. Leberkäse: Lstrichkstrich! Geht doch!
Fortsetzung folgt!