Bombastrock mit Wired

Der Rest der Band formierte Wired:
Diana Kitzing Vocals
Axel Hemprich Bass
Markus Krauß Keyboards
Reinhard Kitzing Drums
Conny Martin Guitar, Vocals

Wir probten wie verrückt ein zu 80 % neues Repertoire ein, denn der erste Gig stand schon am 6.12. 1992 in der Rothenfelser Halle an.
Der erste Gig verlief noch recht zittrig, doch eine Woche später gings gleich in die Mainfrankensäle nach Veitshöchheim zum nächsten Rockfestival. Unter anderem spielten wir hier die ersten eigenen Titel wie „Get Wired“.
1993 starteten wir bandmäßig gut durch. Einige der vielen Stationen waren: Mainbernheim (Stadtfestival), Greußenheim Open Air, Veitshöchheim GEW-Open Air, Mainfrankenmesse Würzburg
1994 wurde allerdings noch gigantischer: Bad Windsheim, Karbach-Festival, Greußenheim Open Air, Nürnberg (Irish Pub-Club), Zeltival-Würzburg, Weilbach Odenwald, Wütival, ESG-Sommerfest, Gössenheim-Open Air – vor so vielen Leuten hatten wir bislang noch nie gespielt. Beim letzten Konzert in Veitshöchheim spielte dann Oliver Bischof Bass. Mit ihm wurde Wired noch um einiges rockiger.
Wir spielten in dieser Zeit auch oft im Waldschlösschen, einen tollen Club in Hafenlohr und in der Katakombe in Marktheidenfeld.
Im September 1995 nach einem Festival in Üttingen war aber plötzlich die Luft raus aus der Band – und Schluss.
Auszüge aus dem Repertoire: Coming Home – Baby Love – Couldn´t Stand the Weather – Too Young to die – Get Ready – Judgement´s Day – Separate Ways – Child In Time – Horse with no name – No one to depend on – Wishing Well – Walking By Myself -Time – Falling In Love – Riders On The Storm – plus etwa 15 Eigenkompostionen – darunter das von Markus und Reinhard ca. 30 Minuten gefühlte Opus “ Der Untergang des Römischen Reiches: Ein Keyboard-Schlagzeuggefecht, welches jeweils dem Rest der Band Zeit gab zu ausgiebigen Zigarretten-Pinkel- und Trinkpausen –die Erstürmung Massadas durch die Römer mithilfe ´ner popeligen Rampe war gegen diese Soundkaskaden reines Kindergeplänkel.
Um soundmäßig mit dem keyboardlastigen Soundgewitter mitzuhalten, musste ich natürlich amp-mäßig aufrüsten. Ich spielte damals zunächst den Klopstock 100 Watt Engl-Straight-Combo zudem sich als bald ein 100 Watt Engl-Straight-Topteil mit Marshall-Box hinzugesellte im Stereo-Betrieb.
1994 kaufte ich mir beim Musiktreff einen Engl SAVAGE 120, ein Boutique Verstärker mit vier Kanälen und allem möglichen Schnickschnack mit Interface….Bei einem Auftritt inder Bienenwabe in Volkach ließ mich das Teil voll in Stich…… – schnell verkauft und back to Marshall – LM 6101 – 30th. Anniversary. Wenn er mir Jahre später bei der Reunion mit Hugo nicht zu schwer gewesen wäre, hätte ich ihn heute noch. Der Verstärker war echt der Knaller – 3 Kanäle + wählbare Soundmodes – aber 35 kg ohne Flightcase! Ufff!
Unsere eigenen Sachen waren schon super. Am liebsten spielte ich Ethiopian Girl, New Frontiers und Bad Breath Blues. Gerade bei Open Airs war der Sound auf Grund Reinhards PA und Richard Scheffauers Mixerei immer gigantisch gut. Und zum Glück hatten wir immer Berhard und Burri als Aufbauhelfer dabei. Danke!!!!

Eine Anekdote – nee  – eine wahre Begebenheit mit dem Bassisten Axel Hemprich.

Da wir ja fleißig in Üttingen probten durft ich meinen Freund Axel Hemprich – der kein Auto besaß – jedes Mal in  Gerbrunn abholen. Meist war er nicht fertig und völlig verlangsamt und verplant – also eigentlich das krasse Gegenteil von mir. Jedes Mal das selbe Lied – und davor hatte ich ihm immer telefonisch schon gemeldet, dass ich in 5 Minuten bei ihm sei. Wir hatten an jenem Abend ne wichtige Generalprobe. Beim Hinausgehen die  Frage: Hast alles? Ja. Wir waren schon verspätet. B 8 Wabü hinter uns gelassen – Mädelhofen und gerade durch Rossbrunn gerauscht – da sagt er trocken: „Ich habe keine Bass-Saiten darauf. Die habe ich in der Waschmaschine gewaschen. Die liegen noch in der Trommel..“ Ich hätte ihn erschlagen können. Bei Greußenheim-Einfahrt gewendet. Also wieder zurück nach Würzburg. Die Saiten waren übrigens trocken geschleudert. Ich habe an dem Abend jedes weitere Gespräch mit ihm verweigert.

Oli Bischof war nett und verlässlich. Den durfte ich auch immer abholen und zwar bei ner schlagenden  Studentenverbindung auf dem  Weg zur Frankenwarte rechts. Das Schlösschen war immer von Bierkästen umlagert. Oli hat da nur mitgehauen, weil er ein günstiges Zimmer brauchte. Der kleine leicht Untersetzte konnte es gut und hat dem ein oder anderen ne ordentliche Scharte versetzt. Die Geschichten, die er so auf der Fahrt erzählt hat, waren oft zum  Totlachen. Nä, der hat nicht in ne Verbindung gepasst, wirklich nicht. Er spielt heute übrigens äußerst erfolgreich bei Yes We Play mit Lisa Bund. Facebook look for Olli Bass

Klopstocks Ende – Reunion und dann „Wired“

Klopstocks-Ende und Reunion
September 1986 hatten wir zunächst einen furiosen Auftritt in der Rimparer Halle. Etwa nach einer Stunde musste Peter wegen eines schrecklichen Ereignisses von der Bühne. Wir spielten als Trio weiter. Peter stieg dann aus und sein Nachfolger war dann bis etwa 1989 Norbert Stadler aus Erlangen. Mit dem“Mühlen-Richard“ Richard Scheffauer haben wir dann in verschiedenen Studios zahlreiche Aufnahmen gemacht u.a. auch in der Gerberstraße in Würzburg. Da entstanden auch die ersten Aufnahmen für die Single von Klopstock: Joan, Joanna, Jocelyn und den unvergleichlichen Anorak. Allerdings wies die erste Probepressung Verzerrungen auf, so dass wir die zwei Stücke noch einmal in Hirschfeld aufnehmen durften. Beim zweiten Mal habe ich dann bei Anorak kein Slide-Solo gespielt. Eigentlich waren die ersten Aufnahmen die besseren. Die Single wurde natürlich im vollen Omnibus präsentiert.
Einige Auftrittsorte: Bergrheinfeld (Faschingsgigs), Höchberg Opne Air, Marktheidenfeld, Kitzingen Open Air, Weikersheim, Schweinfurt, Markt Einersheim Festival, Weilbach Rock im Wald, Bergrheinfeld , Güntersleben Rockfestival, Veitshöchheim mit Guru Guru, Iphofen insgesamtetwa70 Auftritte
1989 kam es dann nach vielen weiteren Konzerten zur Auflösung von Klopstock. Hugo formierte „Chromwell“. 1991 gab es dann eine Reunion von Klopstock mit Keyboarder Markus Krauß, Sängerin Diana Kitzing, Schlagzeuger Reinhard Kitzing, Hugo am Bass und mir an der Gitarre. Unsere Repertoire und Sound hatte sich bedingt durch das Keyboard und der fehlenden zweiten Gitarre geändert. Wieder spielten wir zahlreiche Auftritte in Clubs und Open-Air-Festivals. Herausragend waren unsere Auftritte bei den Schweinfurter Bluestagen und beim Kulturjahrmarkt in Würzburg. Soundmäßig hatte ich mich damals von den Marshalls und den Les Pauls verabschiedet. Ich spielte nun Engl Amps und Schon-Gitarren (Signature-Modelle des Journey-Gitarristen Neal Schon). Unser Sound war nun moderner und vor allem durch die Kraußschen Keyboard-Kaskaden um einiges bombastischer. Höhepunkt für mich war bei diesen Auftritten immer das etwa zehnminütige „Hurricane“ von Neil Young mit ellenlangem Gitarrensolo!!!. Und als Running Gag diente bei der Ansage für Bob Marleys „I shot the Sheriff“ folgendes Hugo Statement: Den Conny sein Marshall hamms derschossen, seitdem spielt er Engl…“ Wir spielten in dieser Phase hauptsächlich Open Air Festivals. Für kleine Clubs war die Musik auch wegen der nicht selten „überdimensionierten“ Anlage wie bei den zwei Auftritten in Westheim einfach zu laut. Und es war dann endgültig Schluss mit „Klopstock“ nach dem Greußenheimer Open Air im Juli 1992. Hugo eröffnete dann später mit Klaus Wolf ein Bluesduett und konzertierte mit Hugo kommt.

Wintererlebnisse aus der Rhön über Saalbach bis nach Wangs am Pizol

Nachdem ja dieses Jahr der Winter in Würzburg noch auf sich warten lässt, habe ich mir gedacht, hier auf meiner Homepage Winterliches zu verbreiten 🙂 Viel Vergnügen und einen guten Rutsch nach 2018!

Wintererlebnisseaus der Rhön über Saalbach nach Wangs am Pizol oder wie man Zahnschmerzen loswird

Von frühester Kindheit an ging es jeden Sonntag in die Rhön zum Schifahren. In den 60er und Anfangs der 70er gab es unzählige Skitage in der Rhön. Einmal so in den 70ern weiß ich noch, dass wir Ende April noch in der Rhön zum Skifahren waren. Unsere Schneesonntage begannen meist in dieser Weise: Aufstehen um 5.30 Uhr, dann in die Augustinerkirche zum 6 Uhr Gottesdienst, kurzes Frühstück, Anlegen der Skibekleidung in Form von langer Unter- und Keilhose mit Steg, Rollkragenpulli, darüber Wollpulli. Skier auf Träger und  um 7.45 Uhr war Abfahrt. Autobahn bis Abfahrt Wildflecken und dann über die Rhönsträßchen durch die Dörfer zum Himmeldunk. Es gab einige wettermäßig sehr schöne Tage, aber meistens pfiff an diesem Hang unerbittlich der Wind, dass einem Hören und Sehen verging. Dabei wurden vom Wind so kleine Eispickelchen oder -nädelchen transportiert, die sich einem in die Haut bohrten. Die Füße in den Lederschnürstiefeln eiskalt, die Hände in den Fäustlingen ebenso. Oft war ich den Tränen nahe. Rauf und runter bis um 12 Uhr, dann die Erlösung: Mittagspause. Wer jetzt denkt, wir wären wie das heute so Usus ist, in ein Wirtshaus rein, der irrt sich gewaltig. Es ging zum Parkplatz und in den BMW oder später dann Mercedes. Der Motor wurde angelassen. Die Thermoskanne mit heißem Schwarztee mit Zitrone wanderte von meinen Eltern in den Fond. Das Heißgetränk wurde in die Thermoskannenaufsatzbecher gefüllt. Das Auto erwärmte sich zügig und die von den kalten Lederstiefeln befreiten Füße begannen mit der nun beginnenden Blutzirkulation hemmungslos zu schmerzen. Nach dem Heißgetränk wurden nun Mettwurst-, Schinken- und Salamibrote herumgereicht, als Dessert Mandarinen. Die ganze Jause dauerte etwa ne halbe Stunde. Dann trieb uns mein Vater wieder hinaus. Wieder in diese vermaledeiten Schuhe mit den nassen Schnürsenkeln, den klammen Anorak an – gerade war´s noch so richtig kuschelig gewesen und jetzt wehte einem wieder dieser bitterkalte Wind um die Nase. Der Schal flatterte, die drückende Schibrille über Mütze und Kapuze. Manchmal nahm mein Vater meine Hände zwischen seine und rubbelte sie bis sie einigermaßen warm waren. Dann musste man auch noch Wasser lassen, hinter einem Baum im Windschatten gelbe Spuren in den Schnee zeichnen. Das Martyrium dauerte dann noch bis 16 Uhr. Durchgefroren, nass und müde ließen mein Bruder und ich uns auf der Rücksitzbank nieder. An dieser Stelle musste ich Konrad, meinen Vater, immer bewundern. Die nun wohlige Wärme ließ uns, Mutter inklusive, nach wenigen Kilometern in den Schlaf sinken und er fuhr uns mühelos, manchmal bei äußerst widrigen Wetterumständen nach Würzburg zurück. Als wir dann so um 18 Uhr in der Semmelstraße ankamen, entledigten wir uns der feuchten und klammen Skikleidung. Mein Vater eilte sofort in die Küche und kochte für uns: Bratwürste mit Kraut oder Schweinemedaillons oder Rumpsteaks. Dazu gab es Brötchen. Nach so einem Skitag war das einfach das Beste. Später fuhren wir dann immer an den Arnsberg. Da waren die Abfahrten länger und die Infrastruktur dann auch mit dem Doppellift besser. Allerdings hatte ich an diesem Berg ein großes Abenteuer zu bestehen. Das war, als ich etwa 9 Jahre alt war. Wie jeden Sonntag waren wir also zum Skifahren aufgebrochen. Das Wetter äußerst bescheiden: kalt, windig und dichter Nebel. Die Sicht lag bei unter 20 m. Nach der Mittagspause wieder auf die Bretter. Dichte Nebelwand. Irgendwie verlor ich den Anschluss an die anderen und folgte irgendwelchen Spuren – denn zu sehen war nichts als weiß. Und ehe ich mich versah, war ich von der Piste abgekommen. Nebelwände um mich herum. Und kein Laut zu hören. Ich irrte umher. War da nicht einer? Ich rief, ich schrie in das Weiß – keine Antwort. Dann flog ich auch noch hin und rutschte aus der Bindung und brachte selbige total vereiste im Tiefschnee nicht mehr zu. Jetzt bekam ich richtig Schiss. Mir war kalt und klamm. Ich lauschte. Nichts. Man hatte mir mal erzählt im Gebirge immer nach unten zu laufen. Also los. Ich heulte, weil ich wusste, dass bald die Dämmerung einsetzten würde. So stapfte ich ohne jegliches Zeitgefühl bergab durch Schneeverwehungen mit Skiern und Stöcken unter den Armen. Ich war echt am Verzweifeln und am Ende. Nach einer gefühlten Ewigkeit traf ich auf einen Parkplatz, an dem gerade ein Pärchen seine Langlaufskier auf´s Autodach hievte. Oh mein Gott! Ich glaube, die haben sofort erkannt, dass ich Hilfe brauchte. Ich erzählte alles und sie meinten, das könne ja nicht sein, da wir hier am Kreuzberg wären. Die guten Leute fuhren mich dann zum Arnsberg Parkplatz. Meine Eltern waren froh, mich wieder in die Arme schließen zu können. Nachdem ich die Strecke vom Arnsberg zum Kreuzberg schon im Sommer oft gewandert bin, weiß ich, wie es etwa zu dieser „Irrfahrt“ kommen konnte. Ich hatte damals verdammtes Glück. Wie ich hier diese Zeilen schreibe, fällt mir ein, dass Gunda und ich 2012 ein nicht unähnliches Erlebnis auf dem Weg zum Gampenpass in Südtirol hatten.  Skiunfälle gab es auch. Einmal habe ich mir eine Bänderverletzung zugezogen. Am nächsten Tag musste ich noch zur Schule. Gegen Abend war das Knie dreimal so dick. Ich lag dann eine Woche im Juliusspital und bekam nen Gips vom Ober- bis zum Unterschenkel. Bescheuert war, dass meine Eltern ohne mich in den gebuchten Skiurlaub fuhren. Mein Bein war dann erst mal für längere Zeit steif. Ein anderes Mal hat sich mein Freund Christoph Fincke am Arnsberg das Bein gebrochen. Der wurde dann auf die Rücksitzbank gelegt und von Vatern und Muttern nach Würzburg ins Krankenhaus gebracht. Schorsch und ich fuhren dann noch bis Liftschluss Ski. Vater holte uns abends wieder ab. 1969 war ein ganz besonderer Winter. Ich bekam, weil ich immer so käsig und schmal war, mitten während der Schulzeit 2 Wochen Extraferien. Schon allein die winterliche Hinfahrt nach Saalbach/Österreich war ein Genuss: Ich sehe es noch, als wenn es gestern gewesen wäre: Ich wie Graf Koks auf dem fetten Beifahrersitz und im Radio lief Christian Anders „Geh´nicht vorbei!“ Heute völlig undenkbar. Das war toll, alles war so vornehm in Saalbach, so ähnliche Bilder vor Augen, wie wenn James Bond in St. Moritz ist. Meine Mutter kam dann eine Woche später nach und wir holten sie am Bahnhof in Zell am See ab. Mein Bruder weilte zur selben Zeit mit dem Siebold-Gymnasium in Hinterglemm. Erinnern tu ich mich noch an die Salzburger Nockerln, die es einmal zum Essen gab. Was für eine Süßspeise! Unsere Winterurlaube bzw. Skifreizeiten waren mit das Schönste in meiner Kinder- und Jugendzeit. Am Siebold-Gymnasium nahmen wir auch stets an den Osterskifahrten teil. Besonders schön war Canazei. Da mussten die Skier noch ein ganzes Stück weit hoch zur Marmolata getragen werden. 1973 hatte mein Bruder Schorsch den Führerschein gemacht und im Winter 73 fuhr er mit mir und drei weiteren MC-lern in den Weihnachtsferien zu einem MC- Winterlager nach Wangs in der Schweiz. Mein Vater überließ ihm dafür seinen Benz und wir tuckerten mit surrenden Spikereifen los. Während der Hinfahrt hatten wir allerdings zweimal einen platten Spikereifen. Aber mein Vater nahm es bei jedem Telefonanruf locker und wir kamen wohlbehalten an. In Wangener Internat, das die MC gebucht hatte, war es super. Abends nach dem Skifahren gab es gegen 80 Rappen heiße Ovomaltine zu trinken. Allerdings rumorte bald mein kariöser Backenzahn gewaltig. Ich hatte fürchterliche Zahnschmerzen in der Nacht. Irgendein Spaßvogel meinte, ich sollte den Schmerz mit „Mon Cheri“ betäuben und schön auf die Kirsche beißen. Das tat ich dann auch mit der gekauften Packung. Infolgedessen wurden die Zahnschmerzen aber noch schlimmer. Tagsüber waren sie beim Skifahren immer wie weggewischt. Mein Bruder und ich waren begeisterte Skifahrer und wir eiferten unseren Idolen aus dem Skisport wie Jean Claude Killy etc. nach. Wir kauften beim Sport Dillmaier in der Würzburger Domstraße unsere Skier und es mussten Rossignol-Bretter mit Fersenautomatik sein. Nachdem die Spitzenskifahrer zu dieser Zeit begannen farbige Schnallenstiefel zu tragen, kam mein Bruder auf die glorreiche Idee, unsere schwarzen einfach rot zu lackieren. Gesagt getan. Nun hatten wir knallrote Stiefel. Allerdings plätterten Teile der Farben bei der Eiseskälte und durch den Gebrauch wieder ab. Aber toll sahen sie schon aus. 🙂

Fortsetzung folgt! 🙂

„Der Radiergummi“

So kurz vor Weihnachten habe ich noch einmal ein kleines Geschichtenpäckchen geschnürt. Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und viel Vergnügen beim Lesen!  Conny Martin

Zwischentext „Der Radiergummi“
Meine zwei ersten Jahre der Grundschulzeit verbrachte ich an der neuen Hauger Schule. Das war eine schöne Zeit. Der Schulweg von der Wallgasse bis zur Semmelstraße war kurz. Gelaufen bin ich jeden Tag mit meinem Freund Thomas M. Allerdings war der Heimweg schöner. Da spielten wir immer Ritter. Die Anorakkapuze wurde stets aufgezogen und der Rest baumelte am Rücken runter, das war der Rittermantel. So zogen wir meist zu viert vom Hinterausgang in der Wallgasse zur Neutorstraße. Ein Halt wurde meist am Ende der Neutorstraße eingelegt. Gegenüber vom heutigen „Pan di Zucchero“ befand sich ein kleiner Laden, zu dem drei oder vier Stufen hinaufführten, der für kleine „Rittersleut´“ Bärendreck bereithielt. Für vier Zehner waren wir täglich eingedeckt, um unseren kleinen Kreuzzug zu Ende zu führen. Im schönen Hof der Semmelstraße 67 schauten wir nach, ob der dicke Boxer von Herrn Loos  zu sehen war, „Ritter“ lieben Hunde. Wenn er da war, dann wurde der durchgeknuddelt, obwohl er fürchterlich muffte. Dann ging es weiter zum Bäckerbrunnen und dann ins Ladenzimmer der Metzgerei, in der mich schon der Leberkäs-Duft erwartete. Der Leberkäs der Metzgerei Martin galt als der beste der Stadt. Noch heute schwärmen die Leute davon. Meine Mutter stand meist im Laden und bediente. Meist gab es kurz nach eins Mittagessen, das wir im kleinen Ladenzimmer an einem mickrigen Tisch neben dem dampfenden Leberkäsbräter einnahmen. Täglich gab es Suppe, Hauptgericht und Nachspeise – freitags fleischlos. Da von 13 Uhr bis 14 Uhr Mittagspause war, konnten wir fast ungestört zu Mittag essen. Bisweilen jedoch, als ich in der 3. Klasse in der Pleicher Schule war, kam oft ein ungebetener Gast, der an der Ladenzimmertür im Hof klopfte: Frau Motzel, meine Klassenlehrerin, eine ausgezehrte, alte silberlockige Jungfer, um deren beinahe skelettierten Extremitäten dunkelblaue Baumwollhosen schlotterten. Mutter musste sie dann immer schnell für ihre großen Einkäufe (75 g Fleischwurst, 1 Knäudele und 100 g Hackfleisch) bedienen. Ich war stets froh, wenn sie wieder weg war. So funktionierte damals eine Sprechstunde mit den Erziehungsberechtigten. Nachdem der Tisch abgeräumt war, wischte Mutter den Tisch und das Katholische Volksblatt wurden fein säuberlich auf dem Tisch ausgelegt. Zeichen für mich, dass jetzt neben dem Leberkäsbräter die Hausaufgabenzeit unter dem wachsamen Auge meiner Mutter begann. Ich bin Linkshänder und man hatte mir unter Nachdruck beigebracht, rechts zu schreiben. So holte ich die Hefte mit der Erstklasslineatur heraus und begann zu schreiben. Währenddessen war das Geschäft wieder offen und Kunden mussten bedient werden. Ich gab mir Mühe und schrieb mit Bleistift bzw. nun mit Füller fein säuberlich auf Orthografie achtend. Mutter kam und kontrollierte. „Hm, da hast du ein Wort vergessen! Das schreibst du gleich noch einmal!“ Ratsch – und schon war die Din A5 Seite herausgerissen und die zweite Hälfte des Blattes auch. „Gib dir Mühe!“. Kurze Zeit später. „Da hättest du mehr Abstand zwischen den Wörtern lassen müssen. Das hast du so ´neigeknört“. Ratsch – Seite raus. „Löschblatt unter die Hand, dass ja kein Fettflecken drauf kommt.“ Das Heft wurde nun schon merklich dünner. Ein erneuter Versuch. Mir taten schon die Griffel weh, die „Schreibkraft“ ließ nach. Pfeife – verschrieben! Mutter jetzt recht angesäuert: „Jetzt müssen wir radieren.“ Der blaue Anteil des Radierers schmiert. Der Leberkäsbräter dampft munter vor sich hin. Jetzt ist auch noch ein Fettflecken drauf. Noch einmal. Wieder verschrieben. Es wurde der hellblaue Radierer erneut strapaziert. Die Lineaturseite wurde durch den wiederholten Einsatz des Radierers zunehmend aufgeraut. Tintenkiller gab´s noch nicht. „Pfeife – jetzt ist das Schreibblatt auch noch durchgerubbelt. Geh´schnell zum Schreibwaren „Kurtze“ und kauf´ ein neues Heft!“ So fiel es mir leicht die deutsche Orthografie zu erlernen. Meine Mutter übrigens, hatte nie eine schöne Schrift besessen. Das Wort Weißwurst war bei ihr nur mit Fantasie zu lesen. Zwei W im Abstand, nach jedem ein waagrechter Strich! Martinsche Kurzschrift halt. Leberkäse: Lstrichkstrich! Geht doch!
Fortsetzung folgt! 