Würzburger Geschichten: Siebold-Gymnasium – Mathematik, Rotzlöffel und arme Lehrer

Von der Pleicher Schule ins Siebold

Schon in der Pleicher Grundschule war ich laut Zeugnisbemerkung „sehr lebhaft“. Meine Schrift war saumäßig, aber in allen anderen Fächern, auch im Fach „Rechnen“, ausgezeichnet. Wie damals üblich musste generell eine Aufnahmeprüfung für´s Gymnasium absolviert werden. Ich weiß noch, als wenn es gestern gewesen wäre, dass mir die Lösung von einer kniffligen Sachaufgabe noch kurz vor Abgabe einfiel. Also der Weg zum Gymnasium war frei. Da alle Familienmitglieder der  Martins, Kirchner und Hessenauer das Siebold-Gymnasium besuchten, war die Wahl der höheren Schule klar. Ich rechnete in gewisser Weise mit dem sogenannten „Hofeffekt“, da alle dort ein sehr erfolgreiches Schülerdasein verbrachten.

Ich und die Mathematik – Herr H. H.

Während ich in Deutsch, Latein und den Lernfächern im 5. Jahrgang gute Leistungen erzielte, waren sie in Mathematik von Beginn an grottig zu nennen. Mit Mengenlehre wusste ich zum Beispiel wenig anzufangen. Zudem traf ich auf H. H., einen knallharten Studiendirektor , der schon rein äußerlich mit seiner Hornbrille keine „Spaßbombe“ war und zudem mit seinem weißen Mantel furchteinflößend wirkte. Das Motto seiner didaktisch-methodischen Unterrichtsführung war „Friss oder stirb“. Irgendwie kam ich durch. Zum Glück hatte ich dann andere verständnisvollere Mathematiker. Einer von ihnen, Herr K., wohnte als Student bei uns in der Semmelstraße. Ich glaube, der hat öfters mal die Fünf gerade sein lassen.

Die Mathe-Schulaufgabe naht…

Schrecklich war, wenn eine Matheschulaufgabe näher kam. Ich musste pauken und mein armer Bruder Schorsch, der in Mathe nie was anbrennen ließ, hatte die Pflicht mir Nachhilfe zu geben. Ich verstand eigentlich nichts und sagte oft ermüdet, ja verstanden. Am Tag der Schulaufgabe war alles wie weggewischt. Blackout. Den Tränen nah. Dann der Gang nach Canossa, also nach Hause. Je mehr ich mich der Metzgerei näherte, desto schwerer wog die Schultasche. Kurz nach eins dann erst einmal gemeinsames Mittagessen neben dem Leberkäs-Bräter. Die übliche Frage meiner Mutter,  wie es war. Ging so. Dann nach dem Mittagessen  – das Schlimmste. „Der Schorsch soll´sich die Schulaufgabe mal anschau´ !“ Mein Bruder überflog die Aufgabenstellungen und hatte den Rechenweg schon im Kopf. Nun begann das Verhör: „Erste Aufgabe?“ „Das habe ich so gerechnet.  Das war meine Lösung!“ Schorsch lapidar: „Falsch! Da kommt…raus!  Zweite Aufgabe?“ „Die habe ich nur halb.“ „Dritte Aufgabe?“ „Nur angefangen…“„5. und 6. Aufgabe?“ „Da war die Zeit zu knapp. Ist doch gemein. Außerdem war das noch nie dran…das ging den anderen genauso. Die hat fast keiner..“Der Tag war dann meist gelaufen. Meine Mutter grantig. „Du musst mehr lernen! Strenge dich mehr an!“ Einmal musste ich eine mit ungenügend bewertete Ex , von deren Existenz außer mir keiner wusste, unterschreiben lassen. Auf der Treppe zur Wohnung bekam ich von meinem Vater eine schallende Ohrfeige.

Latein bei Dr. G

Zum Glück war ich im Sprachlichen weitaus besser und glänzte in Latein vor allem in der 7. Jahrgangsstufe bei Dr. G. mit Bestnoten. Ich hatte da in Latein ab und an Nachhilfe bei Opa Huth. Davon zehrte ich bis zur Kollegstufe. Aber Mathematik war nie meins. Zum Glück konnte ich sie in der Kollegstufe abwählen. Aus diesem Grund kann ich heute bestens verstehen, wenn Schüler in Mathematik nichts kapieren.

Warum ich dann in der Kollegstufe nicht Latein wählte, sondern „Französisch“ vorzog, weiß ich nicht. Naja, ich liebte das Land, Asterix, Gaulois und Gitanes und den Aufenthalt in Paris (siehe Biografie).

Rotzlöffel – nur Unsinn im Kopf

Als Schüler war ich ein rechter „Bankert“, ein Lümmel, der oft nur Unsinn im Kopf hatte. Ich denke die Mehrzahl der Lehrer war froh, wenn sie mich im nächsten Jahr nicht mehr unterrichten mussten. Einen der vielen Verweise habe ich noch: „ Ständige Verbreitung von Unruhe“. Ich denke, das  trifft es genau.

Vo Mutter unterschrieben! Ein Verweis von der “Zensi”! RIP – unweit von unserem Familiengrab.

Manche Späße waren schon recht derb, beispielsweise wenn ich dem Monsignore D. farbigen Kreidestaub im Vorübergehen auf die schwarze Anzugsjacke pustete oder mich diebisch freute, wenn er wieder mit seine Lackschuhen in einen Reißnagel trat. Ich führte Strichlisten, wenn Lehrer permanent Worte wie „Moment emal“ oder irgendwelche Füllsel „öne“ oder „Mhmna“ verwendeten. Biologielehrer H. hatte die Angewohnheit fast in jedem dritten Satz „letzten Endes“ einzubauen. Der kam bisweilen auf dreißig Striche. Was noch hinzukam, war das der Gute lispelte. Man stelle sich das vor: zwei S-Laute hintereinander.  Allerdings muss ich zugeben, dass meine Mitschüler auch keine Waisenknaben waren.

Wo bin ich? Ganz brav in der ersten Reihe vorn. Der Vierte von links 🙂

Im Team lassen sich Lehrer noch besser ärgern. Latein- und Geschichtslehrer S. hatte es ganz schwer. Das tut mir im Rückblick heute noch leid. Ehrlich. Einmal holten wir sein Fahrrad vom Abstellplatz hoch in den Gang vor das Rektorat und schlossen es mit einer Fahrradkette an ein Heizungsrohr. Oder einer mopste dem verplanten Lehrer die Schultasche und versteckte sie im Klassenzimmer.

Raucherecke am Fahrradkeller

Geraucht wurde immer an der Mauer zum Riemenschneider-Gymnasium, da wo es zum Fahrradkeller runterging. Einer musste Schmiere stehen, während wir die Selbstgedrehten rauchten. Kam eine Lehrkraft, schnippten wir die Zigaretten einfach zum Riemenschneider-Gymnasium hinüber.

Die schönste Zeit war dann die Kollegstufe. Ich hatte den Führerschein und einen gelben R4. Endlich. Nachdem ich bis dahin leiden musste, da die anderen Kreidler Mokicks haben durften und mit ihren Freundinnen rumkurvten. Bei uns waren motorisierte Kleinkrafträder absolutes NoGo. Mein Vater verbot es.

“Entschuldigtes Fehlen”

Den Typ, der den Geschichte-Leistungskurs leitete konnte ich mit seiner arroganten Art nicht ab. Zudem nervte der Pädagoge mit permanentem Folienauflegen auf dem 70er Medium OHP, der Ur-Beamer,  und Gruppenarbeitsaufträgen. So fehlte ich oft „entschuldigt“ und fuhr mit meiner Freundin S., die am Mozart war, lieber über´s Land. Mit dem lieben Mann unternahmen wir dann auch in der 8. Klasse schon einen Schulskikurs nach Sterzing, wo eine Zimmertür zu Bruch ging. Die Schulskikurse waren schon herrlich. Die armen Kerle, die zum ersten Mal auf Skiern standen, am Abend groggy. Die anderen voll fit und zu vielerlei Späßen aufgelegt: Den Schlafanzug nassmachen, mehrere Knoten rein und auf den Balkon legen bis er in kürzestes Zeit Bock hart gefroren ist. Gemein.

Abiturfahrt Prag

Die Abi-Fahrt ging mit ihm nach Prag. Naja. Schöne Stadt und viel Alkohol. Hotel “Europa“ direkt am Wenzelsplatz. An einem Abend hatten wir wieder Ausgang ohne Aufpasser. Eine Bar zog uns an. Ich wechselte zwischen Bloody Mary und Becherovka. Hoch ins Zimmer und ins Bett gelegt. Karussell fahren. Zum Glück hatte ich nur zwei Meter zur Badewanne. Das war mein erster und letzter Vollrausch. Insofern eine lehrreiche Fahrt: Ich vertrag´ keinen Alkohol.

1979 dann Abitur und bestanden. Geht doch. Im vergangenen Jahr trafen wir uns zur 40-Jahre Abiturfeier an der Wittelsbacher Höhe. Schön war´s.

Wo kommen Sie denn her?

Da fällt mir noch eine Episode ein: Nach dem Abitur fuhr ich auch wochentags für die Metzgerei Wurst aus. Eine Station war dabei das Sieboldgymnasium, denn Hausmeister B. , im Pausenverkauf wehrte er immer durch gezielte Boxschläge die anstürmenden Schülermassen ab, verkaufte seit einiger Zeit belegte Wurstbrötchen.

So lief ich so um 9 Uhr mit der Brötchenmulde in die Schule ein und stellte sie auf das Mäuerchen neben der Getränkeverkaufsstelle ab, zu der ein paar Stufen führten. Ich komm mit leeren Händen wieder hoch. Da schallt es: „Wo kommen Sie denn um diese Zeit her? Wieder zu spät?“ Es war Otto Sch. der Schulleiter. Ich fühlte mich zunächst direkt ertappt. Aber dann mussten wir herzhaft lachen.

Würzburger Geschichten: Wurst ausfahren, MC (GCL) und Hundesport – die Woche war ausgefüllt

Wie war das eigentlich vor 50 Jahren schön. Im Rückblick sieht man alles ja irgendwie verklärt. Waren die Zeiten besser? Politisch? Wirtschaftlich? Gesellschaftlich? War es ruhiger als 2020, die Leute zufriedener als heute? Bestimmt weniger abgelenkt, auf wenige Dinge fokussiert. Ohne Web und Mobile Phone. Drei Fernsehprogramme und das Würzburger Volksblatt mehr nicht. Wenn ich mal, die Schulzeit, vor allem die gymnasiale weglasse (dazu an anderer Stelle mehr!), habe ich eigentlich nur beste Erinnerungen an diese Zeit. Zumindest als Kind bzw. Jugendlicher.

Mein Wochenplan so von 1971 – 1985: Schule 6 Tage die Woche, ab 1979 dann Uni

Dienstagmorgen 6 Uhr (Marianische Congregation) GCL-Gottesdienst

Mittwoch Hundesport beim SV( Schäferhundverein Gerbrunn/ seltener PSV Waldbüttelbrunn)

Donnerstag Radtour im Auftrag der Metzgerei Martin Bestellungen für das Wochenende einsammeln, vor allem im Heimgarten und Frauenland (Zeitaufwand ca. 2 Stunden)

Freitag MC Gruppenstunde, danach Fußballgebolze auf dem Augustinerhartplatz neben dem Kloster, ideal zum Auspowern bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Samstag: Wurst- und Fleischwaren-Lieferdienst

So ähnlich sah der Lieferwagen aus…

Die Route der samstäglichen Auslieferung war genau ausgeklügelt um möglichst wenig Sprit zu verbrauchen. Getankt wurde damals immer am Berliner Ring bei L. Schürer. Meist am Ende der Ausfahrerei. Da waren samstags so um die Mittagszeit immer die “Würzburger Playboys” zum Smalltalk mit ihren Cabrios oder schmucken Karossen versammelt.

6.00 Uhr Noch etwas verschlafen den Lieferwagen, ein Hanomag, mit großen Fleischkästen geschickt beladen: was zuerst angefahren wurde, kam logischerweise zum Schluss auf die Ladefläche.

Der Toyota in der engen Einfahrt der Semmelstraße 23.
So sah dann der letzte Lieferwagen aus – mit dem von meinem Vater entworfenen “Fleisch-Case” – ein weinroter Toyota Hiace! Am Wochenende nutzte ich diesen zum Transport unserer Black Bird Musikanlage!

Die erste Runde mit den großen Lieferungen war etwa so: Uni-Klinik Diätküche, Rotkreuzklinik, Kaufhof, Augustinerkloster, Bürgerspital, verschiedene Altenheime wie Annastift in der Theaterstraße, Raphaelsheim am Haugerring, St. Anna (Erlöserschwestern) Balthasar-Neumann-Promenade, …….

Die zweite Tour: Wurstpaketzustellung an Privatkunden : Crevennastraße, Annastraße, Heimgarten,…..

Frau im Negligé

Du klingelst mit der nach Wurst duftenden Tüte an der Haustüre. Samstag, ca. 7.15 Uhr. Hoffentlich sind die Leute schon wach. Ah der Summer ertönt. Du eilst die Treppe hoch. Die Tür geht auf. Der Muff der Nacht zieht in die Nase.  „Grüß Gott“ Dame im Negligé öffnet die Tür, ziemlich verstrubbelt, amouröse Abenteuer undenkbar. Kundin : „Was macht es?“ „18,50 DM“.  „20 DM“. „Stimmt so!“ „Wiedersehen, schönen Sonntag!“ Fünf Treppen auf einmal genommen ging´s wieder zur Haustür.

Im Frauenland: Frau B., Frau E. und Frau Sch.

Die nächste Tour Frauenland, Trautenauer  Straße. Frau B. immer äußerst spendabel. Bei Familie Sch.  duftet es immer nach frisch gekochter Suppenbrühe mit Maggikraut. Frau E. im Nebenhaus war geizig bis dorthinaus,  Aufgehenlassen für ein wenig Trinkgeld kam bei ihr nie in die Tüte: „Da haste 15.- Mark, den Rest zahle ich dann nächste Woche.“ Andere, vor allem die alten Leute im Heimgarten, die Eisenbahner, waren freigiebig. Auf dem Heimweg ging es dann noch mal durch die Barbarastraße. Da war ein kleiner Tante Emma-Laden mit richtig großen Weck mit Kümmel. Lecker. So was gibt´s heute kaum mehr. Entweder aßen mein Vater und ich jeder einen trockenen Kipf, tranken dazu eiskaltes Cola oder aßen im Sommer Eis. Dann ging die Fahrt wieder zurück zur Semmelstraße und danach zu den “Außenposten“ ins Steinbachtal zum Kloster „Sankt Bruno“ und dann wieder zu einigen Privatkunden den steilen Berg hinauf Richtung Frankenwarte und zurück über einige Stationen in der Zellerau.

Anschließend  Endstation Semmelstraße. Es sei denn, wir hatten ein Päckchen vergessen oder es wurde nachbestellt.  Entweder aß ich dann ein Fleischsalat- oder Leberkäsbrötchen. Meistens fuhr ich dann hoch zur Sieboldshöhe und habe  die Wohnung aufräumen, saugen und bohnern dürfen. Ab 12.45 Uhr hieß es dann Ladendienst anfangen. Also, allmählich damit beginnen das Fleisch aus dem Laden wieder in die Kühlräume zu bringen. Selbiges galt für die gesamte Wurst aus der Theke. Alles wurde fein säuberlich in Mulden gelegt und zurückgetragen. Ärgerlich war, wenn dann noch ein Kunde zum Hintereingang im Hof hereinschneite und bestimmte Dinge wieder geholt werden mussten. Nun den Stock kratzen, das heißt mit einer Drahtbürste die Hackstöcke kratzen bis keine Spuren von Blut etc. zu sehen sind- also de facto bis der Hackstock wieder jungfräulich aussah.

So etwa sahen die zwei Hackstöcke aus.

Jetzt drängte sich die ganze Belegschaft um den kleinen Tisch im Ladenzimmer zu einem vielleicht 15-minütigen Kaffeeklatsch. Da gab es meistens süße Teile zu essen. Also heute würde man sagen Teambesprechung auf engstem Raum mit Chefin und Chef. Meine Eltern waren damals ihrer Zeit weit voraus.  Nun ging es rund: Putzen, die Scheiben der Theke herausheben und mit Glasreiniger säubern, der ganze Laden wurde unter Wasser gesetzt, es wurde picobello jede Ecke akribisch gereinigt.  Ich hatte Dienst am Schieber und musste das ganze Wasser nach draußen in den Einfahrtshof befördern.  Heißes Wasser wurde  aus den Kesseln in der Wurstküche herbeigeschleppt und der ganze Hof ausgeschwemmt und mit dem Schieber abgezogen. Der letzte Akt war dann der Gehsteig vor dem Geschäft. Feierabend sollte man meinen. Aber dann schloss sich noch der Fahrdienst für das Personal an, das hieß eine oder zwei der Grazien wurden nach Hause in ihre Dörfer gefahren. Eine Tour ging zum Beispiel nach Untersambach bei Wiesentheid. Im Schnitt war es dann etwa 16 Uhr. Meist bin ich dann mit den Hunden zum Schäferhundeverein nach Gerbrunn zum Trainieren.  Nach der Übungsstunde, habe später selbst figuriert (Hundesportler wissen, was damit gemeint ist), gab´s im Vereinsheim leckere Bratwürste.

Beim Figurieren der Hunde beim SV Gerbrunn an der Römerbrücke.

War eine wunderschöne Zeit. Jeden Mittwoch und Samstag war Übungsbetrieb. Obwohl ich ja keinen Deutschen Schäferhund besaß, sondern Riesenschnauzer hatte, war ich voll im Verein integriert.

Fortsetzungen folgen: Verbreitung von Unruhe im Siebold-Gymnasium oder der jüngste Vorsitzende des Pinscher-Schnauzer-Klub 1995 e.V. lädt zu Versammlungen in den “Deutschen Garten” (heute ist da der Zauberberg beheimatet!) ein.

Würzburger Geschichten – Haarige Sache in der Semmelstraße

Heutzutage ist der Gang zum Friseur, zum Stylen der Haare unglaublich in. Ich weiß nicht genau wie viele Friseurläden in der Theaterstraße wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind. Der Besuch beim Barber gehört bei dem starken Geschlecht heute zum guten Ton und das vielleicht mehrmals im Monat. Das färbt ab. Grundschüler und Kindergartenkinder wie Justin, Jonas, Maximilian, Ben, Noah, Louis, Henri und Felix sind haarmäßig voll trendy. Haargel ist in. Früher hätte man dies als übertriebene Eitelkeit abgetan. Das heißt nicht, dass es den Gang zum Friseur nicht gab. Es gab ihn. Und zwar äußerst widerwillig, denn es war nur notwendige Pflichterfüllung.

Die Semmelstraße heute

Ich hasste den Gang über die Semmelstraße in den Hinterhof von „Laufstil“. Dort befand sich ein unscheinbares Friseurgeschäft. Inhaber war Herr Eberhard (wenn ich mich noch recht entsinne!). Nicht mehr der Jüngste, mit lichtem blonden Haar. Seine Hände wiesen schon Altersflecken auf. Ihm zur Seite gesellte sich ein eher mollig zu nennendes, weitaus jüngeres, rotblondes weibliches Wesen. Seine Frau. Betrat man das Geschäft, wurde man sofort, erhöht durch ein Stühlchen, in den Friseursessel gesetzt.

Der Prozedur des Haarschnittsder Rabboalso minimal langes Haar (fränkisch)

Und die Prozedur begann ad hoc: Friseurkittel rum, dazu um den Hals so ein Papierband, das einen den Atem nahm und kratzte. Es sollte glaube ich verhindern, dass einem Haare unters Hemd gelangten. Quasi eine Haarbremse. Nun holte er ein mit Wasser gefülltes Spritzfläschlein hervor und besprühte einem das ganzen Kopfhaar. Verdunstungskälte kam auf. Das ersetzte die Wäsche. Kamm oder Bürste gezückt und Haare glatt gestrichen. Elektrischer Haarschneider raus. Rundherum, von rechts nach links und wieder zurück. Rabbo. Mit der Schere bzw. mit dem Rasierer noch etwas nachjustieren. Zum Schluss wurden mit einem stinkigen Pinsel die restlichen abgeschnittenen Haare zu Boden befördert und die Nackenpartie mit irgendeinem Puder eingestäubt. Zeichen dafür, dass die Tortur ein Ende hatte. Halsband runtergerissen. Kittelschürze raus. Bezahlt und raus aus dem Laden. Draußen dann das Gefühl, als wenn es um fünf Grad kälter geworden wäre. Vor allem am Kopf. Und jetzt juckte es wieder hinten am Rücken. Mist.

Frau Eberhard – die Gespielin

Friseur Eberhard und seine Frau waren  schon speziell und sehr verliebt. Sie war wie erwähnt um etliche Jahre jünger und schon kindlich-naiv zu nennen. Einmal erzählte sie in der Metzgerei ihre Bettgeschichten bzw. -spiele mit dem Eberhard: „Wir werfen jeden Morgen im Bett einen Ball hin und her.“ Süß.

Salon Dömling – Theaterstraße

Mein Vater ging auch zum Eberhard. Meine Mutter genoss die wöchentlichen Friseurbesuche im Salon „Dömling“ in der Theaterstraße neben dem Schreibwaren Kurtze. Später wurde der Salon von Herrn Tietze  (heute Bahnhofstraße) übernommen.  

Der Traum der langen Haaren bleibt unerfüllt

Ich hätte gern, vor allem in den 70ern, mein Haar lang getragen. Aber hier kannten meine Eltern kein Pardon. „Die Wolle muss wieder mal runter!“ Dabei standen sie gerade ein wenig auf dem Hemdkragen auf. Meine Cousins hatten es da besser. Die hatten vielleicht Matten. Erich, Michael und Matthias hätte man sofort für die Mitglieder einer Rock- oder Beatband halten können. Alles Bitteln und Betteln half nichts. Friseur.

Grand Fun Railroad/ Mark Farner links mit Gitarre

Das schmerzte um so mehr als ab 1973 Mark Farner von Grand Funk Railroad zu meinem großen Idol wurde. Und der hatte Haare bis zum „Arsch“.  In meinem Zimmer hing dazu ein riesiges Poster: Mark Farner im Shea Stadium.

Mark Farner

Mein Vater hatte nichts dagegen. Aber die Haare wurden geschnitten. Und dann kam der Satz, der einem völlig den Wind aus den Segeln nahm: „Denjenigen, die heute lange Haare haben, fallen später mal die Haare aus. Die kriegen ne Glatze!“ Heute  habe ich fast eine. Komisch, habe mir doch eigentlich in der Beziehung nichts zu Schulden kommen lassen.

Kurzgeschichte vom Untermain: Schulalltag in “Oustem” und Gestöhne aus der Nachbarwohnung

photo/markt

Nachdem ich meine Lehramtsanwärterzeit in Lohr am rostbraunen Nägelseeschulzentrum erfolgreich beendet hatte, sollte ich den Vorbereitungsdienst in Sennfeld antreten. Etwa eine Woche vor Schulbeginn kam jedoch in der Metzgerei ein Anruf des Schulamtes, dass ich nach Großostheim, also nach „Oustem“ (so wird´s von Einheimischen genannt!) versetzt würde. Schluck! Schock! Untermain! Verbannung! Großostheim etwa 90 km einfach von Würzburg entfernt und gerade noch Bayern. Mit dem R4 täglich dahin und zurück? Fiat Uno 75 i.e gekauft. Muss mir wohl auch eine Wohnung nehmen. Vor allem für die Winterszeit. Auf Vermittlung des Schulsekretariats hin, sah ich mir eine Wohnung im 3. Stock in der Hasselstraße in Ringheim an. Die Vermieterin redselig, erzählte, hessisch dialektgefärbt, so nebenbei alle bekannten Geheimnisse aus dem Lehrerkollegium.

Die Hauptschule Großostheims so um 1950

Endlich Freiheit. Als Lehrer zur Anstellung ohne den lästigen Seminarleiter. Ich übernahm als Klassenleiter eine  5. Jahrgangsstufe.  Die Kollegen waren nett und die Stimmung oft feuchtfröhlich. Am Untermain weiß man jeden Anlass zu feiern. Am Kirchweihtag war schulfrei. Die Schule war riesengroß, drei bis vierzügig. Problematisch waren die sogenannten „cit“ Klassen. „cit“ bedeutete nur mit italienischen Schülern. Es gab einige italienische Lehrkräfte, die in diesen Klassen  „Italienisch“ unterrichteten und sich natürlich super verständigen konnten. Die “Bambini” beherrschten durch die Bank kein Deutsch und waren eigentlich auch nicht gewillt mit deutschen Lehrkräften zu kommunizieren. Zudem hatte ich das Pech mit den lieben kleinen 5cit-Klässlern am Freitag in der 5. und 6. Stunde Kunsterziehung betreiben zu dürfen. Der reinste Spießrutenlauf. Die Rotzlöffel zogen alle Register, mir, dem armen LzA., die zwei letzten Stunden der Woche zur Hölle zu machen. Dass sie sich gegenseitig mit Wasserfarben bemalten und sich dabei mit den Borstenpinseln beinahe die Augen ausstachen, war noch das geringste Übel.

Da sitzen sie ganz brav, nur einer mit leichter Kriegsbemalung – photo1989/cmartin

Wie aus dem Nichts fingen die netten „ragazzi“ plötzlich an sich zu prügeln, sich auf dem Boden herumzuwälzen, sich gegenseitig zu beschimpfen und  zu bespucken. Zum Glück verstand ich nicht all die Schimpfwörter, die sie sich gegenseitig an den Kopf warfen. Flöhe sind leichter zu hüten! Also zwei Stunden pures Chaos, obwohl ich mir in der Vorbereitung große Mühe gab, abwechslungsreiche und kreative Themen und Arbeitsweisen anzubieten. Mitteilungen, Ermahnungen und Gespräche mithilfe der  italienischen Lehrer fruchteten  nur kurzzeitig. Durch raffinierte Ablenkung meinerseits, schafften es einige, sich über den Gruppenraum in das benachbarte,  zu dieser Zeit freie, Klassenzimmer zu schleichen, um dort verschiedene Fressalien wie Chips mitgehen zu lassen. Mangelnde Aufsichtspflicht!!!!

Es war mal wieder Freitag, 11.45 Uhr, als trotz Lärm ein lautes Klopfen zu vernehmen war. Einer meiner italienischen Freunde öffnete stürmisch die Tür: Schulrat S., Aschaffenburg-Land. Unvorhergesagter Schulratsbesuch. Oh Sch…. : Unterrichtsplaner, Lehrnachweis – Fehlanzeige. Schriftliche Unterrichtsvorbereitung – ja. Meine italienischen Freunde, die selbst durch den anwesenden Schulrat nur leicht eingebremst wurden, waren das Salz in der Suppe. Der Kelch ging an mir vorüber. Schulrat S. war dann zudem nicht mehr für mich zuständig, als ich ein Jahr später nach Würzburg zurückversetzt wurde. Allerdings begann ich noch zu Großostheims Zeiten mit dem Erlernen der italienischen Sprache an der Volkshochschule.

Mein Klassenzimmer in Großostheim. photocmartin1989

Im ersten Jahr wohnte ich also in Ringheim und man hatte mir als Newcomer einen “Super-Stundenplan” verpasst. Spät anfangen und spät am Nachmittag aufhören. An einem Tag musste ich erst um 11.20 Uhr mit dem Unterricht beginnen. Klasse. Wenn ich dann um 9 Uhr im Ringheimer Einkaufsmarkt war, habe ich im Umfeld oft die schwänzenden Schüler entdeckt, zudem wurden meine Einkäufe kritisch von Erziehungsberechtigten beäugt, wenn sie auf dem Band lagen.

Die grün-gelbe ausgestattete Dachgeschosswohnung in der Hasselstraße war äußerst hellhörig, meine Wohnungsnachbarn sexuell sehr aktiv. Man hätte fast die Uhr danach stellen können. Die Zeremonie, der Akt, wurde immer mit Musik eingeleitet. „Still Loving You“ von den Scorpions beispielsweise in Dauerschleife. Meistens plätscherte Wasser in die Badewanne. Dazu gesellten sich dann rhythmische Stöhngeräusche der Nachbarin, die dann zunächst wieder abebbten, um dann eine halbe Stunde später von neuem zu beginnen. Als Gegenmaßnahme ließ ich den Fernseher laut laufen. Nach dem ersten Winter pendelte ich dann sowieso jeden Tag hin und her. Im zweiten Jahr gab ich die Wohnung auf.

Gefeiert wurde gern in Großostheim. Hier die Geburt unserer Tochter Anna-Lena 1989.

Was schön war, dass sich mit Manfred H. ein zweiter LzA an der Schule eingefunden hatte. Abundzu fuhren wir im Winter zum Skifahren an den Engländer bei Hösbach. In der Mittagspause gingen wir regelmäßig zum Essen und tauschten uns über das Kollegium aus. Einmal waren wir beim Chinesen. Ich bestellte Schweinfleisch süß-sauer. Bei reger Unterhaltung rutschte ich mit der Gabel ab und kleckerte mir die weiße Hose mit roter Sauce unter der Gürtellinie voll. Absolut peinlich und unübersehbar an pikanter Stelle. Scheibenkleister. Ich hatte noch Werken zu unterrichten, schlich mich an den bereits wartenden Schülern vorbei und warf mir schnell eine Werkschürze über. Uff geschafft!

Am Freitag nach Schulschluss ging es sofort zum hinter der Schule geparkten Auto und wir jagten zur A3. Am Berg zum Spessart hängte Manfred mit seinem Ford Escort-Turbo-Diesel immer meinen Fiat Uno 75 ie ab. Das ärgerte mich. Einmal rief jemand aus der Nachbarschaft der Schule im Sekretariat an und teilte mit, dass ein Fiat mit Würzburger Kennzeichen hinter der Schule Unmengen von Öl verlöre. Es war meiner. Bin dann langsam nach Waldbüttelbrunn zum Fiat-Seuberth getuckert.

Das Kollegium aus Großostheim 1989

Eine Szene aus dem Lehrerzimmer ist mir noch besonders in Erinnerung geblieben. Wie bereits erwähnt waren an der Schule italienische Lehrer beschäftigt. In jeder Pause waren alle Tische des Lehrerzimmers mit ca. 30 Lehrkörpern voll besetzt. Blickrichtung aller war die Eingangstür zum Lehrerzimmer. Die öffnet sich und hereinkommt der großgewachsene, bebrillte und  Seitenscheitel rechts tragende Kollege namens Giovanni A. aus Italien, kratzt sich am Gemächt seiner engsitzenden Hose. Da ruft einer im trockenen südbayerischen Ton: „Nicht kratzen  – waschen Giovanni.“ Giovanni wurde mächtig rot. Wir lagen unter den Tischen.

Es war im Rückblick eine schöne Zeit in „Oustem“: die etwa einstündige Fahrt dorthin ließ einen über die bevorstehenden Stunden sinnieren, ich konnte richtig träumen.  Dann bei Stockstadt auf die B469, durch den Wald und dann war man ob des Schweinegüllengeruchs wach und in „Oustem“ am Dellweg angekommen. Im Unterschied zu Würzburg später war in den beiden Jahren in „Oustem“ der Gabentisch für den Lehrer am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien voll gedeckt: diverse Alkoholika wie Weinbrand, Süßigkeiten in verschiedenster Form, Käse, Hausmacher Wurst und geräucherter Bauchspeck. Einfach mehr Herz und Freude am Schenken.

Übrigens erlangte  „Oustem“ durch die TV-Serie „Mit Leib und Seele“ mit Günther Strack zu dieser Zeit bundesweite  Berühmtheit. In der Schule wurden auch einige Szenen gedreht. (Staffel 1/ Folge 5)

Würzburger Geschichten: “Jetzt kannst du gut schlaf´ und dann gehst morgen wieder in die Schul´. “

Heute sieht das Seniorenheim in der Henlestraße toll aus. In den 60er Jahren als Rotkreuz-Kinderklinik war der Anblick eher beängstigend. (Photo Rotes Kreuz)

Also früher, in den 60 er Jahren, durften wir als Kinder nie krank sein. Der Grund dafür war, dass man in der Schule wichtigen Unterrichtsstoff versäumen würde. Ihr könnt euch vorstellen, es war jedes Mal nicht leicht, wenn es einem richtig dreckig ging und man in die Schule musste. Meine Mutter Hannelore war hier äußerst hartnäckig. Sie war als Schülerin so pflichtbewusst und schleppte selbst bei Luftangriffen immer ihre Hefte mit in den Luftschutzkeller. Wenn es also begann, dass man krank wurde, das heißt die ersten Symptome wie Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen und Fieber tauchten auf, wurde sofort mütterlicherseits das Arsenal der Geheimwaffen geöffnet:  erste Maßnahme Fieber rektal messen, zweitens ein heißes Bad in der Badewanne, drittens mit Schalfanzug, Bademantel, Wollstrümpfen und Wolldecken (oder alternativ Wadenwickel) ab ins Federbett zur Schwitzkur. Dazu tröstende Worte: „Wirst sehen, es geht dir gleich besser. Morgen kannste wieder in die Schul´!“ Dann noch ein paar Schluck` Klosterfrau Melissengeist bzw. der damit getränkte Waschfleck auf die Stirn (die Allzweckwaffe!), mit Wick Vaporub-Salbe die Brust gut einreiben und abends vor dem Schlaf, den Kranken noch mit Wickmedinait sedieren.  Der Bub schläft sich gesund. Nach dieser Rosskur ging es einem tatsächlich am nächsten Tag etwas besser. Ab in die Schule. Zähne zusammenbeißen, sonst wurde man als „Markusbruder“ (also einer, der Krankheit simuliert) tituliert.

Also eigentlich gab es krank sein bei uns nicht. Da war man hart. Einmal allerdings, war Schluss mit dem „Markusbruder“. Es war so um 1968 herum. Es lag Schnee, also echter Winter in Würzburg, Ich bekam die Mumps und hatte plötzlich wahnsinnige Kopfschmerzen und hohes Fieber. Dr. Krug, unser Hausarzt kam vorbei. Diagnose: Meningitis, also Hirnhautentzündung. Sofort wurde ich von meinen Eltern in die Rotkreuzklinik in der Henlestraße gebracht. Es war für mich als Kind furchtbar: im selben Zimmer mehrere ältere Jugendliche, mir ging es dreckig, vier Wochen Quarantänezeit (Besuch schaute zu einem Fensterausschnitt in der Tür rein), das Personal wenig freundlich und zu allem Übel kletterten nachts Kakerlaken aus einem Kanalgitter im Zimmer. Dazu diese regelmäßigen Punktierungen. Zum Glück wurde nach etwa zwei Wochen oder so auch Erich, mein Cousin, eingeliefert. Das war schön. Jetzt bastelten wir zusammen Faller-Doppeldecker und andere Flugzeuge.

Zur Geschichte des Hauses: 1928 vom bekannten Kirchenarchitekten Prof. Albert Boßlet als Säuglingsheim erbaut, im Krieg zerstört, dann nach alten Plänen wieder hergestellt und zur Rotkreuz Kinderklinik ausgebaut, nach längerem Leerstand in den achtziger Jahren zwischenzeitig von jungen Leuten besetzt, wurde es schließlich wieder vom BRK-Kreisverband Würzburg übernommen und 1992 als “Seniorenzentrum Frauenland” eröffnet. (WiKI Würzburg)

RIP: Mike Viertel

15.11. 2019 Sennfeld/ Naturfreundehaus

Habe heute erfahren, dass Mike Viertel verstorben ist. Möge er in Frieden ruhen. Er bleibt als immer freundlicher und herzlicher Mensch in Erinnerung. Ein Gitarrist par Excellence. Es tut weh.

Musikerstammtisch Schweinfurt/ Alte Warthe Jan. 2019
November 2019

Musikgeschichten von früher: Wohl bekomm´s – auf der Suche nach Auftritten

photo: cmartin

Früher in der Zeit ohne Homepages war die Suche nach Auftrittsmöglichkeiten noch eine ganz andere.  Man war mit dem Auto in der fränkischen Provinz unterwegs um eventuelle Auftrittsmöglichkeiten in Form von Kneipen und Wirtshäusern zu erkunden. Meist waren die Anfragen dann, wenn man den Inhaber selbst erwischte wieder schnell vom Tisch bzw. wenn man in den Lokalitäten die Leute sah, die darin verkehrten. Aber wir taten auch gute Locations auf, die wir oft mit Black Bird

Black Bird

oder Klopstock über Jahre hinweg bespielen durfte. Damals waren es aber im Gegensatz zu heutigen  „Der Hut geht rum“-Auftritten, echte, das heißt es wurde ein Eintritt verlangt, den man nach getaner „Arbeit“ mit nach Hause nehmen durfte. 

Klopstock, photoKlopstock

So klapperte man diverse Läden ab. Eine gute Informationsbörse war hier natürlich der „Musik-Treff“ von Kilian Stein in der Seinsheimstraße. Hier wurden dann auch die Erfahrungen mit den Wirten und Veranstaltern ausgetauscht. Ein böser Verein waren hier zum Beispiel die Freaks aus Kolitzheim, wie schon in der Biographie erwähnt, die in ihrer Kneipe „Neu Amsterdam“ die Bands reihenweise über den Tisch zogen.

Klopstock recht unscharf in Gaibach 🙂 aber der Größe nach aufgestellt

Bisweilen waren die Locations schon strange. Ich erinnere mich an eine ganz besonders. Mit Black Bird hatten wir 1981 in Gnötzheim,  Ortsteil von Martinsheim im südlichen Landkreis Kitzingen, schon mal gespielt. Es galt also für Klopstock eine eventuellen Auftritt dort fix zu machen. Hugo, seine Frau Gertrud und ich sind dann an einem Spätnachmittag von Oberbreit dorthin gegondelt. Der Kneipier, ein richtiger Freak, freundlich und nett, war auch vom Vorschlag eines Klopstock – Gigs sehr angetan und man kam so recht gut ins Gespräch.  Allerdings machte der ganze Laden einen recht runtergekommenen und schmuddeligen Eindruck. Der freundliche Typ meinte dann, ob wir nicht ein Schnäpschen mit ihm trinken wollten. Wir hatten nichts dagegen und so lotste er uns hinter dem Tresen in eine Art Küche mit Fenster, holte eine Flasche Korn oder Birne hervor und schenkte jedem ein Stamperl ein. Sehr nett. Er ging kurz raus und wir hoben die Gläser einstweilen, die wohl über Wochen kein Abspülbecken gesehen hatten und milchig trüb bzw. verschmiert waren. Uns grauste es. Er kam zurück und wir waren genötigt die Brühe hinunterzukippen. Wir haben es wahrscheinlich auf Grund des hohen Alkoholgehaltes überlebt. 🙂

Würzburger Geschichten: “Der Radiergummi oder wie man die Rechtschreibung lernt”


Meine zwei ersten Jahre der Grundschulzeit verbrachte ich an der neuen Hauger Schule. Das war eine schöne Zeit. Der Schulweg von der Wallgasse bis zur Semmelstraße war kurz. Gelaufen bin ich jeden Tag mit meinem Freund Thomas M. Allerdings war der Heimweg schöner. Da spielten wir immer Ritter. Die Anorak-Kapuze wurde stets aufgezogen und der Rest baumelte am Rücken runter, das war der Rittermantel. So zogen wir meist zu viert vom Hinterausgang in der Wallgasse zur Neutorstraße. Ein Halt wurde meist am Ende der Neutorstraße eingelegt. Gegenüber vom heutigen „Pan di Zucchero“ befand sich ein kleiner Laden, zu dem drei oder vier Stufen hinaufführten, der für kleine „Rittersleut´“ Bärendreck bereithielt. Für vier Zehner waren wir täglich eingedeckt, um unseren kleinen Kreuzzug zu Ende zu führen. Im schönen Hof der Semmelstraße 67 schauten wir nach, ob der dicke Boxer von Herrn Loos  zu sehen war, „Ritter“ lieben Hunde. Wenn er da war, dann wurde der durchgeknuddelt, obwohl er fürchterlich muffte. Dann ging es weiter zum Bäckerbrunnen an der Metzgerei “Lotter” vorbei und dann ins Ladenzimmer der Metzgerei Martin, in der mich schon der Leberkäsduft erwartete. Der Leberkäs der Metzgerei Martin galt als der beste der Stadt. Noch heute schwärmen die Leute davon. Meine Mutter stand meist im Laden und bediente. Kurz nach eins gab es Mittagessen , das wir im kleinen Ladenzimmer an einem mickrigen Tisch neben dem dampfenden Leberkäsbräter einnahmen. Täglich gab es Suppe, Hauptgericht und Nachspeise – freitags fleischlos. Da von 13 Uhr bis 14 Uhr Mittagspause war, konnten wir fast ungestört zu Mittag essen. Bisweilen jedoch, als ich in der 3. Klasse in der Pleicher Schule war, kam oft ein ungebetener Gast, der an der Ladenzimmertür im Hof klopfte: Frau Motzel, meine Klassenlehrerin, eine ausgezehrte, alte silberlockige Jungfer, um deren beinahe skelettierten Extremitäten dunkelblaue Baumwollhosen schlotterten. Mutter musste sie dann immer schnell für ihre großen Einkäufe (75 g Fleischwurst, 1 Knäudele und 100 g Hackfleisch) bedienen. Ich war stets froh, wenn sie wieder weg war. So funktionierte damals eine Sprechstunde mit den Erziehungsberechtigten. Nachdem der Tisch abgeräumt war, wischte Mutter den Tisch und das Katholische Volksblatt wurden fein säuberlich auf dem Tisch ausgelegt. Zeichen für mich, dass jetzt neben dem Leberkäsbräter die Hausaufgabenzeit unter dem wachsamen Auge meiner Mutter begann. Ich bin Linkshänder und man hatte mir unter Nachdruck beigebracht, rechts zu schreiben. So holte ich die Hefte mit der Erstklasslineatur heraus und begann zu schreiben. Währenddessen war das Geschäft wieder offen und Kunden mussten bedient werden. Ich gab mir Mühe und schrieb mit Bleistift bzw. nun mit Füller fein säuberlich auf Orthografie achtend. Mutter kam und kontrollierte. „Hm, da hast du ein Wort vergessen! Das schreibst du gleich noch einmal!“ Ratsch – und schon war die Din A5 Seite herausgerissen und die zweite Hälfte des Blattes auch. „Gib dir Mühe!“. Kurze Zeit später. „Da hättest du mehr Abstand zwischen den Wörtern lassen müssen. Das hast du so ´neigeknört“. Ratsch – Seite raus. „Löschblatt unter die Hand, dass ja kein Fettflecken drauf kommt.“ Das Heft wurde nun schon merklich dünner. Ein erneuter Versuch. Mir taten schon die Griffel weh, die „Schreibkraft“ ließ nach. Pfeife – verschrieben! Mutter jetzt recht angesäuert: „Jetzt müssen wir radieren.“

Der blaue Anteil des Radierers schmiert. Der Leberkäsbräter dampft munter vor sich hin. Jetzt ist auch noch ein Fettflecken drauf. Noch einmal. Wieder verschrieben. Es wurde der hellblaue Radierer erneut strapaziert. Die Lineaturseite wurde durch den wiederholten Einsatz des Radierers zunehmend aufgeraut. Tintenkiller gab´s noch nicht. „Pfeife – jetzt ist das Schreibblatt auch noch durchgerubbelt. Geh´schnell zum Schreibwaren „Kurtze“ und kauf´ ein neues Heft!“ So fiel es mir leicht die deutsche Orthografie zu erlernen. Meine Mutter übrigens, hatte nie eine schöne Schrift besessen. Das Wort Weißwurst war bei ihr nur mit Fantasie zu lesen. Zwei W im Abstand, nach jedem ein waagrechter Strich! Martinsche Kurzschrift halt. Leberkäse:

L strich k strich! Geht doch!

Monthly Guitar: April / Gibson Custom Shop R8 VOS Lemonburst

photo musik produktiv
photo cmartin
musik produktiv

Gibson Les Paul R8 VOS Lemonburst nicknamed “GM”

This is by far the most outstanding axe of my selection.

It was a coincidence then in 2011. I wasn´t looking for a new Gibson Custom shop Les Paul at all, cause I had already three of them. But one day in December I saw this R8 at Musik Produktiv´s Guitar Gallery. I fell in love and watched the gallery.  But to buy an unseen expensive guitar online is  a risk. I recognized by enlarging the pics that there must be some hidden flames or strips on the top. On Saturday I made the decision and ordered it. Finally the guitar arrived on December 14th. And I had luck: Right out the box it was the axe I searched for so long. Its stunning top reminded me on some Bursts Gary Moore played.

photo cmartin

His workhorse “Stripe” is similar to mine. And there was another burst he used to play in 1999. So she´s nicknamed “Gary Moore”. She´s got the 2009 Custom Shop specs and is really different to my 2006 R9. Compared to my other Custom Shop Les Pauls, she got soundwise all in between: not sharp, not too bassy, just balanced in every way. And the tone and volume knobs, she´s got 50s wiring like my Goldtop, are just awesome. You play some cool rhythm with the volume knob around 8, and then for soloing you turn to 10 – she begins to roar. Otherwise to achieve a less aggressive, more clean tone, you roll the volume down. Same for the tone knobs. Roll it back to 8 you get a real warm violin tone, and further the one Joe Bonamassa is using. And the best is, she is not getting muddy at all.

photo cmartin

The fretboard looks like ebony, but it´s rosewood. Weight is around 4 kg. The top is real vintage looking with lots of mineral streaks and  Peek-a-boo stripes, too bad that her beauty is hard to catch on photo. The waves are really deep looking and they move. The amber color is absolutely amazing.

Every angle is different.  The VOS hardware looks authentic and after permanent use  for 8 years she´s got some aging road worn, too. On the historic Les Paul data base she got a few clicks so far 🙂

https://www.historiclespauls.com/index.php?action=showgallery&id=1138&requesturi=%2Findex.php%3Faction%3Dshowmodel&model=%25&orderby=hits+DESC&volltext=

Video

photo cmartin
phot LM