Gary Moore Part IV

Gary Moore und Marshall

In Rich Maloofs Buch “Jim Marshall – Father OF Loud” nennt Jim Marshall die Meilensteine der Marshall Historie und ordnet sie berühmten Gitarristen zu. Gary Moore ordnet er folgende Amps zu::

JTM 45, 1974 X, DSL50/100 und witzigerweise den kleinen MG 10 als Practise Amp, den er wohl bei Planet Rock im Radiosender dabei hatte.

Gary Moore war von Anbeginn ein Marshall-Botschafter. Auf einer Marshall-Promo-DVD von 2007 präsentiert er zusammen mit Brian Downey (drums) und Pete Rees (bass)  den Bluestitel „Only a Fool Will Never Learn“. In dem Video ist er auch mit dem schon Demenz kranken Jim Marshall zu sehen, dem er den Arm auf die Schultern legt.

Im Marshall Katalog von 2007 wird er mit Bild und folgendem Statement zitiert: „Nothing else is like a Marshall – you don´t just hear the sound, you feel it.“ (Father Of Loud p. 230/ Marshall Katalog 2007)

Gary Moore und Gibson

Die Geschichte, wie Gary zu der berühmten Peter Green Gitarre kam, will ich hier nicht mehr aufwärmen. Entsprechende Artikel sind haufenweise im Netz zu finden. Manche wissen vielleicht nicht, dass der Halsbruch der „Greeny“durch einen Autounfall zustande kam:  In das geparkte Auto, die Gitarre lag im Kofferraum, fuhr ein PKW hinein.

A lot of the tone is in the neck itself because it has a pretty beefy neck. And a lot of people don’t know this, but the neck has been cracked off. That’s because when it was in Gary Moore’s boot of his car he got rear ended and the neck got broken off. So it got put back on.

„For those out there who don’t know, whenever you break a neck on a Les Paul and you get it repaired and plug it in – always sounds better. Always sounds better. It’s quite a price to get your guitar to sound better.

„But once this guitar was repaired and Gary Moore got it back I think he was blown away by how much better it sounded. I don’t know what it is. Added mass, I don’t know what it is.“

Garys Zusammenarbeit mit Gibson war besonders intensiv als Gibson USA eine Gary Moore Signature auflegten. Diese wurde von 2000 -2002 produziert. Gary hat seine eigene bis 2009 intensiv verwendet. Die Gary Moore Les Paul war die erste Gibson mit Burstbucker-Tonabnnehmern.

Der Burstbucker wurde erstmals auf der Gary Moore Signature gesichtet und klingt etwas edgier als die Classic 57er Modelle. Das liegt daran, dass die Wicklungszahlen auf den beiden Humbuckerspulen nicht identisch sind (eben weniger exakt als bei den 57ern). Im Vergleich zum #1 hat der Burstbucker #2 etwas mehr Wicklungen – gerade diese Modelle sind sehr gesucht – mehr Gain und Sustain und somit bestens geeignet für die Stegposition, aber immer noch die typischen PAF-Vorteile: Singen ohne Ende!

1988 brachte „Heritage Guitars“ – Gitarren Company früherer Gibson-Arbeiter- eine Gary Moore Signature CM 150 heraus. Sie ist beim ersten Montreux-Auftritt am Anfang zu sehen.

Gibson-Gary Moore BFG

2008/9 brachte Gibson in Anlehnung an seine Lemonburst Les Paul eine GM Signature heraus. Gary  spielte auf der Bad For You Baby Tour eine rote Version. Es gibt ein Promo-Bild, das Gary mit der Signature zeigt. Auf der Gitarre sind ein P 90 und ein Burstbucker 3 montiert. Die Gitarre ist gekammert und klingt sehr perkussiv. Kostete die Gitarre 2009 um 1000.- €, so steigen die Preise für die heute nicht mehr gebaute BFG locker auf 1700. – €.

photo cmartin
photo cmartin

2013 wurde die Signature von 2002 nochmals aufgelegt, allerdings ähnelte die Gitarre mehr einer Les Paul Studio.

2010 präsentierte der Gibson Custom einen Nachbau der Greeny/Gary Moore- Les Paul – Gitarre unter der Bezeichnung CC1 (Collector´s Choice). Die Gitarre wurde zu einer der beliebtesten Sammlerstücke und wird im Preisbereich von 30 000.- € gehandelt.

Fender

John Cruz vom Fender Custom Shop baute 2016 exakte Repliken von Garys roter Strat . Kostenpunkt heute ab 16000.- €. Preise steigend, da insgesamt nur 60 Gitarren existieren.

Garys Humor

Gary hatte einen trockenen Humor. Als er 2008 in Heidenheim spielte, warf er ins Publikum: „You know Al Kooper?“ Applaus und Zustimmung brausten in der Halle auf. Gary schob ein „All of you?“ nach. Anderes Beispiel die Flachserei mit Francis Rossi: „Even Francis Rossi couldn´t do that…” Oder auch witzige  Songtitel gibt es wie „Flight Of The Snow Mouse“ oder hinsichtlich Insekten „Rather Bee Or Wasp“.

Rory Gallagher und Gary Moore

Die zwei Irishmen waren Ende 60er gute Freunde und liehen sich gegenseitig Sachen wie Gitarrensaiten aus. Siehe auch Text von „Business As Usual“.

Rory Gallagher

„Ich lernte Rory kennen, als ich 14 war. Er hatte gerade seinen Umzug nach Belfast hinter sich gebracht und suchte neue Bekanntschaften. Ich war deutlich jünger als er, aber das machte ihm nichts aus. Er nahm mich unter seine Fittiche. Rory war einer der ehrlichsten, nettesten und aufrichtigsten Menschen, die ich kenne. Als ich ihn das letzte Mal traf, das war einige Monate vor seinem Tod (im Jahr 1995 – Anm.d.Red.), lebte er im Conrad Hotel im Londoner Stadtteil Chelsea Harbour. Er saß an der Bar und trank Bailey’s aus Biergläsern. Wir gingen schließlich auf sein Zimmer, und er zeigte mir seine imposante Gitarrensammlung. Ich spielte ihm das BBM-Album vor – und er war total hin und weg. Ein wunderbarer Abend. Als ich ging, umarmte ich ihn und sagte: „Ich liebe dich, Mann!“ Danach haben wir uns nie wiedergesehen. Aber ich bin froh, dass ich Teil seines Lebens sein durfte .“

George Harrison und Gary Moore

Waren gute Freunde, wobei George Gary oft aufzog. Einen toller Auftritt beider gab es 1992 in der Royal Albert Hall.

Aus einem Interview mit Classic Rock:

„Ich war elf Jahre alt, als ich die Beatles in meiner Heimatstadt Belfast live gesehen habe. Die Mädchen um mich herum schrien wie verrückt, doch ich nahm davon keine Notiz. Schließlich war ich damit beschäftigt, die ganze Zeit wie ein Wilder auf- und abzuspringen, da ich aufgrund meiner geringen Körpergröße sonst überhaupt nichts gesehen hätte. Ich erinnere mich auch noch gut an den Auftritt der Beatles bei der TV-Show „Sunday Night At The London Palladium“. Ich wollte unbedingt ›Help!‹ auf der Gitarre lernen und schaute George Harrison auf die Finger. Aber an diesem Abend spielte er etwas völlig Krudes.

Einige Jahre später zog ich nach Henley-On-Thames und traf dort George das erste Mal – nämlich bei Alvin Lee von Ten Years After zu Hause. Wir verstanden uns gut, und so ergab es sich, dass ich ihn öfter besuchte. Außerdem bot er mir an, beim Traveling Wilburys-Song ›She’s My Baby‹ mitzuwirken. Ich dachte, dass mein Part nie veröffentlicht werden würde – doch als ich wenig später in den Staaten war, lief der Track im Radio rauf und runter.

George liebte es, die Leute zu ärgern. Einmal unterhielten wir uns über Eric Clapton. Ich war total sauer, weil ich ihn in der „South Bank Show“ gesehen hatte und er sich dort aufführte, als wäre er der größte Gitarrist aller Zeiten, auf einer Augenhöhe mit Jimi Hendrix. George meinte daraufhin nur: „Aber er ist doch auch besser als Hendrix, schließlich hat er mehr zu bieten als nur ein kurzes, wildes Aufbäumen.“ Das passte mir gar nicht, und wir gerieten ziemlich aneinander. Doch damit nicht genug. Als wir später über Blues diskutierten, behauptete Harrison: „BB King ist kein Blueser, er macht Pop.“ Ich war außer mir und antwortete: „Ich verpisse mich. Sofort.“ Wutentbrannt stand ich auf und rannte zu meinem Auto. Er kam hinter mir her, um sich zu entschuldigen, und mir tat die Sache auch ziemlich leid. Doch George war ein Sturkopf, der unbedingt das letzte Wort haben musste. Also setzte er nach: „Im Vergleich zu Ravi Shankar können sie ohnehin beide nichts.

Neal Schon und Gary Moore

Lernten sich während eines Konzerts in London kennen. Später tourte Thin Lizzy im Vorprogramm von Journey durch die USA und dann spielte Gary in den 80er auf großen US-Festivals mit Journey.

On Sunday (April 5) — one day after what would have been Gary’s 68th birthday — Schon took to his social media to share a video of him playing along to a Moore solo, and he included the following message: „We did a lot of shows together and jammed many times but I’ll never forget the first time I met him with the original JOURNEY line up in London -we played Hammersmith and he came back afterwards and we talked for a long time and we became great friends. Miss him and have nothing but great memories of us hanging on tour and playing. God Bless Brother“

Bernie Marsden und Gary Moore

Gary spielte auf Bernies Hochzeit. Eine nette Anekdote gibt es über den Versuch Garys Bernies Les Paul „The Beast“ abzukaufen.

Gary Moore und Keith Richards

„Auf einer Party stand er (Keith) eines Abends plötzlich neben mir und reichte mir einen Joint. Ich nahm ihn, und er sah mir einige Zeit beim Rauchen zu und ging dann weg. Einige Minuten später kam er wieder und sagte: „Übrigens: Ich habe ganz vergessen, dir zu sagen, dass ich Lepra habe!“

Ginger Baker & Jack Bruce

„1994 spielte ich mit den beiden bei BBM. Die meisten Leute glaubten damals, dass Ginger und Jack im Grunde Cream wiederbeleben wollten, aber Eric keine Lust darauf hatte, sodass sie sich nun nach etwas Neuem umsehen mussten. Doch das ist falsch. Ich habe BBM gegründet, nicht sie. Es machte mir viel Spaß, mit Ginger und Jack zusammenzuarbeiten. Baker war zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht so cholerisch wie später. Er rauchte den ganzen Tag Joints, um runterzukommen. Außerdem hatte er im Grunde fast keinen Kontakt zu mir und Jack. Nach den Gigs zog er sich in seinen eigenen Backstageraum zurück, während wir anderen rausgingen, uns mit den Leuten unterhielten und uns die Drinks in den Rachen schütteten. Das war nichts für Ginger – er hielt uns sicher für komplette Vollidioten. Das machte mir nichts aus, denn ich hatte einen Heidenspaß mit Jack. Er war wie ein großer Bruder für mich. Das einzige echte Problem bei BBM war, dass wir alle noch andere Projekte hatten, die unsere Zeit beanspruchten. Ständig gab es Terminkonflikte, und das machte die ganze Sache ziemlich anstrengend.“

Led Zeppelin

„Ende der Sechziger spielten wir in den USA und kamen schließlich auch nach Los Angeles. Dort waren wir für fünf Shows im Whiskey A Go-Go gebucht worden. Jeden Abend stand die komplette Mannschaft von Led Zeppelin vorne an der Bühne und sah uns zu. Schließlich kamen wir ins Gespräch, und sie fragten uns, wo wir denn wohnen würden. Da die Gage nur gering war, hausten wir in einem heruntergekommenen Motel am Stadtrand. Daraufhin buchte uns die Band eine Suite im legendären Hyatt Hotel – auf ihre Rechnung! Sie waren alle so unglaublich nett zu uns – und wir hatten Spaß ohne Ende. Außerdem bekam die Band die heißesten Groupies ab.

Eines Abends feierten wir in Robert Plants Zimmer. Darin gab es sogar ein Doppelbett, das auf einem gigantischen Podest platziert war. Unser Schlagzeuger musterte Plant und das Bett mit neidischem Blick und meinte dann schließlich: „Robert, wenn du darin aufwachst, bist du bestimmt total rallig…“ Plant sagte nichts, schlief aber kurz darauf ein, ein gutaussehendes Mädchen im Arm. Als er eine halbe Stunde später wieder fit war, sprang er sofort auf und zog die Lady hinter sich her ins Badezimmer.

Einige Zeit später traf ich Robert und Bonzo im Londoner „Speakeasy“ wieder. Wir feierten die ganze Nacht durch, und Bonham übernachtete schließlich bei mir. Ich hatte damals ein kleines möbliertes Zimmer am Belsize Park. Während John noch schlief, sagte ich all meinen Kumpels Bescheid: „Kommt vorbei und seht euch das an – John Bonham liegt bei mir auf dem Fußboden und schläft!“

Albert King

„Da ich Blues liebe, wollte ich eine Version von ›Oh, Pretty Woman‹ aufnehmen, was Albert ja bereits während seiner Zeit bei Stax Records getan hatte. Er hörte davon und ließ anfragen, ob er mitspielen dürfte. Natürlich, was für eine Frage. Ich hatte jedoch Bammel, denn es gab eine Zeile in seiner Version, die ich nicht richtig verstand. Es klang nach „She’s The Rising Sun“, aber ich war nicht sicher. Schon vor Kings Besuch im Studio beschlich mich ein komisches Gefühl, dass ich mich mit dieser Sache in die Nesseln setzen würde. Und genug so war es dann auch. King kam rein und sagte in ruppigem Ton: „Lass mich das Tape hören!“ Da saß er dann, mit gespreizten Beinen und blütenweißem Anzug, und er lauschte aufmerksam, wobei er keinerlei Zweifel aufkommen ließ, wer hier die Autoritätsperson im Raum war: er nämlich. Als schließlich besagte Zeile im Lied kam, sprang er auf und schrie mich an: „Halt sofort das Tape an! Das ist falsch! Es heißt: ‚Sure Is The One‘!“ Ich antwortete zerknirscht: „Tut mir wirklich leid, Albert. Ich konnte es nicht richtig verstehen.“ Er darauf: „Aber es ist so drauf, nicht anders.“

Von diesem Zeitpunkt an verhielt er sich mir gegenüber stets wie ein Schuldirektor. Ständig verbesserte er mich. Und zwar bis zu dem Tag, an dem er im Studio stand und ein Feuerzeug suchte. Er kramte herum, und irgend-etwas fiel klackernd auf den Boden. Ich sah nach unten – und sah etliche Patronenhülsen wegrollen. Ich fragte ihn entsetzt: „Albert, was zu Geier soll das denn?“ Er sagte nichts, sondern zog eine Visitenkarte aus seiner Jackentasche. Darauf stand: „Hilfssheriff“. Die Grenzbeamten hatten ihn nur aufgrund dieses „Jobs“ mit einer Knarre und einer ganzen Ladung Munition an Bord der Concorde gelassen! Er transportierte die Waffe einfach im Case seiner Flying V-Gitarre. Und er unterbreitete mir auch ein Angebot: „Wenn du je Probleme hast, dann ruf mich an!“

Phil Lynot

Als ich zu Skid Row stieß und ihm das erste Mal begegnet bin, spielte er noch nicht Bass, sondern war lediglich Sänger. Ich mochte ihn sofort, und er mich offensichtlich auch, denn er bot sich direkt an, mir Dublin zu zeigen – denn ich war ja gerade erst dorthin gezogen (1968, im Alter von 16 Jahren – Anm.d.Red.). Es war ein großartiger Tag, doch abends gingen wir in einem Restaurant essen. Phil nötigte mich dazu, etwas zu bestellen, von dem er wusste, dass es mir absolut nicht schmecken würde. So konnte er sich ungeniert meinen Teller schnappen und alles wegfuttern. Und all meine Drinks wegschlürfen. Ich dachte mir nur: „So läuft das also hier…“ Und genau so lief es fortan immer, wenn wir aus waren. (lacht)

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Phil noch am Leben wäre, wenn er in einer anderen Zeit gelebt hätte. Heutzutage ist es doch schon fast chic und trendig, an der Nadel zu hängen. Das macht den Künstler noch „mystischer“ und unnahbarer. Daher wäre er wohl in irgendeiner hippen Londoner Entzugsklinik und würde die ganze Zeit versuchen, mit irgendwelchen Topmodels zu vögeln. Doch damals lagen die Dinge anders. Man konnte noch nicht mal professionelle Hilfe suchen, denn wenn das rauskam, war man als Musiker erledigt, weil einen die Presse in Grund und Boden schrieb. Sogar nach seinem Tod las man überall schreckliche Dinge über Phil. Es macht mich nach wie vor sehr traurig.

Gary Moore und Peter Green

„Als Peter Eric Clapton bei John Mayall’s Bluesbreakers ersetzte und die Band in Belfast spielte, habe ich ihn das erste Mal live gesehen. Es war unglaublich. Ich hatte noch nie zuvor so einen Gitarrensound gehört. Später, als wir mit Skid Row im Vorprogramm von Fleetwood Mac durch die USA tourten (Green ist einer der Fleetwood Mac-Bandgründer – Anm.d.Red), bekam ich eine Chance, ihn persönlich kennenzulernen. Er lud mich ein, nach der Show hinter die Bühne zu kommen. Ich machte mir beinahe in die Hose, so nervös war ich. Doch er sagte zu mir: „Mir gefällt dein Stil. Hast du heute Abend noch was vor?“ Ich entgegnete ihm, dass ich noch einen zweiten Gig hätte und weg müsste. Doch nach diesem Auftritt fuhr ich zu ihm ins Hotel, und wir redeten die halbe Nacht über Musik und Gitarren. So begann unsere Freundschaft. Außerdem half er mir und der Band, wo er konnte. Green erzählte jedem, dass ich der aufregendste Gitarrist sei, den er seit Hendrix gesehen hätte. Als ich das hörte, schwebte ich wochenlang auf Wolke Sieben.

Jahre später nahm ich ein Album mit seinen Songs auf – BLUES FOR GREENY. Ich spielte sie alle mit der Les Paul-Gitarre ein, die ich ihm vor Jahren abgekauft hatte. Daher kam ich auf die Idee, dass es doch eine coole Sache wäre, ein Foto von ihm, mir und der Gitarre für das Booklet zu schießen. Also trafen wir uns, um das Bild zu machen. Er war ein bisschen durch den Wind bei der Session. Schließlich nahm er die Gitarre in die Hand und sagte: „Ah, tolles Stück. Ich habe meine verkauft.“ Ich antwortete: „Peter, das ist deine.“ Er darauf: „Nein, kann nicht sein. Dazu ist sie zu alt.“ Ich wiederum: „Nun, der Deal ist auch schon länger her.“ Green überlegte, sagte nachdenklich, dass sie wirklich wie seine alte Gitarre aussähe, nahm die Les Paul noch einmal in die Hand, spielte einen Akkord und sagte dann: „Ja, wirklich: Treffer!“

Literaturverzeichnis

Gitarre & Bass Special „Gary Moore“ (Interviews, Workshops, Features), März 2011

Harry Shapiro Gary Moore “I can´t Wait Until Tomorrow” – The Official Biography, London 2017

Rich Maloof Jim Marshall – The Father Of Loud, San Francisco 2004

Bernie Marsden Where´s My Guitar? England 2017


Vic DaPra Burstbelievers IV,Anaheim 2018

Guitarist Magazine Issue 340, April 2011

Guitarist Magazine Issue 403, February 2016

Guitarist 100 Guitar Heroes, England 2013

Lord OF The Srings – Gary Moore Fan Site

Groundguitar.com Gary Moore’s Guitars and Gear

Guitar Player Magazine Gary Moore Gets to the Heart of Electric Blues on ‚Close As You Darrin Fox Updated: Nov 15, 2017 Original: Apr 4, 2015

Marshall Amplification,  Interview at Marshall Theatre2008

Fortsetzung folgt!

Monthly Guitar: Gary Moore Part 3

“Blues For Jimi”

Gary Moore war ein großer Bewunderer Jimi Hendrix´. Ein erstklassiger Tribute an Hendrix ist sein Album „Blues For Jimi“, am 25. Oktober 2007 live im Hippodrome Theater London aufgenommen. Gary hatte schon zum 50. Fender Stratocaster- Anniversary Hendrix-Titel intoniert. Auf dem CD-Booklet wird berichtet, dass  der 15-jährige Gary am 27. November 1967 im Publikum war, als Jimi in Belfast aufspielte. Der Höhepunkt beim Tribute-Konzert war, als Mitch Mitchell (dr, + 2008) und Billy Cox (Bass) mit Gary zusammen auf der Bühne im Hippodrome stehen. Die Live-CD ist spitzenmäßig im Sound und das Zusammenspiel mit Darrin Mooney (Drums) und Dave Bronze (Bass/ Eric Clapton Band) superb. Den Hendrix Titel „Fire“ hatte Gary übrigens  lange Zeit in seinem Programm. ( Montreux 1999, 2001 )

Gary Moore – der Radio-Moderator

Was nur wenige wissen ist, dass Gary Moore ein ausgezeichneter DJ für den Radiosender „Planet Rock“ gewesen war. Er hatte eine Zeit lang seine feste Sendung „Bluespower“, in der er die Geschichte des Blues  und ausgewählte Bluestitel betrachtete. Die Radioshow gewann sogar den „New York Radio Award 2008“. In den Sendungen zeigte sich sein riesiges Hintergrundwissen. Der Mann war belesen und ein Kenner des Blues. Zudem hatte er im Studio einen kleinen Transistor Marshall mit und spielte Titel oder Licks kurz an. Habe hier mal drei Ausschnitte zusammengestellt. Echt hörenswert wie der sonst eher introvertierte Mensch äußerst eloquent über den Blues doziert. Im drtitten Teil spielt er einige Licks über den kleinen Marshall.

Originalton Gary/ interview Holland:

„…….I was doing a radio show for a little digital station in London, called Planet Rock, which is like a classic rock station. They like to have guests do a series now and again. They asked me to do a blues series, so I did a two hour program every week for six weeks. Of course, I had to do a lot of research in order to get the right tracks and everything. It’s about thirty songs per week, which was 180 songs, so I had to go further and further back each week. I started listening to all of the old acoustic blues again and that was one of the things I came across. …”

Das letzte Live-Album „Live From London” (2009 aufgenommen) von 2020 war organisiert von der Radiostation „Planet Rock“.

Zurück zum Blues: Close As You Get

Weniger Zerre, abgespeckte, ungeschliffene Aufnahmen kennzeichnen dieses Album. Gary greift zur Gibson ES und Fender Telecaster. Der Gesang intensiver. Sundown (House) nur Resonator-Gitarre und Gesang sehr intim, aufgenommen, nachdem man einige Guinness im Pub getrunken (Originalton Gary)  hatte.

Brian Holland Interview mit Gary Moore über Sundown:

I ended up doing it just sitting on a couch at the back of the control room, with a mic for the old Ozark guitar.  It’s a cheap resonator. It has a skinny body, so it’s really nice to play. I just put a mic on that and a mic on the vocal. I tried it about four or five times out in the live room and it wasn’t right, so we all went down to the pub one night and had a few drinks, only out of respect for Son House, of course. “

Aus Guitarplayer interview:

How do you feel your playing has evolved from Still Got the Blues to now?

“It has changed quite a lot. I feel that if you listen to the new record and then go back and listen to Still Got the Blues, you’ll almost hear two different guitarists. I think my blues playing has really grown up in that I’ve learned how to leave more space. And my phrasing—without a doubt the most personal aspect of any guitarist’s playing regardless of genre—has grown a lot. I’m more conscious about phrasing now than ever, and it has taken me quite a long time to get it where I want it.”

Bad For You Baby

Das Nachfolge  Album von “Close As You Get“ „Bad For You Baby“ beinhaltet 11 Songs, vier davon sind Covers. Herausragend ist von diesen, das von Al Kooper stammende  „I´ll Love You More Than You Will Ever Know”. Das Solo ist meiner Meinung nach eines der emotionalsten, die Gary je gespielt hat. Jenes war auch der Glanzpunkt der  Auftritte in Gießen und Heidenheim 2008. Auf „Live From London“ (2020), leider gekürzt, zeigt es die Inbrunst des Ausnahmegitarristen. Es gibt Versionen von der Japan-Tour von 2009, da hat das Stück eine Länge von gut 18 Minuten. Interessant, dass Gary auf dem Album auch Harmonika spielt. Schätze er wird bei dem Meister Otis Taylor Unterricht gehabt haben, war dieser doch 2007 und 2008 im Vorprogramm von Moore. Taylors Tochter Cassie singt bei zwei Stücken Background Vocals und Otis steuert auf „Preacher Man Blues“ eine Banjobegleitung bei.

Ein für Moore sehr ungewöhnlicher Titel ist „Holding On“ mit einem kurzen gefühlvollen, leicht angezerrten ES 335 Solo und Cassie Taylor mit schöner Zweitstimme.

Insgesamt hat die Scheibe einen schönen Livecharakter. Irgendwo meine ich gelesen zu haben, wurde alles im Studio, auch der Gesang, einfach mitgeschnitten. Also alles ohne Overdubs.

Auf dem Album verwendete er neben einer Gibson Reissue Goldtop Darkback, eine 63er ES 335, eine Fender Telecaster von 58, eine Gibson Firebird und eine Gibson BFG für die Slide-Gitarre.

Scheinbar hat ihm „Thirty Days“ von „Close As You Get” inspiriert um auf “Bad For You Baby” mit  der zackigen und äußerst temporeichen Eigenkomposition “Down The Line” aufzuwarten, prädestiniert für den Country-Tele-Sound. Die armen Lautsprecher hört man ächzen.

Gary Moore Live At Bush Hall 2007

Live Mitschnitt zur Promotion der CD „Close As You Get“. Rauer Sound ähnlich wie bei “Live From London“.

Gary Moore “Blues and Beyond” (2017)

Die CD-Kompilation herausgegeben mit der englischsprachigen Biografie von Harry Shapiro „I Can´t Wait Until Tomorrow“, die kritisch zu sehen ist und  in der Aufmachung wenig professionell wirkt, eher wohl ein Schnellschuss war. Die Covergestaltung der Biographie passt m. E. überhaupt nicht: eine Explorer in Tarnfarbe lackiert? Deplatziert, aber ehrlich. Stichwortverzeichnis, Index und Quellenangaben sucht man vergeblich. Es soll irgendwann eine bessere Neuauflage auch mit Bildmaterial geben. Dennoch lesenswert, um den Menschen „Gary Moore“ verstehen zu können. Die dazugehörige CD-Box unterliegt, vom Cover-Photo mal abgesehen, dem gleichen schwachen Artwork. Die ersten beiden CDs sind ausgewählte Titel aus dem Schaffen von „Back To The Blues“ (2001) bis zu Old New Ballads Blues (2006), auf der 2. CD findet man noch einen Live-Mitschnitt von „Parisienne Walkaways“.

Absolut Klasse sind die CDs Nummer 3 und 4. Hier gibt es wunderbare Live-Mitschnitte von 2000 aus dem London Forum zu hören. Danke an dieser Stelle Zoltan Csillag von LOTS für die Information und den Link zur Setliste des Abends. Das beiliegende Booklet gibt leider hier keine Auskunft. Jedenfalls zeigt sich die Band mit Vic Martin (Keys) (schönes Hammond Solo in „Further Up On The Road“ und Duell mit Gary), Pete Rees (Bass) und Darrin Mooney (Drums) in bester Spiellaune. Nur auf Bootlegs zu hören war bis dato der Titel „Surrender“ aus  „A Different Beat“,  im Soloteil mit typisch stehenden Ton. Damit diese sustaingeleiteten Töne im Konzert abgerufen konnten, wurde immer der „Feedbackspot“ in der Nähe des Marshalls beim Soundcheck geortet und bisweilen mit einem Gaffa-Tape-Kreuz markiert.

Gary und Montreux

Eine besondere Beziehung hatte Gary zu Montreux. Er gehört zu den Künstlern, die die meisten Auftritte hier anlässlich des berühmten Festivals hatten.

Montreux 1990

Bis heute immer noch ein fantastischer Live-Mitschnitt. Gary und die Midnight Blues Band wirken frisch, die Songs werden schmissig und mit Inbrunst gespielt. Schade, dass die Bildqualität im Vergleich zu heutigen Möglichkeiten vergleichsweise angestaubt wirkt. Wunderschön auch das Zusammenspiel mit dem „Master Of The Telecaster“ Albert Collins. „The Messiah Will Come“ überzeugt durch unglaubliche gitarristische Fähigkeiten.

Montreux 1995

1995 präsentiert Moore dann das Album „Blues For Greeny“ in Montreux. Ein erstklassiges Set, aber die youtube-videos aus dem selben Jahr in London, zwar in der Bildqualität bescheiden, gefallen mir vom Zusammenspiel besser, irgendwie intimer. Bei diesen Aufnahmen wird auch „Dust My Broom“ gespielt und Gary spielt Slide.

Montreux 1997

Das „Dark Days Of Paradise”-Set mit der jungendlichsten Bandbesetzung. Die DVD zeigt eine super eingespielte Band, Guy Bratt am Bass steuert an einigen Stellen eine schöne zweite Stimme bei. Witzig der Stromausfall am Ende des Gigs.

Montreux 1999

Gary Moore jetzt mit ShortCut-Frisur. Coole Version von Parisenne Walkways

Montreux 2001

Ähnelt dem Schweizer Auftritt In Bellinzona (June 29th 2001). Es werden  6 Stücke aus „Back To The Blues“ präsentiert.

Jim Capaldi Tribute 2007

Einer der besten Live-Performances. Dynamisch unglaublich, was man durchs Volumenpoti alles machen kann.

Montreux 2008/ John Mayall

Hier gibt es leider nur ein Video und zwar „So Many Roads“ zusammen mit Buddy Whittington.

Gary Moore Avo Session in Basel

Tolle Version von „Don´t Believe A Word“ und „I love you more than“

Gary Moore

Montreux 2010

Sein letzter Auftritt in Montreux zusammen mit alten Weggefährten: Darrin Mooney, Jon Noyce, Neil Carter

Part IV folgt!

Literaturverzeichnis

Gitarre & Bass Special „Gary Moore“ (Interviews, Workshops, Features), März 2011

Harry Shapiro Gary Moore “I can´t Wait Until Tomorrow” – The Official Biography, London 2017

Rich Maloof Jim Marshall – The Father Of Loud, San Francisco 2004

Bernie Marsden Where´s My Guitar? England 2017


Vic DaPra Burstbelievers IV,Anaheim 2018

Guitarist Magazine Issue 340, April 2011

Eine neue Würzburger Geschichte: Sommer bei Tante Ilse auf der Keesburg

Meiner lieben Tante Ilse und Onkel Rudi gewidmet

Tante Ilse, die ältere Schwester meiner Mutter, war wie meine zweite Mutter. Unglaublich wie viel Zeit ich bei ihr verbringen durfte. Leider ist sie 2019 verstorben. Ihr war es vergönnt bis zum letzten Atemzug  neben uns im Haus zu wohnen. Und ich bin froh, sie bis kurz vor ihrem Tod fast täglich besucht zu haben.

Jeden Sommer, wenn ich nicht in Untersambach war, verbrachte ich bei ihr und ihren drei Buben. Mutter schickte zu all unserer Verpflegung ein Wurst- und Fleischpaket mit. Der Tagesablauf gestaltete sich recht abwechslungsreich. Am Morgen Frühstück. Mittwochs gab es immer wunderbare Weck vom Bäcker Volkmann auf der Sieboldshöhe,  die ein Bäckerjunge mit dem Rad auslieferte und  das Leinensäckchen mit etwa 10 Brötchen außen an die Gartentüre hängte. Das waren Brötchen so mit leichtem Mehlstaub dran. Ein Genuss.

Perfektes Kinderareal

Der Garten und das Haus der Hessenauers sehen heute noch genauso aus, als wenn die Zeit stehen geblieben wäre. Das ganze Gelände ist mit natürlichen Versteckmöglichkeiten ausgestattet, mit Berg auf dem das Haus steht und einer Art „Valley“ außen rum. Es gibt einen stufigen steilen „Bergpfad“ zur Garage und einen kleinen Trampelpfad dazwischen.  Da steht auch eine wunderbare Pinie, die dem Hang ein nordamerikanisches oder südeuropäisches Flair gibt. Einer der schönsten Bäume ist der Quittenbaum, der noch jedes Jahr unglaublich reichhaltig mächtig gelbe Früchte trägt, die plötzlich wie aus dem Nichts Ende September erscheinen, indem sie ihre grüne Farbe plötzlich abgelegt haben. Johannisbeersträucher an der uns zugeneigten Seite und nicht zu vergessen ein Mirabellenbaum, der ebenfalls Jahr für Jahr reiche Frucht bringt. Im hinteren Garten zur Ebertsklinge stehen Obst- und Zwetschengenbäume. Auf der Westseite des Hauses und auch überall im Garten hatte Onkel Rudi allerlei glitzerndes Gestein aus den Alpen drapiert. Und nach dem jährlichen alpenländischen Sommerurlaub standen Flaschen und Gläser gefüllt mit Annika-Blüten auf den Kellerrosten der Westseite, um die Essenzen herauszuholen. Das ganze Hessenauersche Familienleben war bewundernswert geregelt und lief im Vergleich zur geschäftlichen Hektik eines Fleischereibetriebes in ruhigen Bahnen. Rudi war Beamter und arbeitete am Gericht in der Ottostraße. Tante Ilse, gelernte Kinderkrankenschwester, war für Haushalt, Garten  und die Kinder zuständig.

Der Vormittag

Nach dem Frühstück war der Vormittag für uns Kinder erfüllt mit Gartenarbeit: Ausgrasen, eine besonders beliebte Tätigkeit, Rasen mähen mit einem rein mechanischen Mäher mit sich drehenden Schnittwerk. Unverzichtbares Utensil die Kantenschere um überstehends Grashalme zu entfernen, an die man mit dem „Mäher“ nicht herankam. Daneben musste Wäsche aufgehängt, zusammengelegt und natürlich Küchendienst geschoben werden. Jede Tätigkeit ging aber zusammen im Team so leicht von der Hand, dass nichts Mühe machte und keiner herummaulte. So kurz vor 13 Uhr musste das Einfahrtstor zum Grundstück geöffnet werden, damit Onkel Rudi problemlos ohne auszusteigen mit dem Auto hereinrollen konnte.  Ich erinnere mich noch gut an einige Fahrzeuge: eine Borgward Arabella und ein blauer VW-Variant 1600, dann ein orangefarbener Audi, später dann französische Citroen.

Mittagessen

Alle nahmen dann auf der Terrasse Platz. Onkel Rudi und Tante Ilse auf der Hollywood-Schaukel. Wir auf Gartenstühlen. Tisch war natürlich eingedeckt: Essteller, Suppenteller, Besteck mit Nachtischlöffel. Tischgebet. Dann eine typische Liebesgeste meines Onkels: der Griff an Ilses Ohrläppchen. Kurzes Drücken bzw. Reiben des Selbigen. Einfach schön. Dann musste absolute Stille herrschen. Rudi machte das, auf einem kleinen Tischchen stehende, Transistorradio an. Und da ertönte schon das Nachrichtensignal des  Deutschlandfunks. Gibt´s das heute noch? Gemeinsames Hören der Nachrichten um 13 Uhr. Müsste man eigentlich einführen. Jeder wusste Bescheid, was in Deutschland und der Welt los war. Danach wurde das Radio sofort wieder ausgemacht. Essen mit angeregter Kommunikation. War der Nachtisch verzehrt, Tisch abräumen. Rudi verabschiedete sich.

Küchendienst. Ilse spülte, der Rest trocknete ab, räumte ein und kehrte die Küche.

Die Nachmittagsgestaltung

Danach Freizeit bis 15 Uhr. Ich spielte mit meinen Elastolinrittern vom Spielwaren Rußwurm  im herrlich, buckligen Gartengelände, ließ die Germanen, die sich zwischen den Pflanzen versteckt hatten, die Römer überfallen oder zum Rückzug den steilen Abhang hochjagen, Besonders schön war, wenn Matthias mitspielte. Das hätte Stunden lang so gehen können.

Um 15 Uhr dann pünktlich Kaffeezeit auf der Terrasse. Entweder hatte Tante Ilse Käse-, Zwetschen- oder Heidelbeerkuchen gebacken oder es gab das wunderbare Schwarzbrot vom Bäcker Zierlein mit dem herrlichen Kümmelgeschmack. Wenn´s frisches Brot gab, machte Ilse immer, wie es sich eigentlich gehört, ein Kreuz mit dem Messer auf´s Brot. Dann schnitt sie das Brot an die Brust gedrückt auf. Dazu gab es Butter und die besten Marmeladen bzw. Gelees der Welt. Nummer 1: Ilses Quittengelee, aus den Früchten des beschriebenen Baumes gemacht. Ich selbst versuche mich ebenfalls jeden Spätherbst an Quittengelee. Tante Ilse überließ mir jedes Jahr so viel, wie ich wollte, denn die Herstellung ist schon schweißtreibend, kräfte- und zeitraubend.  Ilse kochte das Obst ein und ließ dann das Fruchtgut  über Nacht durch ein Leinensäckchen, das über einen umgedrehten Hocker befestigt war, in ein Gefäß tropfen. Ihr Gelee hatte einen vollen orange-rötliche Farbton und nahm beim Entnehmen aus dem Glas geometrische Formen wie Quader und Würfel an. Die Körper standen richtig gehend auf der Butter und wackelten hin und her. Im Mund entfaltete sich dann ein Feuerwerk des Quittenaromas. Nummer 2 war die Kernlesmarmelade – unbeschreiblich eine paradiesische Marmelade aus Himbeeren hergestellt. Zum Trinken wurde Caro-Kaffee mit Milch gereicht, Ilse trank äußerst starken Bohnenkaffee mit Kondensmilch.

Badespaß, Fußball oder Cowboy und Indianer

Nach dem Kaffee begann meist der sportliche Teil des Tages, der sich dann in unserem Garten abspielte. Mein Bruder kam dann  und oft auch MC-Freunde zum gemeinsamen Herumtoben im Garten: Badespaß im runden Schwimmbecken zur Abkühlung, danach Fußballbolzen zwischen den vielen Obstbäumen bis zum Umfallen. Oder wir spielten Tischtennis neben dem Hühnerhäuschen oder Cowboy und Indianer. Wenn meine Eltern nach dem Geschäft nicht  hoch in den Garten kamen, was selten vorkam, gab es bei Tante Ilse etwa um 18 Uhr Abendessen. Danach wurden die 20 Uhr-Nachrichten verfolgt und noch ein wenig ferngeschaut oder Rudi spielte auf seiner Hammondorgel. Eine beliebter Schlusspunkt des Tages war jeden Abend das Betthupferl. Tante Ilse ging zum Süßigkeitenschrank im Esszimmer,  öffnete die knarzende Tür und übergab mit vier Rippchen Schokolade zum Verzehr. Manchmal erhielt ich auch zwei mit Schokolade ummantelte Orange—Pralinen-Stäbchen, die mochte ich ehrlich weniger. Aber das verriet ich ihr nie.

Bettgeschichten

Dann ging es hoch und im Bubenzimmer ins Bett. Meist war es drückend heiß und das offene Fenster brachte wenig Abkühlung. Die Jungs in ihren Betten, ich auf einer Liege. Keiner konnte einschlafen und so wurden reihum irgendwelche Geschichten erzählt und erfunden. Zum Beispiel wurde aus der Tatsache des geheimnisvollen Dachbodens über Oma Mathildes Gartenhaus, manch spannende Geschichte gestrickt. Keiner war eigentlich richtig oben, aber irgendeiner meiner Cousins meinte,  oben läge wohl ein altes Fahrrad. So entspannte sich jeden Abend eine neue Geschichte vom alten Fahrrad, das tausende Erlebnisse und sagenhafte Besitzer hatte. Das war richtiges Kopfkino.

Leo – unser Riesenschnauzer

Schön war als wir etwa gleichzeitig Hunde besaßen. Hessenauers hatten den Schäferhund Arno, der leider  von einem Vorbesitzer kommend verschlagen und auch sehr ängstlich war. Ich hatte 1973 Leo den Riesenschnauzer bekommen. Also war jeden Tag schon mal mit Matthias Gassi gehen in den nahen Schrebergärten angesagt, wo sich heute das Hufeisen der Franz-Stadelmayer-Straße  befindet.

Gary Moore – Essay 2. Teil

Gary Moore – Blues For Greeny

Wie man aus Bernie Marsdens sehr lesenswerter Biografie „Where Is My Guitar“ (BM  S. 236) erfährt, nahm der Whitesnake Gitarrist sein Peter Green Tribute  „Green and Blues” bereits 1994 in den Londoner Battery Studios  auf. Bei einigen Tracks griff er auf die Horn Sektion der Midnight Blues Band zurück. Die Bläser berichteten darauf Gary Moore bei der nächsten Bandprobe von der Studiosession. Gary buchte kurzerhand die Sam West Studios und nahm sein überaus erfolgreiches Album „Blues For Greeny“ auf. Bernie Marsden schreibt in seiner Biografie:“ I held back the release of my record, it would have looked like I was jumping in Gary´s wagon, but the truth was in fact the opposite.” (BM S. 237) . Marsden veröffentlichte seine hörenswerte Hommage an Peter Green und John Mayall erst 2001, also sechs Jahre später. Eigentlich könnte man meinen, dass Bernie nach diesem Ideenklau von Gary völlig „angepisst“ war. Scheint aber nicht der Fall gewesen zu sein, denn 1997 lädt Bernie Gary ein auf dem Hell Blues Festival in Norwegen mitzujammen. Gary hatte  bereits am Freitag gespielt, blieb aber dann auf Bitten Marsdens einen Tag länger und stand abends als Special Guest mit Bernie Marsden auf der Bühne. Im Übrigen spielte Gary Moore auf der Hochzeit Bernie Marsdens.

Im Vergleich zu Bernie Marsdens „Green and Blues“ ist Moores Tribute authentischer und soundmäßig näher am Original. Kein Wunder spielt er doch fast ausschließlich Peter Greens Les Paul mit dem Out Of Phase – Sound. Der Gitarrensound ist auf „Love That Burnes“, „If You Be My Baby” und besonders bei “Merry Go Round” so staubig trocken, dass es eine wahre Freude ist.  Hingegen bei „I Loved Another Woman“ oder „Supernaturel“ ist der Green typische großem Hall zu hören. Meiner Meinung zählt dieses Album, auch wenn es sich um bloßes Covern handelt, zu dem besten, was Gary eingespielt hat. Auf der remasterten CD sind noch einige akustische Nummern mit kleiner Parlor-Gitarre zu hören. Diese Bonustracks mit Gesang und Gitarre haben den Charme früher Bluestage.

Promotet wurde das Album mit tollen Liveauftritten beispielsweise in Montreux oder durch den Auftritt im Shepherds Bush Empire, London. Von der Bildqualität zwar weniger gut, aber soundmäßig prima. Wundert mich, dass dieses Konzert nie auf DVD erschienen ist. Hier kann man auch die Amp-Backline bestehend aus Fender und Marshall Amps erkennen.

Am Ende des Konzerts, mit einigen Moores Wortbeiträgen dazwischen, kommt Peter Green kurz auf die Bühne. Ein bewegender Moment nicht nur für Gary Moore. Lohnt sich anzuschauen. Wer hat Gary Moore schon mal mit einem Orchester gesehen? Hier bei einem Stück möglich!! Echt!

Zwischenfrage: Wer hat denn alles so auf Gary Moore-Platten zum Gesangsmikro gegriffen?

Phil Lynott, Ozzy Osbourne, Glenn Hughes (u.a. Deep Purple, Joe Bonamassa), Jack Bruce, Neil Carter

George Harrison, BB King, Albert Collins, Albert King, Noddy Holder (Slade) Backing Vocals auf “Shapes of Things”, Cassie Taylor, Billy Cox, Sam Brown, Chyna Gordon, Dee Lewis, Carol Kenyon, Linda Taylor,….

Mick Jagger und Gary Moore hatten einen gemeinsamen Auftritt, auch  Roger Daltrey und Gary Moore

Wiederentdeckt habe ich Gary Moore mit dem Album „Power OF The Blues“ 2004. Dieses meiner Meinung vom Sound her absolut empfehlenswerte Album brachte mich seiner Musik wieder näher: „I Can´t Quit You Baby“ – Marshall Sound pur oder das schmissige „Can´t Find My Baby“. Die Alben nach „Blues For Greeny“ kannte ich außer „Back To The Blues“ überhaupt nicht mehr. Versäumt hatte ich auf diese Weise „Dark Days In Paradise“ (1997) und „A Different Beat“ (1999). Mit „A Different Beat“ tue ich mir immer noch schwer, wobei mir „Surrender“ sehr gut gefällt. Für viel besser halte ich „Dark Days In Paradise“. Wunderschöne Melodien und autobiografische Texte, Sounds und Harmonien, die an die Fab Four („Where Did We Go“ „One Fine Day“(indisch angehaucht)) oder Oasis („One Good Reason“) erinnern. Der Text des fast achtzehnminütigen „Business As Usual“ lässt tief blicken: sein Leben mit Höhen und Tiefen im autobiografischen Rückblick:

„Business As Usual“
The pink crucifix with the ivory Jesus I wanted
The man with the blood on his hands as I ran from the river
Kissing my cousin, before they took her to the graveyard
Trembling at night from the violence I heard from my bedroom

These are my memories
These are my memories, coming home

Called up at school `cause my hand wasn`t there to say „present“
Running the gauntlet outside the Club Rado at dawn
Rory and me without a spare string between us
Catching the last bus halfway through „I`m so glad“

These are my memories
These are my memories, coming home

Philip and me and „the brush“ riding round in a transit
The Bailey, the Strangley`s, the smoke and the speed and the acid
I lost my virginity to a Tipperary woman
A heart that was broken, but it wasn`t the first or the last time

These are my memories
These are my memories, coming home

Under the wings of the man they called Green, I found freedom
Three children, one wife, a twist of the knife and a scandal
Divorce, separation, some kind of salvation came lately
So many have gone, but I know it`s just business as usual

These are my memories….

Absolut kreativ ist, und da zeigt sich sein Genie, dass  am Ende des Songs der eigentliche Titeltrack „Dark Days In Paradise“ ein Paradoxon – als Hidden Track angehängt ist. Als eigenständiger Titel erscheint er nur auf der digital remasterten Neuauflage. Auf der Originalcd von 1997 ist das Stück 18 Minuten lang und zwischen Business und Dark Days wird eine stille  Phase von fast einer Minute eingelegt. Danach folgt das gewollt schwülstige „Dark Days In Paradise“, karibisch-mexikanische Soundwelt, Steelpans erklingen, spanische Gitarrenlinien, Trompete und „schleimiger“ Gesang. Genialer Kontrapunkt, auch harmonisch gesehen, zu „Business As Usual“

Jedes Stück auf „Dark Days In Paradise“ ist  vielschichtig und soundmäßig voller Überraschungen: schöne Chöre, wunderbare Melodien, Gitarrensoloparts zum Beispiel auf „Like Angels“. Oder der Bonustrack „There Must Be A Way“ – ein  Reggae mit schönen Gitarren-Chorus Effekten.

Meiner Meinung nach ist dieses Album Garys Geniestreich, ein Meisterwerk, das leider wenig kommerziellen Erfolg hatte. Die ewigen Kritiker sollten diesem grandiosen Album einmal eine Chance geben. Gary Moore ist nicht nur auf Hard Rock und Blues Rock zu reduzieren. Es lohnt sich.

1997 war Gary Moore mit der Studioband  Guy Pratt (drums), Magnus Fiennes (keys) und Gary Husband (drums) und dem Album „Dark Days“ auf Promotion-Tour. Sehenswert hier die Montreux DVD von 1997. Man sah allen die Freude am Zusammenspiel an. Schade, dass kein weiteres Album in dieser Besetzung  zustande kam. Im Folgenden ein Konzertmitschnitt aus „Ohne Filter“ (SWR) moderiert von Uwe Ochsenknecht!

2001 „Back To The Blues“

Habe mir damals die Scheibe gekauft, konnte mit ihr aber nicht viel anfangen. Sie lag dann ewig im Regal. Woran lag es? Am Sound ? Am Gesang? Keine neue Auflage von „Still Got The Blues“ oder „After Hours“, die ich vielleicht bei der Coverrückseite erwartet hätte: Hotelzimmer-Ambiente, schwarze Sitzgarnitur, Gary im Beatles-Anzug mit Pilzkopf-Frisur und roter ES-Gitarre, glänzend polierte Stiefeletten, dazu ein Apple-Computer neben einem digitalen Festplattenrekorder von Boss und ein roter Line 6 POD. Wie damals 1991, steht ein Marshall Bluesbreaker im Zimmer. Neben Gary sind auf diesem Album seine langjährigen Mitmusiker zu finden: Pete Rees (Bass), Vic Martin (Keys),. Schlagzeug spielt der hinlänglich bekannte Darrin Mooney. Auf „You Upset Me Baby“ ist eine kleine Hornsektion zu hören: Nick Payn (Baritone Sax), Martin Drover (Trompete), Frank Mead (Sax) und Nick Pentelow (Tenor Sax) waren schon auf „Still Got The Blues“ dabei und fester Bestandteil der „Midnight Bleus Band“. Das Cover von „Stormy Monday“ gefällt mir vom Gitarrensound nur wenig. Zudem hätte ich mir solomäßig weniger erwartet, nämlich ruhige oder leise Passagen, weniger verzerrt, so wie auf dem Scars-Album oder wie später auf „Close As You Get“. Die Stratocaster klingt irgendwie „fizzy“ , wie man in Amerika den Sound beschreibt. Und nicht nur bei diesem Stück.

Das, mit Abstand, beste Stücke ist  das über neunminütige „Drowning In Tears“, vom Text her äußerst melancholisch, fast schon depressiv zu nennen : „Feel like I am drowning in tears…“

Garys musikalischer Background wird hier eindeutig ersichtlich: Peter Green. Gitarre mit großem Hall, sehr räumlich. Die Begleitung der Rhythmus-Sektion kennt man von Peter Green, ein langsamer Rumba-Rhythmus. Der Gesang leidend, das Gitarrenmotiv wie von einer singenden „Säge“ gespielt, baut Gary eine emotionale Spannung und Stimmung auf, die im Solo ihren „Climax“, ja orgastischen Höhepunkt erreicht, wenn die Töne ins Feedback kippen. Hypnotisierende Wirkung. Der Verstärker muss voll „aufgelatzt“ gewesen sein, denn Herr Moore lässt fast  durchgehend ohne Plektrum-Anschlag, die Finger über´s Griffbrett gleiten und die Töne klingen. „Drowning In Tears“ – ein Meisterwerk.

Scars  (2002)– auf den Spuren von Jimi Hendrix und Steve Ray Vaughn

Ein kraftvolles Album im Triosound. Am Schlagzeug Darrin Mooney, der mit Sicherheit zu Garys Lieblingsschlagzeugern gehörte. Er spielte auf dem Hendrix-Tribute-Konzert von 2007 Schlagzeug (CD „Blues For Jimi“ 2012). Bass spielte Cass Lewis von Skunk Anansie. Ein hochenergetisches Triumvirat.

Auf dem Album sind vor allem tolle Stratocaster Sounds zu hören. „My Baby She´s Good To Me“ könnte von Steve Ray Vaughn stammen: cooler relaxter Rhythmus. Absolut locker vintagemäßiges Solo hier, nur leicht angezerrt mit viel Headroom. Glaub´ Henrick Freischlader hat sich das Album auch öfters angehört. Alle Songs der Scheibe sind übrigens von Gary Moore geschrieben

oder im Verbund mit Mooney und Lewis. Herausragend sind vom Feeling her die Soloparts, in dem an sich ruhigen Stück „Who Knows ( What Tomorrow  May Bring?)”, ab 3:12 und das zweite Solo ab 5:30. Welche` eine Dynamik, das Volumenpoti zurückgedreht, perlende Gitarre – pur mit schönem Hall. Man meint, er steht neben einem. Unglaublich. Muss man gehört haben. Die  Band ging dann auf große Tour mit Whitesnake (Live CD und DVD – Monsters of Rock)

Phil Lynott – Tribute: „One Night In Dublin”

Ein erstklassiges Konzert diese Nacht in Dublin. Ich glaube die Organisation dieses Konzerts hat ihm viele Nerven gekostet. Die beiden anderen Gitarristen Scott Gorham und besonders Brian Robertson verblassen allerdings neben Gary zu Statisten. Am besten kommt, da urwüchsig, noch Eric Bell. Am Bass übrigens Jonathan Noyce ( Jethro Tull) und Ex-Thin Lizzy Brian Downey. Gary ist an diesem Abend in absoluter Höchstform. Wann hatte er eigentlich diese Handverletzung, die dazu führte, dass Tourneen abgesagt wurden und er letztlich „Greeny“ verkaufen musste, da er die Versicherungssumme nicht mehr zahlen konnte?

Old New Ballads Blues

2006 erschienen hat er hier zwei Nummern aus der  „Still Got The Blues“- Zeit nochmals in einem viel mäßigeren Tempo aufgenommen: Midnight Blues und All Your Love. Seine Begleitband auf der Platte sind wieder alte Bekannte mit einer Ausnahme: Jonathan Noyce (Jethro Tull u.v.a.) am Bass war auch bei Moores letzten Konzerten 2010 dabei. Das weitere Line Up besteht aus Darrin Mooney (Schlagzeug) und Langzeitgefährte Don Airey (Keys). Mit dabei ist bei zwei Stücken auch die Horn Sektion der „Midnight Blues Band“. „You Know My Love“ mit schönem Bläserarrangement und ausgedehntes Solo mit charaktervollem Les Paul – Marshall-Sound. Ich würde sagen bis auf die Bläser live im Studio mitgeschnitten.

Bei „Reason To Cry“ sind Pete Rees (Bass), Graham Walker (Drums) und Vic Martin (Keys) zu hören. Fast schon poppig kommt Gary Moore in „Ain´t Nobody“ daher. Eine wunderschöne Nummer ist das ruhige “Flesh & Blood”, dessen nur  etwa 25 Sekunden langes Solo die vollendete Tonformung Moores zeigt.  Für alle, die den typischen Telecaster – Sound lieben, werden mit

dem getragenen „No Reason To Cry“ beschenkt. Telecaster pur für 9 Minuten. Mit der Tele ist auch das Instrumentale „Cut It Out“ gespielt.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Gitarre & Bass Special „Gary Moore“ (Interviews, Workshops, Features), März 2011

Harry Shapiro Gary Moore “I can´t Wait Until Tomorrow” – The Official Biography, London 2017

Rich Maloof Jim Marshall – The Father Of Loud, San Francisco 2004

Bernie Marsden Where´s My Guitar? England 2017
Vic DaPra Burstbelievers IV,Anaheim 2018

Guitarist Magazine Issue 340, April 2011

Gary Moore – 3. Teil folgt!

Monthly Guitar June: Marshallized – update

Marshallized
I bought my first Marshall amp in 1983, mainly used Peavey amps before. Gary Moore´s album „Corridors of Power“ and his typical Marshall sound convinced me. So I switched to Marshall´s 4210 JCM 800 Combo. This unit was the first two channel amp with an effect loop. I got 1933 box, and later a second JCM 800 4010-Combo with the same box. I used both amps with a switcher.

1983
Around 1988. Two small „Towers“ behind me.
1986 Klopstock band


1993, after using Engl amps for a short time, I got a Marshall 30th Anniversary 6101 LM Combo with 1912 box. Perhaps in my opinion the most impressive and most versatile amp ever built by Marshall. Too bad it was very heavy ( 88 lbs with flight case) to carry around. I used this amp til 1999.

My beloved 6101 LM



2000 I bought a Marshall 2000 DSL 401- Combo, Gary Moore used a DSL head since 1998. My first amp is a limited Edition for Frankfurt Music fair. Bought a second one from 1999 for replacement reason. I used both amps in Hugo For Sale and every time til today when rehearsing for Earl Grey. No single issue with the amps at all. Playing live with Earl Grey I used a Koch Studiotone and a Koch Jupiter for a while in combination with two Fender Blue Juniors.

Earl Gey poster
DSL 401, left Limited Edition Amp
1999 Marshall DSL 401 – still working!
Marshall DSl 401 plus Marshall 1912


Marshall 1974X Handwired is an awesome amp. I mainly used it on my CD “On Scrambled Tunes”. Here is a good example of my Les Paul Lemonburst meeting a handwired Marshall: “Shadow of a doubt”

A new addition is a Marshall DSL40 CR  (Combo Reissue) with EL 34 valves and two channels, (Clean/ Crunch/ Classic Gain/ Ultra Gain Modes) two master volumes and six-way foot-controller. It got an Emulated Output designed by Softtube for silent recording, too.

Marshall effect pedals photo cmartin

Marshall Origin 20 Combo

“Vintage Sound from a small combo” , I nicknamed him British Blues Junior – one channel amp with boost function. A very good 10 inch Celestion V-Type loudspeaker for vintage sounds. Like DSl 40 CR it´s got EL34-valves and three 12 AX7. It is not a high gain amp at all, but it´s got wonderful vintage clean tones.

Real vintage look: Marshall Origin 20C
Marshall and Fender amps

Marshallized II by Pedals

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Marshall Pedals

photo cmartin/ production catalogue

Marshall EH- 1 Echohead

Before  2009  I used rack mounted effect units like Lexicon or Artverb. After 2009 I preferred small pedals. The first that comes to mind is the phenomenal  Marshall Echohead. In the  late 90s I missed to buy Marshall´s JFX-1 Signal Processor. It contained Chorus/ Flange/ Multi-Tap-Delay/ Reverb/ and Delay. The Echohead  features six modes: Hi-Fi, Analogue, Tape Echo, Multi Tap, Reverse and Mod Filter. A great pedal, that I often use:  one in the loop and another one on the pedal board.

Marshall Reflector Rf-1

photo cmartin

Rf-1 is an awesome Reverb pedal with six different  modes. You can choose between Hall, Plate, two Spring reverbs and Reverse. It´s way better than Boss´s FRV 1 (Fender reverb), cause you get an arsenal of reverb options. I used it for reverb sounds on my cd “Scrambled Tunes” and live in the loop of Marshall´s Origin 20c.

Marshall Regenerator RG-1

A multi effects pedal in a small unit: Vintage Chorus, Multi Chorus,  Vintage Flanger, Phaser, Step Phaser and Vintage Vibe

Foremost I use the Vintage Chorus. You know the typical Peter Frampton sound on “Frampton Comes Alive” track “Lines Of Fire” or “Do You Feel Like We Do”? Choose Multi Chorus with mode knob and tweak a bit around and you will have it.

Marshall Vibratem  VT-1

photo cmartin Marshall Vibratrem

Take a step back in time to the British amps of the early sixties. The VT-1 is retro as you can get, switching  between two modes Vibrato or Tremolo. Use it in the Origin loop. Peter Frampton sound with Marshall´s Switching Vibrato setting: Mode Vibrato, Speed 12 o´clock, Depth full, Shape full.

Marshall Guv´nor  GV-2 plus

Second generation of  the famous pedal. Gary Moore is said to have played  the  solo part of „Still Got The Blues“  with this unit. The pedal is a “small amp” with Gain, Volume, Deep Control, Middle, Bass, Treble.. It´s just like adding another Marshall amp to your rig.

Marshall Bluesbreaker II  BB-2

photo cmartin

Superb one. Two in one. On one hand a truly  valve-like overdrive, on the other a booster that gives your solos that extra lift. I use it with DSL 40CR´s  clean green channel and with the Origin 20c to get a more crunch tone.

All Marshall pedals are built like tanks. Great Quality for optimum performance.

Marshallized III : Marshall Code 25

A superb modelling amp including a mobile phone app and the possibility to create presets and to share them worldwide.

Marshall Code 25
Marshall Gateaway app
Marshall Code 25 and Marshall Stanmore II
Marshall pedalboard

Würzburger Geschichten – Hinauf zum Käppele – Messen und der Fuß der Mutter Gottes

Es war eine alljährliche, echte Tradition der Familie Martin/Hessenauer.

In der Woche vor Schulbeginn hieß es  den Segen des guten Gottes für ein erfolgreiches Schuljahr einzuholen. Dieser Pflichttermin fiel niemals aus.

Mit neuen Klamotten ausstaffiert

Sonnig war es an diesem Tag in der Woche vor Schulbeginn eigentlich immer. Herbstsonne, gefärbtes Septemberlaub und angenehme sommerliche Temperaturen. Beste Voraussetzung also für den interfamiliären Wallgang zum Käppele. Gestartet wurde im Mittleren Neubergweg bei Tante Ilse, die uns stets begleitete, damit wir nicht vom rechten Weg abkämen. Eingekleidet waren wir immer in neuen Klamotten, die  jedes Jahr vor Schulbeginn gekauft wurden. Mutter hatte gewöhnlich Verschiedenes zur Auswahl vom Wöhrl herbeigeschleppt. Zu der Zeit waren farbige Feinkordhosen in typischen Herbsttönen  sehr beliebt. Dazu ein schönes kariertes Hemd, ein beiges Jäckle nicht zu warm und dann schöne hellbraune Wildlederstiefeletten mit Kreppsohle. Übergeben mit der Warnung  „Spiel´damit ja kein Fußball, sonst sähen sie gleich wieder aus…!“

Zum Käppele-Gang sauber angezogen. Insgesamt waren wir immer zu sechst: Tante Ilse plus meine drei Cousins Erich, Michael, Matthias, mein Bruder Schorsch und ich.

Die Marschroute

Marschroute war immer die gleiche:  über Keesburgstraße, Studentenhaus, Löwenbrücke und dann den Stationenweg hoch zum Käppele. Halt! Den rechten Fuß in den Fußabdruck der Mutter Gottes reinpressen. Mann, die hatte große Füß´ gehabt! Mindestens 58!

Marias Fuß

50.- DM zahlen

Dann weiter hoch zur Wallfahrtskirche. An der Klosterpforte dann : „Für jeden eine Messe für ein gutes Schuljahr!“ 50.- Mark für den „Ablasshandel“ wechselten den Besitzer. Schon ein gutes Gefühl Schulglück gekauft zu haben!  Eigentlich kann ja nix mehr schieflaufen! Schuljahr gebongt. Dann rein zu den Votivtafeln „Maria hat geholfen“ und den dreckig-gelben wächsernen Körperteilen. Vor der Gnadenmadonna im  rußigen Andachtsraum Kerzen angebrannt. Ein Zehner für das Licht im „Wallfahrtsnachbau“. Vaterunser in der Kirche plus kurzes Verweilen auf Knien. Also wenn das Schuljahr nicht gut wird! Vielleicht hätte ich manchmal noch ne Runde länger knien sollen, damit der liebe Gott mir einen allumfassenden göttlichen Freibrief für Mathematik  implementiert hätte. Endlich raus aus der Kirche.

Auf zur „Molkenkur“

Jetzt kam nämlich das Wichtigste. Hinauf zur „Molkenkur“, da wo heute der „Nikolaushof“ residiert,  stand  gleichnamiges  Gasthaus. Jetzt öffnete Tante Ilse den Geldbeutel und jeder bekam nach den „heiligen“ Handlungen sein „irdisches“ Eis. Gott sei Lob und Dank! Der Höhepunkt des Tages in nagelneuer Kluft auf `nem  Mäuerchen mit seinen besten Freunden, das waren wirklich meine Cousins und Schorsch, sitzend, leckeres Eis zu schlecken. Mist – das Eis tropft auf die neue Hose. „Hammer gleich“. Ilse zieht ein Taschenbuch aus der Handtasche, benetzt es leicht mit Spucke und der Fleck verschwindet von der Hose – ein Wunder! Eben ein heiliger Ort hoch über Würzburg. Zurück ging es dann über die Anna-Schlucht. Wehmut kam auf: Schulbeginn nun unausweichlich! Bis wir wieder zum Käppele gehen, dauert´s recht lang! Hoffentlich vergessen die Franziskaner die bezahlten Messen nicht zu lesen.

Monthly Guitar May. Marshallized II by Pedal

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Marshall Pedals

photo cmartin/ production catalogue

Marshall EH- 1 Echohead

photo cmartin

Before  2009  I used rack mounted effect units like Lexicon or Artverb. After 2009 I preferred small pedals. The first that comes to mind is the phenomenal  Marshall Echohead. In the  late 90s I missed to buy Marshall´s JFX-1 Signal Processor. It contained Chorus/ Flange/ Multi-Tap-Delay/ Reverb/ and Delay. The Echohead  features six modes: Hi-Fi, Analogue, Tape Echo, Multi Tap, Reverse and Mod Filter. A great pedal, that I often use:  one in the loop and another one on the pedal board.

Marshall Reflector Rf-1

photo cmartin

Rf-1 is an awesome Reverb pedal with six different  modes. You can choose between Hall, Plate, two Spring reverbs and Reverse. It´s way better than Boss´s FRV 1 (Fender reverb), cause you get an arsenal of reverb options. I used it for reverb sounds on my cd „Scrambled Tunes“ and live in the loop of Marshall´s Origin 20c.

photo cmartin

Marshall Regenerator RG-1

photo cmartin

A multi effects pedal in a small unit: Vintage Chorus, Multi Chorus,  Vintage Flanger, Phaser, Step Phaser and Vintage Vibe

Foremost I use the Vintage Chorus. You know the typical Peter Frampton sound on “Frampton Comes Alive” track “Lines Of Fire” or “Do You Feel Like We Do”? Choose Multi Chorus with mode knob and tweak a bit around and you will have it. For Vibrato sounds you turn the mode knob to the Vintage Vibe mode. Great variation of sounds.

Marshall Vibratem  VT-1

photo cmartin

Take a step back in time to the British amps of the early sixties. The VT-1 is retro as you can get, switching  between two modes Vibrato or Tremolo. Use it in the Origin loop. Peter Frampton sound with Marshall´s Switching Vibrato setting: Mode Vibrato, Speed 12 o´clock, Depth full, Shape full.

Marshall Guv´nor  GV-2plus

photo cmartin

Second generation of  the famous pedal. Gary Moore is said to have played  the  solo part of „Still Got The Blues“  with this unit. The pedal is a „small amp“ with Gain, Volume, Deep Control, Middle, Bass, Treble.. It´s just like adding another Marshall amp to your rig.

Marshall Bluesbreaker II  BB-2

photo cmartin

Superb one. Two in one. On one hand a truly  valve-like overdrive, on the other a booster that gives your solos that extra lift. I use it with DSL 40CR´s  clean green channel and with the Origin 20c to get a more crunch tone.

All Marshall pedals are built like tanks. Great Quality for optimum performance.

photo cmartin Setup for Marshall DSL 40 CR/ Switch Blade for Amp Switching/ Echohead/ Regenerator/ Guvnor plus/Bluesbreaker/ Dunlop Joe Bonamassa Cry Baby/ 6-way Marshall DSL40 CR Foot-Controller/ second Echohead in the DSL´s loop
photo cmartin Setup for Marshall Origin 20 C : Switch Blade/ Echohead/ Regenerator/ Guvnor/ Bluesbreaker/ Joe Bonamassa Cry Baby Marshall Switch for Boost and Loop and a Reflector RF 1, Marshall´s Vibratrem in the loop

Würzburger Geschichten: Wunder gibt es immer wieder!

Wer kennt sie nicht die Angst vor dem Zahnarzt.

Unserer hieß Dr. Barczay und war ungarischer Abstammung. Seine moderne, neu eingerichtete Praxis war seit etwa 1968 ? unweit der Lindleinsmühle  in einem  vielleicht dreistöckigen Mehrfamilienhaus mit Geschäften im Erdgeschoss. Auftretende Zahnschmerzen, ob der vielen Süßigkeiten, die es zu vertilgen galt, versuchte ich durch Unterdrückung selbiger zu kurieren. Der temperamentvolle Dr. Barczay tat sich bei meiner Behandlung jedes Mal recht schwer und war nicht selten einem Nervenzusammenbruch nah, wenn ich mich während der Behandlung in zwei Richtungen bewegte: a) auf dem Behandlungsstuhl entweder zu ihm hinzustreben oder b) mich mit aller Gewalt in die Polsterung des Stuhls zu versenken um Abstand vom rotierenden Bohrer zu gewinnen.

Der Zahn tobt!

Der schönste Moment jedes Zahnarztbesuches ist doch immer, wenn hinter einem die Haustür ins Schloss fällt. Erhebender Augenblick des Glücks. Schön, wenn man nicht hin muss.  Manchmal war der peinigende Schmerz aber nicht mehr auszuhalten. Mutter vereinbarte wieder einen Termin und meinte: „Fährst halt mit dem Rädle nüber.“ Also auf´s Rädle und los ab. Der schmerzhafte Zahn tobte ja auch gerade wieder. Mit jeder Pedalumdrehung wuchs die Angst vor der anstehenden Pein.

Ein Wunder

Aber welch´ Wunder: Ab dem Berliner Ring  ließ der Schmerz Meter für Meter nach. An dem Haus der Zahnarztpraxis  angekommen, war das Mirakel vollends geschehen: Schmerzfrei! So beschloss ich den unnötigen Zahnarztbesuch kurzerhand eigenmächtig zu beenden, wendete und trat die Heimfahrt an. Mutter wunderte sich über den kurzen Besuch und ich log: „Stell dir vor, es war keiner da. Praxis geschlossen!“ „Was? Die hätten ja wohl telefonisch Bescheid gäb´könn!“  Allerdings ging mir Mutter diesbezüglich nur einmal auf den Leim.

„Würzburger Geschichten“ aus der Semmelstraße über allerlei Getier, das Bananenbäuerle, Personalwesen, Nachbarschaft, Hausbegehung und ein späterer Stadtpromi wird auch noch erwähnt. Viel Vergnügen!

Semmelstraße Würzburg: Links das Hotel London und das Cafe

Wie ich heute so mit dem Hund unterwegs war, fiel mir wieder Frau Hochrhein ein. Nach dem Namen hatte ich schon seit Tagen gesucht, wie nach einem fehlenden Puzzleteil.

Ein Gang durch das Haus

13 Jahre lang habe ich in der Semmelstraße 23 gewohnt. Ein dreistöckiges Anwesen mit Hinterhaus, unglaublich verschachtelt. Das Erdgeschoss beherbergte die Metzgerei, im hinteren Teil befanden sich  die Wurstküche, zwei Kühlräume, ein Salzraum und ein winziges Kabuff  mit dem Knochensägegerät.  Mutter erzählte einmal, dass in dem einen Kühlraum nach dem Angriff eine Leiche lag. Der Mann war im Kühlraum erstickt, da das Feuer den Sauerstoff absog. Die ganze Wurstküche war gefliest. An einer Wand standen zwei große Kessel. Wir hatten eine echte Räucherkammer für all die Wurstwaren. Am besten schmecken Wienerli halt, wenn sie so lauwarm aus dem Rauch kommen  und noch am rußigen Gestell hängen. Sägemehl wurde dazu immer im Neuen Hafen geholt. Das fand ich recht spannend, weil es immer für Abwechslung sorgte. Und ich genoss es neben meinem Vater im Lieferwagen zu sitzen. Neben der langen Einfahrt gab es einen kleinen Innenhof, in dem  Mülltonnen, Fahrräder und bis zu Oma Mathildes Tod die Spirlingsmaischenfässer standen.

„Klenner hol mal….!“

Gleich daneben ging es in den Keller. Wenn es manchmal samstags- oder sonntagsabends hieß  „Klenner hol´mal eine Flasche Wein aus dem Keller“ überkam mich als kleiner Stöpsel Angst. Das ist das Thema, das Lehrer gern im Deutschen stellen. Ich hätte den Gang in die Tiefe mit Bravour als Erlebnisaufsatz schildern können. Der Keller war mir immer unheimlich. Rechts war ein Lichtschalter angebracht. Licht an! Und die Ohren gespitzt, ob irgendetwas Verdächtiges zu vernehmen war. Dann laut pfeifend der ausgetretenen Treppe folgen. Biegung nach links und dann den Gang hinter  bei spärlicher Deckenbeleuchtung. Die Fernheizung gluckerte vor sich hin. War da was? Es knackst unter den Füßen. Ne Kakerlake zerquetscht – na prima. Ihre Freunde flüchten rasend. Trost spendet die gehörte Ansicht, wenn Kakerlaken da sind, gibt´s keine Ratten. Nochmal links dann, die Thekenkühlanlage produziert auch Geräusche, nun zu den Kellerabteilen, Flasche geschnappt und Rückweg. Welcher Trottel macht denn jetzt plötzlich oben das Licht aus? Ich schrei´den Gang hinter „Licht an!“ Uff. Schnell raus hier.

Ungeziefer gab es bisweilen: Kakerlaken und Ratten. Meine Eltern sagten immer, die letzteren kommen vom Bäcker im übernächsten Haus. Man hat natürlich immer versucht die Viecher loszuwerden. Dazu gehörte absolute Reinlichkeit. Ratten waren allerdings eher selten ein ernstzunehmendes Problem, denn unsere Familie hatte immer Pfeffer-Salz-Schnauzer im Haus.

1973 hatten wir wieder einen Pfeffer-Salz-Riesenschnauzer auf der Sieboldshöhe: Leo wurde der Teufel genannt!

Will, so hieß unser Mittelschnauzer in den 60ern, wurde  im Keller eingesperrt, um einer Einnistung der Nager vorzubeugen. Später dann in den 70ern hatten wir keinen Rattler (= Pinscher/Schnauzer) mehr. Das passte mit einem Lebensmittelbetrieb nicht mehr zusammen, außerdem ging Will immer in die Semmelstr. 21 und schiffte da im Treppenhaus gegen die Wand, denn dort war Dr. Schneidemanns Tierarztpraxis. Das gab Ärger. In dem Nachbarhaus hatte zudem der Allgemeinarzt Dr. Krug seine Praxis. Das ganze Anwesen durchzog ein furchtbar penetranter  Gestank, der noch von der Tatsache potenziert wurde, dass Frau Hochrhein im obersten Stockwerk die Ratten der Lüfte, nämlich ein Heer von Tauben fütterte. Das war eklig und nicht zum Aushalten. Mit Frau Hochrhein gab es diesbezüglich den ein oder anderen Disput.

Semmelstr. 23 – Fortsetzung der Hausbegehung

Eine Holzstiege führte durch das ganze Haus. Im 1. Stock war unsere Wohnung, im 2. Stock Oma Mathilde. Gegenüber ihrer Wohnung war in den 60er Jahren das Waschhaus. Es war ausgestattet mit riesigen Metallzubern, in denen die blutige Berufskleidung  erstmal eingeweicht wurde. Zum Trocknen kamen diese auf den sich anschließenden Balkon oder auf die beiden Terrassen ober- bzw. unterhalb des 2. Stocks. Der dritte Stock war an Studenten vermietet. Einer der früheren Jura-Studenten ist seit langem stadtbekannt: Adolf Bauer, unser 2. Bürgermeister, jetzt A.D. Im dritten Stock führte eine Tür auf die Altane mit herrlichem Blick auf Stift Haug und unseren ca. 7 m hohen Schlot, der aus dem Hinterhaus ragt.

Großmutter Mathilde im weißen Metzgerkittel auf der Altana der Semmelstraße. Dahinter sind noch Ruinen und der beginnende Wiederaufbau erkennbar. Auf dem Sonnenstuhl daneben ein Riesenschnauzer. Wer die adrette, junge Frau daneben war, weiß ich nicht.

Den Schlot hat einmal ein, im Appartement wohnender  guter Freund meinerseits, in den 80ern mit einem nackten, überlebensgroßen Mann verziert. Meine Eltern fanden es künstlerisch wertvoll,  die Nachbarn weniger und so musste er abgehängt werden. Ende der 60er wurde aus der Waschküche das Mädchenzimmer für ca. 4 bis 5 junge Damen. Es war damals Usus, dass das vom Land kommende Personal Kost und Logis bei uns hatte. Katholisch getrennt –  die Mädchen im 2. Stock, das Burschenzimmer befand sich im Hinterhaus. Dort wohnte noch ein schon betagtes Paar, Herr und Frau Keil. Wahrscheinlich äußerst günstig, meine Eltern waren diesbezüglich absolut sozial eingestellt. Der Keil Sohn Fritz, der Dunnerkeil, besuchte seine Eltern oft und jedes Mal gab es eine heftige Konfrontation mit Will unserem Schnauzer. Beide konnten sich auf den Tod nicht ausstehen.  Wer zuerst mit dem Zwist begonnen hat, Fritz wie der Wüterich aus Struwwelpeter oder Will, der aggressive Schnauzer, weiß ich nicht mehr. Die zwei führten auf jeden Fall Krieg miteinander.

Im 1. Stock führte ein Gang zum Hinterhaus. Rechts vom Gang war eine geräumige Küche mit Gasherd und großem Tisch für das Personal. Dort nahm dieses das Mittag- und Abendessen ein.

Die Metzgermeister, -gesellen und Lehrlinge in den 80ern

Arbeitsbeginn war für die männliche Belegschaft je nach Wochentag vier oder fünf Uhr. Am Samstag wurde sogar bisweilen, vor allem in der Zeit vor Weihnachten, noch eher begonnen. Die Mädchen hatten´s da besser, die begannen um 7 Uhr.

Gefrühstückt hat die Wurstküchenmannschaft zwischen 8 und 9 Uhr. Es wurde ein Tablett mit Malzkaffee, Brötchen, Butter, Marmelade und Wurst nach hinten getragen. Man scharte sich um einen Hackstock, saß auf Mulden und langte kräftig zu. Um 13 Uhr war allgemeines Mittagessen: wir im Ladenzimmer, das Personal oben in der Küche. Gekocht für alle hat meist nebenbei meine Mutter. Ich weiß nicht, wie oft sie die Treppe vom Laden hoch zur Küche gerannt ist. Das war der tägliche Sport um fit zu bleiben. Wir hatten auch eine Angestellte, die sich um Wohnung, Personalräume, Wäsche, und Konradbetreuung kümmerte. Nach Mutters Anleitung verrichtete sie Küchenarbeiten.

Beim Ausbeinen: links Konrad Martin und rechts der früh verstorbene Wolfgang Rüger

Der Speiseplan war sehr abwechslungsreich: Fleischküchle, Suppenfleisch, Bauchspitze, Koteletts, Krautwickel, Bratwurst, Hackbraten, Fleischwurst, Kartoffelgemüse,  Nudeln, Salzkartoffeln, Reis, Kartoffelbrei, Salat, Wirsching, Spinat, Blumenkohl, Sauerkraut, immer Nachtisch, vorneweg stets Rindersuppe. Freitags: niemals Fleisch, dafür Fisch, Griesbrei, Reisbrei, arme Ritter mit Weinschaumsauce! Die beste Suppe, ich weiß nicht, ob ihr das kennt, war eine Fleischbrühe in der geräucherte Bauchspitze gekocht worden war mit Reiseinlage.

Personal wird gehegt und gepflegt

Es war damals – wahrscheinlich genauso wie heute –  verdammt schwer Lehrlinge für das Metzgerhandwerk zu bekommen. Wenn meine Eltern irgendeinen Tipp bekamen, sind sie am Wochenende bis in die Rhön gefahren, um eventuelle Aspiranten  auf eine Ausbildung persönlich kennenzulernen bzw.  sich von dem zukünftigen Mitarbeiter ein Bild zu machen oder auch um die Lehrstelle mitten in der Stadt anzupreisen. Das war wirklich eine schwere Zeit.  Aus diesem Grund war ihnen jeder unserer Angestellten lieb. Und es ging ihnen gut bei uns. In der Sommerszeit wurden  alle nach Ladenschluss in unseren Garten geschafft. Es wurde zu Abend gegessen, geratscht und die Burschen bolzten mit uns Kindern  Fussball. Das ging oft bis zur Dämmerung. Auf dem Heimweg gab´s bisweilen noch für alle ein Eis in der Franz-Ludwigstraße (Eis-Babett?). Das Eis da war selbstgemacht, vor allem das Fruchteis war exzellent.

Oh Gott – es ist wieder Kiliani!

Wenn Kiliani war, stand immer ein gemeinsamer Besuch des Volksfestes  auf dem Programm. Das war aber auch die Zeit, in der meine Mutter immer die größten Ängste hatte: „Hoffentlich wird mir keine schwanger!“ Das war stets ihre Befürchtung. Selbiges galt auch, wenn das amerikanische Freundschaftsfest war. Schließlich hatte sie für die Nichtvolljährigen die Verantwortung zu tragen.

Es war nicht einfach für sie, wenn die jungen Damen um 24 Uhr noch nicht im Bett lagen oder am nächsten Tag ob des beträchtlichen Alkoholgehalts nicht aus den Federn kamen. Aber letztlich lief doch alles immer glimpflich ab.

Eine gemeinsame Weihnachts- und Faschingsfeier gab es auch jedes Jahr so bis zu Beginn der 70er Jahre.

Was ich wohl nie vergessen werde, ist der frühmorgentliche Besuch in der Bäckerei Schäflein. Überall für uns „Wurstmännli“ der betörende Geruch nach frischem Backwerk. Die warmen wohlriechenden Weck in den Körben knisterten noch vor sich hin. Lecker. Meist holte ich den ersten Korb Brötli für die Wurstkipf und durfte immer noch Hörnchen mitnehmen. Was gibt´s besseres als ein fränkisches Hörnchen in süßen Milchkaffee einzutunken. Ab 6 Uhr kamen dann die ersten Kunden um Brotzeiten abzuholen.

Der „Bananen-Bauer“

Einer von denen war der „Bananen-Bauer“ oder lieblicher es „Bananen-Bäuerle“. Ein schon abgearbeitetes , kleinwüchsiges Männlein in blauer Arbeitskluft mit Schirmmütze, das tagtäglich in den frühen Morgenstunden  mit seiner braunen Aktentasche einlief . Irgendwie erinnerte er an „Walther Sparbier“ (das sagt wahrscheinlich kaum einer/einem noch was!) nur kleiner und verhuzzelter. Er arbeitete am Bahnhof und war bei 1×1 oder so ähnlich für Obst und Gemüse zuständig. Drum hieß er „Bananenbauer“. Und tatsächlich brachte er am Morgen oft irgendwelches Obst mit. Einmal hatte er nen ganzen Karton bestellte Bananen für den Nachtisch dabei und ich sollte diesen hoch in die Küche tragen und selbigen wieder zurückbringen. Ich also hoch – die Bananen waren in so blaues Papier eingewickelt- hole fünf zusammenhängde heraus und leg´ sie auf die Küchenanrichte, da fällt eine „Bananenspinne“ auf den Boden – sie hat nur kurz gelitten.

Heiße Knöchli

Donnerstags war Knöchles-Tag. Schon um 6 Uhr stand der riesige Metallkasten im Laden voll mit dampfenden Knöchli, so dass die Ladenscheibe anlief. Ich hasste diesen Geruch und verstehe bis heute nicht, warum viele Zeitgenossen so scharf darauf sind. Auf jeden Fall war das jede Woche ein Mordsgeschäft. Vor allem die Müllmänner rissen sich um die Knöchli und nach kürzester Zeit waren sie  Woche für Woche weg. Wer nicht vorbestellt hatte, schaute eh in die Röhre. Im Gegensatz zu den Knöchli, gefiel mir das Auslassen von Schweinefett und das Füllen der Tüten mit dem blauen Etikett, auf dem eine fröhliche Wutz abgebildet war. Ich liebte Griebenschmalz und  ein Schwarzbrot mit Schweinefett bestrichen, obendrauf natürlich eine Prise Salz – ein Gaumenfest.

Ich mochte die Semmelstraße – die Metzger- und Bäckerstraße. Vier Metzger, zwei Bäcker. Nur 30 m von uns entfernt war die Metzgerei Lotter. Und vorne stadtauswärts rechts war das Café Walter. Die hatten äußerst gute Salzstangen.

Zwiebelkirchweih

Höhepunkt in der Straße war immer die Zwiebelkirchweih. Nicht so der Trubel mit Bierbänken und –tischen wie heute. Das war ein kurzes aber heftiges Zusammenkommen von Menschen, die die Wallfahrer begrüßten, die damals noch hundertprozentig echte Wallleut waren. Vorneweg lief meist Herr Burger, der meinen Vater bei der Gartenarbeit unterstützte. Vorne beim Bürgerspital wurden Tannenwedel mit angehängten Süßigkeiten verkauft. Der ganze Straßenzug roch nach Zwiebel- und Zwetschenkuchen. Bäcker Schäflein machte jedes Jahr ein Riesengeschäft und die Metzgereien verkauften Leberkäs- und Wurstweck. Waren die Wall-Leut durch war´s Fest vorbei.

Wenn am Samstag, der schon beschriebene Ladendienst beendet war, erhielten alle Angestellten ein großes Wurst- und Fleischpaket für ihre Familie. Samstags ging das männliche Belegschaft spätestens um 10 Uhr  ins Wochenende. Ab 15 .30 Uhr kehrte bei uns im Haus Grabesstille ein. Samstag war Badetag und dann wurde relaxed. Wohl verdientes Wochenende.

Ferienerlebnisse in der fränkischen Provinz gibt´s demnächst hier zu lesen! Bis dahin herzlichen Gruß! 🙂