Zwei Würzburger am Orta-See – eine Reiseerzählung 4. Teil – Auf dem Kreuzweg – incredibile discorso italiano im Frühstücksraum – Mottarone der Unglücksberg – Isola Bella

Schwülwarm und hohe Luftfeuchtigkeit am Morgen. In der Nacht hat´s geregnet. Wandern ist heute angesagt. Die Sonne scheint.

Ponte romano – Convento del Monte Mesma Runde von Borghetto

Schöne Wanderung von Ameno aus. Stille am Friedhof von Ameno mit den kleinen Mausoleen. Überhaupt ist Ameno ein hübsches Dörfchen, besonders um den Rathausplatz. Dort befindet sich auch ein Tourismusbüro, das immer geschlossen war. War ja noch Vorsaison. Während der etwa 13 km langen Wanderung kamen uns nur zwei Mountainbiker entgegen. Anstrengend, aber wunderschön entlang des Kreuzweges bei Mesma.

Die Inschriften der einzelnen Kreuzwegstationen sind teilweise nur  schwer zu entziffern. Wir kramen unser Italienisch heraus und übersetzen fleißig. Später dann, am Bächlein entlang, trifft man auf eine Römerbrücke. Allerdings ließ die Wegbeschilderung der Wanderung insgesamt zu wünschen übrig.

Friedhof von Ameno
Ameno

Dennoch rund um Ameno kann man wirklich zahlreiche Wanderungen genießen und das Auto eigentlich eine Woche ruhen lassen. Am Rathausplatz sind QR-Codes der Wanderungen zu finden.

Die Natur schlägt zurück…..

Nach Siesta im Hotel brachen wir nach Orta San Giulio auf. Hier ist bedeutend mehr los. Der vor dem Ort liegende Parkplatz gerammelt voll. Touristen fluten die kleinen Gässchen. Die Kapitäne der verschiedenen Bootslinien in ihren schicken Uniformen tun sich wichtig und sind auf Menschenfischfang. Bei dem Spar Mit – Angebot war eine Bootsfahrt zur Isola San Giulio dabei. Schön der frische Wind. Abendessen. Danach Verdauungszigarette, Abendspaziergang. ZDF- bzw. BR-Mediathek. Bettlektüre….

Isola San Guilio

7.25 Uhr Frühstücksraum. Heute kein Karlsruher Dialekt, dafür nervenaufreibendes, lautstarkes italienisches Durcheinander. Die Vierköpfige Motorradtruppe, die sich am gestrigen Abendessen so schweigsam zeigte und dafür meine größte Bewunderung erntete, zeigt heute ihr wahres Gesicht. Mitten im Raum einen Kreis bildend beginnt ein Disput, ein Austausch, eine Diskussion, eine Manifestation oder ein multilateraler Gedankenaustausch zwischen der Gruppe und einem am Frühstückstisch sitzenden Motorradpärchens in den Vierzigern. Unglaublich. Sarah, merken die nicht, dass das stört? Alle reden durcheinander, der Gesprächsfluss, besser Gesprächsflut, will einfach nicht abebben. Das geht so 20 Minuten lang im Stehen. Die anderen Hotelgäste müssen sich mit ihren Tellern vorbeiwinden. Ich denk´ mir, steigt verdammt noch mal auf eure Maschinen und redet nicht über das Touren. Fahrt los. Dann schnappt sich der erste seinen Kombi. Da fängt die Tussi erneut an und gibt irgendwelche Routentipps, dass sie nicht den Mottarone fahren sollten. Jetzt geben alle wie aus der Pistole geschossen wieder ihren Senf dazu. Urplötzlich ist dann der Spuk vorbei. Man verflüchtigt sich. Ruhe. Wir qualmen unsere Nachfrühstückszigarette auf dem Balkon, da heulen die Motoren der Maschinen auf. Einer mit Moto Guzzi hat Ladehemmung. Er steht noch rum, als wir kurz nach 9 Uhr aufbrechen…. Wohl zu lange palavert.

Mottarone – der Unglücksberg

Mottarone

Pfingsten vor einem Jahr, 2021, stürzte eine Seilbahnkabine am 1491 m hohen Berg zwischen dem Ortasee und dem Lago Maggiore gelegen ab. Schrecklich und tragisch zugleich. 2016 sind wir von der Seilbahnstation nach Stresa am Lago Maggiore hinuntergewandert. Eine an sich fabelhafte Wanderung – es geht immer bergab – allerdings äußerst anstrengend, da man eigentlich nur über Geröll läuft. Damals haben wir dann die Seilbahn zurückgenommen. Das ist jetzt nicht mehr möglich, die Seilbahn wird wohl nicht wieder in Betrieb gehen. Wer also auf den Mottarone will, muss die kurvenreiche Straße nehmen. Wenn man vom Gipfel mit dem Auto nach Stresa möchte, gilt es die direkte Straße nach Stresa zu benützen, man muss allerdings nach etwa 5 km 10.- € Maut berappen. Sarah meinte, wenn wir schon hier oben sind, dann sollten wir wandern. Zunächst bestiegen wir vom Parkplatz den Gipfel und unternahmen dann eine aussichtsreiche Rundwanderung mit Blick auf beiden Seen und bizarre Felsformationen.

Rundweg um den Mottarone…

Zahlreiche Sessellifte, Schlepplifte, und Schneekanonen lassen erahnen, dass man hier dem Wintersporttourismus frönt. Dass die Leute alle, wie wir, notgedrungen mit dem Auto herauffahren müssen, hinterlässt einen ökologisch gesehen bitteren Beigeschmack. Zurück zum Auto. Ach scheinbar verlangen die nix, Nebensaison und schon schmuggelt sich Sarah am Mauthäuschen vorbei. Keine Schranke null. Super. Die Freude währt nur kurz. Was ist das? Geschlossene Schranke. Kann man nicht außen rum? 10.- € wechselten voll automatisiert den Besitzer. Schranke auf. Bis man dann endlich nach Stresa kommt, dauert es viele Kurven lang. Das zieht sich. Schöne Villen entlang der Straße. Aber wer will da schon bei dem Verkehr wohnen. Von Stresa aus bietet sich eine „Drei-Insel-Bootsfahrt“ an. Highlights sind natürlich die Borromäischen Inseln: Isola Bella, Isola Pescatore und Isola Madre. Da wir bereits auf allen drei Inseln waren und sie besichtigt hatten, erstanden wir nur Tickets für die Bootsfahrt. Die Preise für die Besichtigung der Inseln sind übrigens horrend. Isola Bella (absolutes Juwel!)so um die 20.- €.  Da die Boote sehr ungenau und oft mit Verspätung fahren, langweilten wir uns auf der Isola Madre über eineinhalb Stunden. Sarah kochte innerlich, ihr Magen knurrte bereits gewaltig. Essenszeit mittags spätestens 13 Uhr. Danach wird man gereizt und grantig. Es droht Kopfschmerz. Jetzt war es bereits 14.30 Uhr. Auf der Isola Pescatore war dann die Hölle los. Vor allem eine Unzahl plärrende Schüler, echte bambini italiani, die respektlos durch die Menschenmengen wuselten. Die armen Lehrer und das zahlreich abgestellte sozialpädagogische Betreuungspersonal taten mir auf Grund ihrer Tatenlosigkeit nicht leid. Gelangweilt ließen sie das Tohuwabohu und die Disziplinlosigkeit über sich ergehen. Schulausflug eben. Einer der Rotzlöffel hatte eine Kapitänsmütze auf und provozierte die anderen permanent. Ein Unruheherd par excellence. Der gehört abgeschellt. Ich warf ihm meinen bösen Blick zu, das brachte ihn kurz zur Räson, bildete ich mir ein. Sarah meinte, der fühlt sich jetzt noch durch deine Aufmerksamkeit bestärkt. Rotzlöffel.

Isola Bella

Die Restaurantplätze natürlich restlos besetzt. Es gab dann ein Stück Pizza für jeden (ich hasse weiche Pizza mit dickem Rand!) und zwei teure Bier. Die Toilette der Standpizzeria war um die nächste Häuserecke herum und gepflegt. Danach die Entschädigung: ein tolles Eis, der Inbegriff von Italia im Sommer. Um 17.30 Uhr fuhren wir dann gemütlich nach Ameno zurück. Abendgestaltung wie immer….

Fortsetzung folgt!!!

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