Monthly Guitar Januar/ Henrik Freischlader Band “Missing Pieces”

Henrik Freischlader Band „ Missing Pieces“

Wie kann man mit so einem ruhigen Stück wie“Opening” in eine CD einsteigen, werden sich viele fragen. Noch dazu ohne Gesang. Doch absolut passend. Hier singt die Gitarre ohne jegliche Hetze mit sparsamen äußerst gefühlvollen Tönen. Ich nehme an, Henrik Freischlader dürfte hier eine Les Paul zur Hand genommen haben. Rhythmus Pickup. Eine Akustik-Gitarre und dezentes Keyboard noch und ein beschaulich zarter Eingangstrack ist fertig, der Raum zum Träumen öffnet. Wunderbar. Mir fallen zwei Gitarristen spontan ein, die den Track auch eingespielt haben könnten.

„Opening“ sowieso ein guter Titel des ersten Stückes, denn er öffnet fast unbemerkt die Tür zu „New Beginning“. Les Paul weiter benutzt. Und dann dieser coole Gesang, einfach so, Transparenter Aufbau, leises Schlagzueg, Armin Alics  klarer Bass und die Orgel halt – einen schönen Teppich legend. Auch herrliche Rhythmusgitarre, dazwischen mogeln sich kurze gefühlvolle Licks und die einfache Songmelodie mit Wiedererkennungswert. Höhepunkt ist das Solo. Das hat einfach Leben, nicht dieses Kaufhausbluesgedengel das man schon so oft gehört hat. Da darf auch mal ein Ton ein Kratzen oder Unsauberkeit bei sein, die dem Ganzen Ehrlichkeit verleihen. „New Beginning“ baut in seiner Langsamkeit Spannung auf.

„Power Of The Peaceful“ – Schluss mit der Einlullerei. Flott mit Soul-Feeling geht´s weiter. Äußerst abwechslungsreicher Titel. Besonders gitarrenmäßig, plötzlich drängt sich mir bei 2:30 mal kurz Dickey Betts von den Allman Brothers ins Gedächtnis. Die Snare so schön knackig. Armin Alics Bass drückt wie bei „17 Mann auf des Todesmanns Kiste“.

Überhaupt die Snare ( Drums Moritz Meinschäfer) gefällt mir auch in “Let The People Be Free“ – irgendwie Bob Marley-Feeling. Griffiges Gitarrenriff als wiederkehrendes Element. Dynamik, das heißt hier Luftraum schaffen, durch gewollte Zurückhaltung der Instrumenten.

„Another Missing Piece“ – irgendwie unbeschreiblich. Ungewohnte Rhythmik. Man kommt beim Zuhören ins Schleudern. Voller Überraschungen – herrlich verspielt die Hammond-Orgel. Und immer wieder schöne Gitarrenlicks.

„Justice Blues“ – im ersten Moment der Anfangstakte denkt man, das könnte Joe Bonamassa sein. Aber es ist alles viel strukturierter. Weniger ist mehr. Die Instrumentierung ist absolut gekonnt. Im richtigen Verhältnis. Bonamassa hätte es wohl überarrangiert. Hier bleibt alles im positiven Sinne durchsichtig. Ab 2:52 Klasse-Blues-Solo. So trocken, dass es fast schon aus den Lautsprechern staubt.

„It Ain´t Funky“– entgegen dem Titelname geht´s hier funkmäßig zu Gange. Geschmackvolle Parallelläufe von Sax und Gitarre, dazu jammert die Hammondorgel. Schönes Saxsolo oben auf.

„I Wanna Thank You“ – Beziehungstext – Blues-Titel. Vom Sound, Feeling und Grundstimmung her könnte er auf Gary Moore´s „Still Got The Blues“-Album oder „After Hours“ passen. Das Solo ab 2:00 bzw. 3:45 zeigt wie wundervoll Freischlader im Stile von Gary Moore solieren kann. Chapeau.

„What I ´ve Done To You”. Einfache klare Basslinie durchzieht den Titel. Die Stimme schön im rauen Blues-Klang gewinnt Raum. Das Solo dreckig und rotzig. Super.

„Grown Up“ kommt im Tango-Rhythmus mit Funky-Melodie daher,  mit überraschenden harmonischen Wendungen, garniert mit instrumentalen Einwürfen von Bass, Gitarre, Orgel bzw. E-Piano (Roman Babik) oder Sax (Marco Zügner). Wieder äußerst dynamisch. Eine Klasse-Band, deren Freude am Zusammenspielen hier so deutlich wird.

„One And One is One“– blues-rockiger Titel mit Drive und mit lässig- lockerem Gesang. Das Solo erinnert wieder an Gary Moore.

„We used To Be Happy” – ein so langsamer Titel unglaublich. Zum Genießen. Passt zu den beiden Eingangsstücken der CD. Die Sparsamkeit  und Transparenz passt zur Langsamkeit. Diese Pausen sind das Salz in der Suppe. Cool arrangiert. Auch diese trockene Aufnahmecharakteristik. Äußerst sparsamer Umgang mit Delay und Reverb. Das schafft Stimmung und diese gemütlich-nahe Intimität. Bei 4:58 geht gitarrensoundmäßig die Sonne im Raum auf. „Geizig-wenige“ Töne, richtig gesetzt, machen es, statt einem Feuerwerk oder gekünsteltem Heer von hingedengelten Noten ohne Aussagekraft.

„Walking In The Shadow Of The Spotlight” – funky Titel mit Parallelläufen, ab 2:01 recht spritziges Solo. Ähnlich im Charakter wie „It Ain`t Funky“.

Spielzeit 1h 9 min

Fazit: Äußerst empfehlenswerte Scheibe. Erdiger transparenter Bandsound. Steckt voller Überraschungen. Kein gekünsteltes Gedengel, das man schon tausend Mal gehört hat, sondern raumgreifendes, stillvolles und dynamisches Gitarrenspiel. Dass man Gary Moore an einigen Stellen durchhört, ist wohl gewollt, denn Henrik Freischlader, in einem Gitarre & Bass-Heft nachzulesen, hatte beim ersten Anhören des „Still Got The Blues“-Albums seine eigene Initialzündung. Normal, wenn man bedenkt, dass bei einer Unzahl von Gitarristen (u.a. Gary Moore) das Feuer durch das „Beano“-Album von Johny Mayall entfacht wurde.

Die Cover-Gestaltung mit der Möglichkeit die Songkarten vorne einzuschieben ist vom Artwork her erstklassig. Alle Songtexte sind enthalten.

Besetzung

Henrik Freischlader Gitarre, Vocals

Armin Alic Bass

Marco Zügner Saxophone

Moritz Meinschäfer Drums

Recorded @ Megaphon Tonestudios, Arnsberg

Coverart: Caroline Sandmayer

Einen schönen 4. Advent. Die letzte Geschichte für dieses Jahr und Danke für 10000 Clicks!

Märklin-Eisenbahn – Mein Bruder Schorsch und die Cousins Michael, Matthias und Erich Hessenauer

Das Weihnachtsgeschäft – ein Hof voller Fleischpäckchen

Der größte Trubel herrschte in der Metzgerei Martin immer zur Weihnachtszeit. Heute würde man diese Woche vor dem 24. als „Stresstest“ bezeichnen. Es wurde wirklich hart geschuftet. Die Wurst- und Fleischbestellungen liefen telefonisch ein bzw. gute Kunden wurden angerufen oder wir durften mit den Fahrrädern die Bestellungen für die Weihnachtsfeiertage im Heimgarten, Frauenland oder auf der Keesburg einholen. Die Produktion von Wurstwaren lief auf vollen Touren. Die Menge der bestellten Waren wurde auf Zetteln festgehalten, wobei es auf deutliche Schrift ankam. Wie meine Leser aus der Geschichte “Der Radiergummi” wissen, hatte meine Mutter hier eine ihr eigene Stenografie entwickelt: WUnterstrichwUnterstrich? Na klar! Weißwurst. Probe: 5oo g L_k_ ? 5oo Gramm Leberkäse! Richtig! Geht doch! Am Tag vor dem 24.12. wurde eigentlich rund um die Uhr gearbeitet, denn die Fleischpakete sollten fertig gerichtet bereit stehen. Mutter war allein für die Fleischbestellungen zuständig, die Mädchen für die Wurstbestellungen. Und was die Leute damals alles bestellten, unglaublich welche Massen in die großen braunen Papiertüten wanderten.  Es war eine erprobte Logistik aus praktischer Erfahrung, die sich hier vollzog. Dass manche der Produkte, bei denen es auf absolute Frische ankam, zuletzt in die Pakte kamen, war inkludiert. Es war immer die Zeit der kurzen Nächte für das Personal und meine Eltern. Arbeitsbeginn war an den weihnachtlichen Vortagen in der Wurstküche um 2 Uhr nachts, meine Mutter begann zur selben Zeit. Der 23.12. war der Tag, an dem bis spätabends alle Wurstpakete bis auf die frisch einzupackenden Wurstwaren gerichtet wurden. In jedem Paket waren auch die Kundengeschenke enthalten, die es jedes Jahr gab: ein Geschirrtuch und eine Wurst, zum Beispiel Mettwurst im “Frohe Weihnachten”-Darm. Am 24.12. stand dann die lange Hofeinfahrt voller großer Alukästen, in denen die Päckchen standen. Auch im Kühlraum tummelten sich die braunen Tüten. Auf den Kästen lagen groß beschriftete Zettel mit den Namen, also eine Art Inhaltsverzeichnis. Einzelne Kästen auch nach der Ausfahrroute stadtteilmäßig geordnet. Im Laden drängten sich ab 8 Uhr die Kunden in mehreren Reihen. Man stand bis auf die Straße hinaus. Der Ansturm hielt meist bis 12 Uhr an. Mutter wusste nun, dass alles wieder mal geklappt hatte und nichts Wichtiges bei irgendjemanden vergessen wurde. Allgemeines Aufatmen. Pünktlich um 13 Uhr wurde der Laden dicht gemacht. Der Rest des Weihnachtsfestes ist dann schnell erzählt. Nach dem die Schlacht geschlagen,  geputzt war und die Lehrmädchen heimgefahren waren, ging es ab in die Badewanne. Es gab frühzeitig das Martinsche Weihnachtstraditionsgericht Pastetchen mit Champignon-Kalbsragout. Die Pastetchen mussten immer von der Bäckerei Brandstetter sein. Abräumen. Weihnachtsliedgut. Bescherung. Die Märklin-Eisenbahn nahm ihren Betrieb auf. Die Spielzeit dann leider viel zu kurz bis zur Christmette, die in Stift Haug besucht wurde. Die Motivation dazu auf Kinderseite gering. Nolens statt Volens. Meinen abgekämpften Eltern fielen immer während der Messe die Augen zu. Richtig genießen konnten wir dann immer die zwei folgenden Weihnachtsfeiertage.

Georg am “Stellwerk”
“Abfahrt!”
von rechts Georg und Oma Mathilde im weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer
Weihnacht – Verwandte treffen ein! Ganz links Großmutter Hedwig Keller, die die Bürgerspitalweinstube bis 1964 führte. Daneben mein Bruder Georg. Rechts meine Mutter mit mir und Oma Mathilde daneben Ein schönes Familienbild. Die zwei Frauen in der Mitte dürften Tanten aus Oberpleichfeld oder Dipbach sein (?)
oh Gott – der Nikolaus ist da. mein Bruder Schorsch hat anscheinend vor dem Knecht rechts die Hosen voll. Aber der rote Stiefel links auf der Komode ist zum Glück verheißungsvoll.
Entweder Weihnachts- oder Silvesterfeier mit der Belegschaft

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Stefan Gerhard – Earl Grey

Stefan Gerhards Geburtstagsgalerie!

im neuen Lineup